Barfuß in Birkenstock nach Bulgarien

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 Bernd Schwanz sowie Andreas und Volker Schmidt werden den 40-Tonner fahren, Bürgermeister Marcus Ehm und Organisator Dennis Ram
Bernd Schwanz sowie Andreas und Volker Schmidt werden den 40-Tonner fahren, Bürgermeister Marcus Ehm und Organisator Dennis Ramsperger geben die besten Wünsche mit auf den Weg. (Foto: Peggy Meyer)
Peggy Meyer

Im Fahrerhaus Vater und Sohn, im Gepäck mehrere Tausend bunte Geschenke – der diesjährige Weihnachtspäckchenkonvoi des Round Table Sigmaringen ist am Dienstagabend vor der Stadthalle zu seiner großen Fahrt aufgebrochen. Mehrere Tausend Kilometer liegen vor den vier Männern mit „ihrem“ Lastwagen, endgültiges Ziel der Reise ist das Hinterland der bulgarischen Hafenstadt Varna, direkt am Schwarzen Meer.

Ein großer weißer 40-Tonner steht abfahrbereit vor der Stadthalle, an Fahrerhaus und Auflieger steht in großen Lettern: Weihnachtspäckchenkonvoi 2018, Round-Table 162 Sigmaringen. Geladen hat er 3800 Päckchen, davon allein 2137 aus dem Sigmaringer Raum. „Wir haben jedes Jahr eine noch größere Spendenbereitschaft“, freut sich Dennis Ramsperger von Round-Table Sigmaringen, der für die Logistik zuständig ist. „Besonders auffallend war in diesem Jahr die Zunahme an Spenden von Privatpersonen.“ Schulen, Kindergärten und soziale Einrichtungen beteiligen sich seit vielen Jahren an der Aktion „Weihnachtspäckchenkonvoi“, die der Service-Club Round-Table Deutschland erstmals 2001 startete. Seit 2011 ist auch Round Table Sigmaringen aktiv dabei. „Angefangen haben wir damals mit einem Kofferraum voller Päckchen, mittlerweile bekommen wir schon fast einen halben Lastwagen allein befüllt“, so Ramsperger. Natürlich kann er sich dabei auf viel Unterstützung und vor allem auch auf Sponsoren verlassen, denn die zwei Euro pro Päckchen reichen bei weitem nicht für die Transportkosten aus.

Hilfe kommt dort an, wo sie benötigt wird

Ramsperger hat im vergangenen Jahr den Truck begleitet, am Ende standen nach neun Tagen Tour über 5600 gefahrene Kilometer auf dem Tacho. „Wenn man überlegt, dass der Truck auf 100 Kilometer 30 Liter Kraftstoff benötigt, wird die finanzielle Dimension langsam vorstellbar.“ Aber den Mitgliedern und Sponsoren ist es wichtig, dass die Hilfe auch wirklich dort ankommt, wo sie benötigt wird, daher fahren sie selbst vor Ort und verteilen die Spenden.

In diesem Jahr werden Bernd Schwanz aus Schwenningen, Georg Steinhart aus Inneringen und die Gammertinger Andreas und Volker Schmidt den Truck fahren beziehungsweise begleiten. „Natürlich sind wir alle sehr aufgeregt, aber wir freuen uns auch auf die kommenden Tage, vor allem auf die strahlenden Kinderaugen. Mit Sicherheit wird diese Fahrt sehr emotional werden“, so Bernd Schwanz.

Erste Station des Trucks ist am Freitagmittag das Zentrallager in Koblenz, dort wird das bei Abfahrt noch vorhandene „Vakuum“ im Auflieger aufgefüllt, denn insgesamt reicht das Ladevolumen für circa 5000 Päckchen. Die nächste Etappe führt dann zum Sammelpunkt nach Hanau. Von dort wird sich der Weihnachtspäckchenkonvoi am Samstag um 12 Uhr mit 30 Lastwagen, vier Sprintern und vier Reisebussen gemeinsam auf den Weg nach Bulgarien, Rumänien und Moldawien begeben. An der Aktion sind bundesweit 300 Helfer beteiligt. „Geplant waren auch Päckchen für die Kinder in der Ukraine, aber aufgrund der politischen Lage mussten diese Fahrten kurzfristig abgesagt werden“, berichtet Ramsperger.

Dass die Begleiter der Aktion viel Freude schenken und gesund wieder heimkommen, ist nicht nur Wunsch des Bürgermeisters Marcus Ehm, der die Schirmherrschaft übernommen hat. Gemeinsam mit Familien und Freunden verabschiedete er die Fahrer. Eine große Tasche mit diversen Pülverchen, die schnell eine heiße Zwischenmahlzeit ergeben, Süßigkeiten und Gummibärchen wurden den Fahrern ebenso mitgegeben wie das plüschige Glücksschwein. An Motivation mangelt es ihnen keinesfalls, auch nicht an Robustheit. Spätestens beim genaueren Betrachten des ältesten Fahrers wusste man Bescheid, dass die Jungs es schaffen werden. Barfuß in Birkenstock, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt ließ Volker Schmidt die Wünsche und das Blitzlichtgewitter auf sich wirken, bevor er sich auf den Beifahrersitz schwang und sein Sohn den Lastwagen unter lautem Hupen in die Dunkelheit lenkte.

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