Brauereichef schlägt Weinpräsent des Bürgermeisters aus

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 Brauerei-Chef Ralf Rakel (links) gibt das Weinpräsent an Kommandant Jürgen Bossert (Zweiter von links) weiter. Bürgermeister Eh
Brauerei-Chef Ralf Rakel (links) gibt das Weinpräsent an Kommandant Jürgen Bossert (Zweiter von links) weiter. Bürgermeister Ehm (rechts) scheint nicht begeistert zu sein. (Foto: Thomas Warnack)
Redaktionsleitung

Bürgermeister Marcus Ehm hat beim Neujahrsempfang der Stadt am Sonntagabend die rund 400 Gäste aufgefordert, tatkräftig an der Gestaltung der Zukunft Sigmaringens mitzuarbeiten: „Wir alle gemeinsam führen Sigmaringen in eine tolle Zukunft.“ Ehm bot den Bürgern an, ihre Anliegen vorzutragen. Er habe jederzeit ein offenes Ohr. Neuigkeiten in Bezug auf geplante Vorhaben nannte der Bürgermeister nicht.

Die Brauerei Zoller-Hof erhält von Ehm eine Plakette, weil sie ihre Mitarbeiter während der Arbeitszeiten für die Feuerwehr freistellt. Die Besucher schmunzeln, als Ehm ein Weinpräsent überreichen möchte. „Es ist doch ein Trugschluss, dass Brauer nur Bier trinken“, versucht er die Situation zu retten. Doch Geschäftsführer Ralf Rakel nimmt den Wein nicht an. „Wir haben tolle Sachen im Keller, super Biere, aber Wein – danke.“ Den Karton schenkt er der Feuerwehr weiter.

Kein Defilee zu Beginn

Im Vergleich zu früheren Neujahrsempfängen hat der Bürgermeister deutlich weniger Redeanteil. Marcus Ehm lässt die Hauptakteure wie die Träger des Ehrenamtspreises, Pfarrer Ekkehard Baumgartner und die Vorsitzende der Bürgerstiftung, Andrea Huthmacher, zu Wort kommen. Ehm redet beinahe den gesamten Abend frei, auch das unterscheidet ihn von seinem Vorgänger. Vielleicht deswegen oder weil er in den vergangenen Tagen krankheitsbedingt ausfiel, fabriziert er einen Versprecher, der Beobachter aufhorchen lässt. Für ein neues Rathaus habe er Umbaupläne vorgestellt. Was? Neues Rathaus? Als Gäste ihn auf den Versprecher hinweisen, korrigiert er sich und benennt das Freibad als anstehendes Großprojekt. Und schließlich verzichtet er auf das bisher übliche Defilee zu Beginn. Die Gäste betreten die Stadthalle, ohne ihm und seiner Frau Verena die Hand zu schütteln.

Da Ehms Amtszeit erst im August begann, lässt er den ersten Teil des Rückblicks seinen Stellvertreter, Gemeinderat Klaus Kubenz, übernehmen. Kubenz richtet die Grüße des früheren Bürgermeisters Thomas Schärer aus. Und er fordert die Bürger auf, sich bei den am 26. Mai anstehenden Kommunalwahlen als Kandidaten zu engagieren.

In seinem Rückblick zeigt Ehm mehrfach seine emotionale Seite. Bewegt habe ihn „die alles geliebte Eisbahn“, die die Stadt nicht einschlafen lassen dürfe. Ehm verkauft an diesem Abend keine Millionen-Projekte, er spricht das Menschliche an.

Die Vorschau auf 2019 beginnt er augenzwinkernd mit Selbstironie: „Der graumelierte Herr auf dem Foto bin ich.“ Er spricht über Bauland, das neu ausgewiesen wird. Bauplätze in Sigmaringen seien in Anbetracht der Infrastruktur günstig. Rund 135 Euro je Quadratmeter zahle man schon kurz hinter Ostrach nicht mehr. Über das vieldiskutierte Hotel sagt er: „Wir geben hoffentlich bald, also noch Anfang des Jahres, eine positive Rückmeldung.“ Danach bittet er um Applaus, um einen Schluck aus dem Wasserglas nehmen zu können. „Ehm erinnert mich ein bisschen an Kretschmann“, sagt ein Gast, er sei auf eine ähnliche Weise authentisch.

Drei Vereine erhalten Preis

Den mit je 1000 Euro dotierten Ehrenamtspreis verleiht die Stadt an drei Vereine: an die Narrenzunft Balkenstrecker und das Basarteam (beide aus Laiz) und den Boxsportverein Sigmaringen. Bei der Verleihung überlässt Ehm den Geehrten das Wort. „Vertreter aus unterschiedlichen Schichten kommen bei uns zusammen“, sagt der Vorsitzende der Boxer. Zunftmeister Johannes Wolf berichtet von rund 1900 Arbeitsstunden, die Ehrenamtliche rund um das Narrentreffen vor zwei Jahren leisteten. 260 Menschen seien im Einsatz gewesen und hätten 11 500 Gäste versorgt. Die Verantwortlichen des Basarteams beziffern die bisher erzielten Erlöse auf rund 30 000 Euro. „Das Geld bleibt in Laiz und kommt unseren Kindern zugute“, sagen sie.

Als Ehm am Ende bereits das Pult verlassen hat, flüstert ihm seine Sekretärin Ulrike Hotz zu, dass er sich beim Chor „Wir für Euch“ bedanken soll. Damit endet der offizielle Teil nach gut zwei Stunden.

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