Bauarbeitern droht 10-Euro-Lohn-Lücke

Lesedauer: 5 Min
Die Gewerkschaft IG Bau fordert die Arbeitgeber in Baden-Württemberg, vor allem im Kreis Sigmaringen, dazu auf, kein Lohndumping
Die Gewerkschaft IG Bau fordert die Arbeitgeber in Baden-Württemberg, vor allem im Kreis Sigmaringen, dazu auf, kein Lohndumping zu betreiben und die Bauarbeiter fair zu entlohnen. (Foto: Symbol: dpa/Christophe Gateau)
Schwäbische Zeitung

Gut zehn Euro könnten die Löhne pro Stunde auf den Baustellen im Landkreis Sigmaringen bald auseinandergehen, teilt die IG Bau Sübwürttemberg mit. Denn Bauarbeiter, die keinen Tariflohn bekommen, müssen jetzt sogar um ihren Branchen-Mindestlohn bangen, betroffen seien davon rund 2000 Bauarbeiter im Kreis Sigmaringen.

„Bauhandwerk und Bauindustrie müssen jetzt das tun, was die IG Bau schon gemacht hat“, sagt IG Bau Regionalleiter Andreas Harnack. Er bezieht sich dabei auf einen Schlichterspruch, dem Arbeitgeber zustimmen müssen, was einen neuen Bau-Mindestlöhnen zur Folge hätte. „Passiert das nicht, droht dem Bau im Landkreis Sigmaringen schlimmstenfalls der gesetzliche Mindestlohn von 9,35 Euro pro Stunde als unterste Verdienstgrenze“, so Harnack weiter. Jetzt hänge alles am Faden der Arbeitgeber. Der Schlichterspruch sieht vor, dass die Branchen-Mindestlöhne auf dem Bau ab April steigen, und zwar auf 12,55 Euro für Hilfsarbeiten (Mindestlohn 1) und auf 15,40 Euro für Facharbeiten (Mindestlohn 2). „Diese Bau-Mindestlöhne sind die Lohn-Stoppschilder nach unten“, betont Harnack. Diese brauche der Bau ganz dringend, denn wenn die Arbeitgeber die neuen Branchen-Mindestlöhne nicht akzeptieren, dann wäre dies ein Lockruf an alle Billig-Firmen aus dem In- und Ausland, sich als Dumping-Konkurrenz auf den Markt zu drängen, erklärt der Regionalleiter. Daher warnt er die heimischen Bauunternehmen davor, sich hier auf einen „Kamikaze-Kurs“ einzulassen.

Der Countdown dazu laufe bereits: Die Arbeitgeber müssen bis zum kommenden Freitag, 17. Januar, grünes Licht für höhere Mindestlöhne auf dem Bau geben. Die IG Bau ruft deshalb als „starke Baden-Württemberg-Kraft „klare Signale an den Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) und an den Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) zu senden – und zwar für das Akzeptieren der neuen Bau-Mindestlöhne. Würden sich die Arbeitgeber gegen eine Erhöhung entscheiden, würde das laut IG Bau für die Beschäftigungsentwicklung verheerend sein, da selbst Facharbeiter abwandern würden. Ein Niedriglohn-Image wäre für den „Nachwuchs“ ebenfalls kein gutes Zeichen, ist die IG Bau überzeugt.

Mit dem Tariflohn sei die „Lohnlatte“ fair gelegt. Der Basis-Tariflohn für einen erfahrenen Maurer, Zimmerer oder Straßenbauer im Kreis Sigmaringen liege derzeit bei 20,63 Euro. „Würden Unternehmen, die nicht an den Tariflohn gebunden sind, künftig lediglich den gesetzlichen Mindestlohn von derzeit nur 9,35 Euro bezahlen, dann würde das eine Kluft beim Stundenlohn bedeuten. Das würde der Bau nicht verkraften“, so Harnack. Das würde zu Lasten der Unternehmen gehen, die für fairen Wettbewerb und Qualität stünden, erklärt der IG Bau Regionalleiter. Dem Bau drohe dann ein regelrechter Preiskampf.

Genau dieser Punkt habe den Präsidenten des Bundessozialgerichts, Rainer Schlegel, als Schlichter für das Bauhauptgewerbe offensichtlich bewogen, sich für neue Bau-Mindestlöhne auszusprechen. Dieser Schlichterspruch sei für alle Seiten akzeptabel, heißt es in der Meldung weiter. „Zum Wohle der Branche wird’s jetzt Zeit, dass auch die Arbeitgeber ihn akzeptieren“, fordert Andreas Harnack. Wie es tarifpolitisch dann auf dem Bau weitergeht, darüber werden IG Bau und Bau-Arbeitgeber bereits im Frühjahr verhandeln.

Meist gelesen in der Umgebung

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen