Bis zu 200 Krankenhaus-Mitarbeiter sollen nach Sigmaringen wechseln

Redaktionsleitung

Schneller als bislang geplant, wird die stationäre Versorgung in den Krankenhäusern in Bad Saulgau und Pfullendorf aufgegeben. Deshalb laufen die Gespräche mit den Mitarbeitern wegen der Übernahme auf Hochtouren. Auf einer Pressekonferenz am Donnerstag meldete SRH-Geschäftsführer Jan-Ove Faust erste Erfolge: Mit insgesamt 200 Mitarbeitern werde gesprochen, 92 von ihnen haben den Wechsel nach Sigmaringen bereits fest zugesagt.

Fest steht bereits, dass von den insgesamt in Bad Saulgau und Pfullendorf beschäftigten 300 Mitarbeitern etwa ein Drittel nicht nach Sigmaringen wechseln wird. Etwa 40 Beschäftigte haben von sich aus gekündigt, die restlichen knapp 60 Mitarbeiter werden wegen Alter, Krankheit oder weil es für sie keine Verwendung gibt, nicht nach Sigmaringen wechseln.

Krankenhäuser schließen früher

Vor wenigen Tagen hatten die Kliniken angekündigt, dass der stationäre Betrieb in Bad Saulgau spätestens zum 30. November und die Pfullendorfer Station bereits Ende Oktober aufgegeben werden. Der Grund: In Bad Saulgau mangelt es an Pflegekräften, in Pfullendorf an Narkoseärzten. Ursprünglich sollten die beiden Krankenhäuser mit der Inbetriebnahme des Neubaus in Sigmaringen im Mai 2023 schließen. Der Neubau komme plangemäß vorwärts, weitere Kostensteigerungen seien nicht zu erwarten, sagte der Klinik-Chef.

Wir möchten das Gebäude verkaufen.

Geschäftsführer Dr. Jan-Ove Faust 

Mit drei Interessenten aus der Pflege verhandelt die SRH momentan über einen Verkauf des erst vor wenigen Jahren eröffneten Bettenneubaus in Bad Saulgau. „Wir möchten das Gebäude verkaufen“, sagte Faust auf Nachfrage unserer Zeitung. Es könnte ohne größeren Aufwand vom Altbau abgetrennt werden, in dem Patienten künftig ambulant versorgt werden. „Wir haben das Gebäude damals so gebaut, dass darin ein Pflegekonzept realisiert werden kann“, sagte der Geschäftsführer. Die Interessenten eine Alten- und Kurzzeitpflege aufbauen.

Künftig knapp 100 Betten weniger

Durch die Konzentration der stationären Versorgung in Sigmaringen wird die Zahl der Betten im Landkreis Sigmaringen deutlich abnehmen: von 420 auf künftig 330, die Psychiatrie nicht mitgerechnet. In der Folge benötigt die SRH weniger Personal, was sich schon in den aktuellen Mitarbeiterzahlen niederschlägt. Im vergangenen Jahr waren durchschnittlich noch rund 960 Vollkräfte in den Kliniken beschäftigt, in diesem Jahr sank diese Zahl auf 915. Künftig planen die Kliniken mit weniger Vollkräften, die genauen Zahlen sollen im November dem Aufsichtsrat vorgestellt werden. Bei diesen Zahlen handelt es sich um Vollzeitstellen, nicht um die Anzahl der Köpfe. Da viele Mitarbeiter in Teilzeit arbeiten, ist ihre Zahl wesentlich höher.

Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan seien abgeschlossen worden, sagte Faust weiter. Für Mitarbeiter, die aus Bad Saulgau oder Pfullendorf nach Sigmaringen pendelten, gäbe es künftig die Möglichkeit einer Unterstützung über Fahrkostenzuschüsse. „Auf diesem Weg können wir Härten mildern.“

Klinik investiert in Ausbildung

Obwohl die Klinik-Geschäftsführung damit rechnet, dass neben den 92 Mitarbeitern, die zugesagt haben, weitere Pfullendorfer und Bad Saulgauer Kräfte nach Sigmaringen wechseln, werde dies den Mangel an Pflegekräften nur bedingt lindern. Die Zahl der Ausbildungsplätze an der Pflegefachschule in Pfullendorf wurde deshalb um 15 auf 90 erhöht. Zudem freut sich Faust darüber, dass 22 von 24 Absolventen in ein reguläres Arbeitsverhältnis wechseln. In Sigmaringen werden sechs Praktikumsplätze für Hebammenstudentinnen geschaffen, um dem Fachkräftemangel in diesem Bereich entgegenzuwirken.

Die wirtschaftliche Schieflage verstärkt sich

Die wirtschaftliche Situation der Kliniken hat sich durch die Corona-Pandemie und in der Folge wegfallender oder verschobener Operationen weiter verschlechtert. Der kaufmännische Direktor Jochen Wolf bezifferte das im Geschäftsjahr 2021 aufgelaufene Minus auf 6,811 Millionen Euro. Da die SRH-Kliniken über Rücklagen verfügen, geraten sie dadurch nicht in Schieflage.

Im Vorjahr lag das Minus bei einer halben Million Euro. Eine weitere Ursache für das schlechtere Ergebnis: Die Kliniken erhielten geringere Ausgleichszahlungen vom Staat: 2020 waren es noch 14,7 Millionen Euro, 2021 sank dieser Betrag auf 10 Millionen Euro. Zudem stiegen die Personalkosten um 2,7 Millionen Euro und die Sachkosten für Corona-Schutzmaßnahmen lagen allein bei 1,1 Millionen Euro.

So soll das aktuelle Geschäftsjahr laufen

Für das aktuelle Geschäftsjahr rechnen die Kliniken erneut mit einem Minus. Durch steigende Energiekosten und einen allgemeinen Anstieg bei den Sachkosten werde sich die Lage weiter verschärfen. Aufgrund der aktuellen Einnahmestruktur können diese steigenden Kosten entweder gar nicht oder nur verspätet weitergegeben werden. Um ihre wirtschaftliche Krisensituation abmildern zu können, hoffen alle Krankenhäuser auf weiteres Geld vom Staat und haben deshalb die „Alarmstufe Rot“ ausgerufen.

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