Beim Bräuteln hält der Laizer Narrenbaum noch stand

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 Die Laizer Bräutlinge trotzdem dem Sturm.
Die Laizer Bräutlinge trotzdem dem Sturm. (Foto: pegme)

Zum Bräuteln, der Königsdisziplin in der Fasnet, hatte traditionell am Rosenmontag die Balkenstrecker Narrenzunft Laiz eingeladen. Eine Dame und neun Herren, unter ihnen Sigmaringens Bürgermeister Marcus Ehm, nahmen den Ritt auf der Stange an und ließen sich um den Rathausbrunnen tragen. Erstmalig wurde dabei ein Bräutling von Sohn und Enkel eskortiert. Sorgen bereiteten den Verantwortlichen der aufkommende Sturm und der wankende Narrenbaum, der später abmontiert werden musste (siehe oben).

Viele Narren, unter ihnen auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann nebst Gattin, hatten sich beizeiten am Laizer Rathausbrunnen eingefunden, um dem Spektakel beizuwohnen. Für das rechtzeitige Aufstehen hatte die Laizer Musikkapelle bereits seit den frühen Morgenstunden gesorgt. So zogen die Musikanten durch die Straßen und weckten die Laizer sanft, aber unüberhörbar.

Auf der Abdeckung des Rathausbrunnens standen Zunftmeister Johannes Wolf und Ortsvorsteher Wolfgang Querner, mit besorgtem Blick zum Narrenbaum. Dieser ragte schlank in den Himmel, wankte aber ob seiner Länge und des Sturmes besorgniserregend. Kräftige Windböen fegten über den Rathausplatz, und so flogen beim Bräuteln nicht nur jede Menge Lutscher, Bonbons und Backwaren durch die Luft, sondern auch so mancher Hut.

Familiengeneration auf, vor und unter der Stange

Bei Bräutling Peter Niederwolfsgruber, der entsprechend seines Ehejubiläums in goldenem Anzug und Zylinder auf der Stange Platz genommen hatte, gab es erstmals eine besondere und sehr seltene Konstellation: Sein Sohn Martin lief als Narrenpolizist vorweg, sein Enkelsohn Markus trug ihn als einer der Bräutlingsgesellen sicher auf seinen Schultern.

Auch der neue Schultes von Sigmaringen gab sich in Laiz die Ehre und bestieg die Bräutlingsstange. Mit schwarzer Weste, Fellumhang und Fuchsschwanz am Hut warf er fast schon majestätisch anmutend Leckereien ins Volk.

Einzige „Bräutline“ war in diesem Jahr Neubürgerin Christa Erika Wolf. Während sie als Burgfräulein ihre Gaben auswarf, nutzte Moderator Querner die Gelegenheit, nochmals einen Seitenhieb nach Sigmaringen zu verteilen. „Tradition ist Bewahrung des Feuers und nicht Anbetung der Asche“, zitierte er einen Spruch des österreichischen Komponisten Gustav Mahler.

Als ob es die Bräutlingsgesellen geahnt hätten, liefen sie ihre Runden bereits etwas schneller um den Brunnen. Denn mit dem letzten Bräutling setzte Regen ein. „So war der Plan, in 45 Minuten wollten wir alles geschafft haben“, resümierte Querner zufrieden und faltete erleichtert seine Zettel zusammen.

Umzug mit acht Gastzünften

Die Zeit des Regenschauers verbrachten Bräutlinge und Gäste im Festzelt und in der Festhalle Balkenheim. Bräutlingstanz und Mittagessen standen an, bevor sich am Nachmittag ein sehenswerter Umzug durch Laiz schlängelte. Die neue Route führte vom Weidenweg über die Hauptstraße entlang zurück zur Festhalle. Acht Zünfte hatten den Umzug zum 360-jährigen Laizer Bräutel-Jubiläum bereichert (wir berichteten).

Und der wankende Narrenbaum? Er hatte während des Spektakels zum Glück standgehalten, musste sich aber nach dem Umzug geschlagen geben. „Sicherheit geht natürlich vor“, sagte Johannes Wolf, während er schon sein Handy zückte und mit der Feuerwehr letzte Absprachen traf. Vorsorglich wurde der Narrenbaum gefällt.

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