CDU-Politiker Hermann Schwörer ist tot

Lesedauer: 8 Min
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleitung

Der langjährige Bundestagsabgeordnete Hermann Schwörer ist tot: Wie am Sonntag bekannt wurde, ist der Politiker in der Nacht zum Freitag gestorben. Im Mai hatte Schwörer in seinem Haus in Sigmaringen im kleinen Kreis seinen 95. Geburtstag gefeiert. Sein Nach-Nachfolger auf dem Abgeordnetenstuhl, Thomas Bareiß, nannte Schwörer einen „Abgeordneten wie er im Buche steht“. Auf Wunsch des Verstorbenen finden die Trauerfeierlichkeiten in Beuron statt. Als Termin ist Samstag, 2. Dezember, vorgesehen.

Bis vor einigen Jahren konnte man Schwörer am Morgen im Sigmaringer Prinzengarten in der Nähe seiner Villa beim Frühsport beobachten. Im hohen Alter von mehr als 90 Jahren war der für seine Ausdauer bekannte Politiker als Walker unterwegs. Doch zuletzt haben seine Kräfte nachgelassen. Sie reichten nicht mehr für sportliche Aktivitäten und auch aus der Öffentlichkeit zog sich Schwörer mehr und mehr zurück.

„Ära“ begann 1958

Der CDU-Kreisparteitag vor wenigen Wochen in Rohrdorf bei Meßkirch wäre für ihn und seine Frau eigentlich ein Pflichttermin gewesen, doch der langjährige Abgeordnete musste sich entschuldigen. Am vergangenen Freitag ist ein „erfülltes Leben“ zu Ende gegangen, wie es der CDU-Bezirksvorsitzende Thomas Bareiß formuliert. Bareiß spricht von einer „Ära“, die am 21. Oktober 1958 begann. Schwörer war über die Landesliste in den Bundestag nachgerückt. In Bonn erarbeitete er sich über die Jahre mehr und mehr Einfluss. Der frühere, ebenfalls bereits verstorbene Tübinger Regierungspräsident Hermann Strampfer, sagte über Schwörer, er sei ihm in Bonn als „wichtigster Abgeordneter Baden-Württembergs“ vorgestellt worden.

Er war das erste, aber nicht das einzige politische Schwergewicht, das Sigmaringen seine Heimat nannte oder nennt: Schwörer folgten CDU-Größen wie der langjährige Innenminister Dietmar Schlee, die Umwelt- und Verkehrsministerin Tanja Gönner und der amtierende Ministerpräsident der Grünen, Winfried Kretschmann.

Dabei ist Hermann Schwörer streng genommen nur ein zugezogener Sigmaringer: In den 1950er-Jahren war er nach Sigmaringen gekommen – die Stadt ist schnell zu seiner Heimat geworden. Eigentlich hätte der promovierte Jurist Diplomat werden sollen. Doch die Familie rief nach ihm, als sein Bruder schwer gezeichnet aus dem Krieg heimkehrte. Die Brüder harmonierten prächtig: Hans war der Kaufmann mit technischem Hintergrund, Hermann der Verkäufer. „Mit den Leuten schwätzen konnte ich schon immer“, sagte er vor einigen Jahren.

Schwörer eröffnete in Sigmaringen einen Baustoffhandel, doch weil die Zahlungsmoral der Kunden zu wünschen übrig ließ, entschied die Unternehmerfamilie selbst Häuser zu bauen: Die Fertighausidee war geboren. Die Brüder Schwörer entwickelten das Unternehmen mit Sitz in Oberstetten zu einem der Aushängeschilder Baden-Württembergs. Zuletzt wurden mehr als 1700 Mitarbeiter beschäftigt und der Umsatz lag im Jahr 2016 bei 270 Millionen Euro.

Was viele nicht (mehr) wissen: Neben seiner Arbeit als Bundestagsabgeordneter vertrat der Politiker die deutschen Interessen neun Jahre lang im Europaparlament – von 1970 bis 1979. Seine Abgeordnetentätigkeit endete unfreiwillig: Schwörer wollte 1994 erneut antreten, obwohl der Landespolitiker Schlee seinen Wechsel nach Berlin angekündigt hatte. Schwörer entschied sich zu einer Kampfkandidatur gegen Schlee, obwohl im Freunde davon abrieten, und er verlor. Dass er daran nicht zerbrach, lag an einer Fülle von Aufgaben, die als Unternehmer auf ihn warteten. Schwörer widmete sich, wie es seine Art war, mit Elan dem Aufbau einer Niederlassung in Berlin. Er nutzte sein Netzwerk, um Kunden für die Schwörer-Gruppe zu gewinnen. „Er macht total durch, bis an sein Lebensende“, sagte seine Frau Sophie zu seinem 90. Geburtstag. Die beiden harmonierten prächtig und kutschierten mit ihrem Mercedes durch halb Europa. Zu seiner Audienz bei Papst Benedikt fuhren die Schwörers mit dem Auto, weil sie dort besser arbeiten konnten.

Für die Zeit nach ihm hatte Schörer rechtzeitig die Vorbereitungen getroffen: Zu seinem 85. Geburtstag hatte er eine Stiftung gegründet und Eckpunkte seines Lebens in einem Buch niedergeschrieben. Hermann Schwörer wurde 1982 das Große Bundesverdienstkreuz und 1998 die Verdienstmedaille des Landes verliehen. 2009 erhielt er die Europamedaille. Dabei wollte er gar nicht an das Lebensende denken.

„Den 95. Geburtstag schafft mein Mann hundertprozentig und den Baum für den 100. habe ich bereits ausgesucht“, sagte die Ehefrau vor einigen Jahren. Sein Lebenstraum, 100 zu werden, hat sich nicht erfüllt. Doch den Baum sollte Sophie Schwörer trotzdem pflanzen. Er wäre ein würdiges Andenken.

Weitere Bilder vom Leben Hermann Schwörers finden Sie im Internet unter

www.schwaebische.de/schwoerer

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen