Bürger diskutieren offen und fair

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Die Bürger haben das Wort: Stefanie Ullrich-Colaiacomo (am Mikrofon) teilt den Verantwortlichen ihre Sicht der Dinge mit.
Die Bürger haben das Wort: Stefanie Ullrich-Colaiacomo (am Mikrofon) teilt den Verantwortlichen ihre Sicht der Dinge mit. (Foto: Fotos: Thomas Warnack)
Michael Hescheler

Viele Bürger bleiben trotz der Ankündigung des Integrationsministeriums, die geplante Zeltstadt noch einmal zu überprüfen, bei ihrer Skepsis. Während der Infoveranstaltung am Donnerstagabend schlugen die Bürger in Bezug auf die Zeltstadt kritische Töne an.

Andere zeigten sich in Bezug auf die Integration konstruktiv. Eine gute Stunde redeten die Offiziellen: Im Anschluss an Wolf-Dieter Hammann vom Integrationsministerium, Landrätin Stefanie Bürkle, den Leiter der Erstaufnahmestelle Kurt Guttroff und den Sigmaringer Ordnungsamtsleiter Norbert Stärk hatten die Bürger das Wort.

Bürgermeister Thomas Schärer forderte sie auf, Fragen zu stellen. Er bat die Gäste darum, „ihre Weltanschauung möglichst kurz zusammenzufassen“. Zwei Redner musste Schärer abwürgen, weil sie nicht zum Ende kamen.

Viele Besucher ließen durchblicken, dass für sie die Belastungsgrenze erreicht ist. Regierungsvizepräsident Christian Schneider zeigte Verständnis dafür: „Wir wollen in Sigmaringen in keinem Fall die 4000 erreichen.“ Andererseits müsse das Land mit aller Kraft verhindern, dass Flüchtlinge auf der Straße lägen.

Einem Bürger, der wegen der Zwischenfälle im Krankenhaus eine nächtliche Ausgangssperre für Flüchtlinge forderte, sagten die Verantwortlichen: „Flüchtlinge dürfen sich frei bewegen – wie Sie und ich – und das wird auch so bleiben.“

Eine Bewohnerin aus dem Wohngebiet Ziegelesch forderte die Vertreter von Regierung und Behörden auf, „offen mit uns zu kommunizieren und uns als mündige Bürger zu behandeln“. „Mir ist es peinlich, wenn Menschen aus dem Ziegelesch sagen, wir sind in Not, während Flüchtlinge viel mehr in Not sind“, sagte eine andere Bewohnerin des Ziegelsch. Erst seit die Flüchtligne da seien, sei der Spielplatz wieder richtig belebt.

Polizeipräsident Ekkehard Falk widersprach der Ansicht vieler Bürger, die Polizei würde von Flüchtlingen verübte Straftaten unter den Teppich kehren. Der oberste Polizist des Konstanzer Präsidiums sprach von einem marginalen Zuwachs bei den Straftaten. Seit der Wiedereröffnung der Erstaufnahmestelle im August seien innerhalb der Einrichtung 33 und außerhalb 37 Delikte gezählt worden. „Objektiv ist die Sicherheitslage gut“, sagte Falk. Sicherheitschef Karl-Heinz Keller sagte zur Zahl der Straftaten: „2500 Menschen begehen so viele Straftaten als ob 2500 Schwaben untergebracht wären.“

Als Bürger den Polizeichef auf die Übergriffe im Krankenhaus ansprachen sagte er: „Darüber war die Polizei nicht unterrichtet. Ich habe davon heute zum ersten Mal gehört“, nahm er auf den Artikel in der „Schwäbischen Zeitung“ Bezug. Die Polizei berichte öffentlich nur über Straftaten, von denen sie wisse und die von Relevanz seien. Ein Bürger aus Sigmaringendorf sprach die Integration an. „Wir können nicht einfach so tun, als ob wir das schaffen“ , sagte er. Ein Sigmaringer Bürger, der bei der Feuerwehr eine leitende Position hat, forderte die Sigmaringer zu mehr Offenheit auf: „Wir müssen uns in unseren Kopf schreiben, dass auf der Erde alle gleich sind.“

Weitere Veranstaltung geplant

Mehr Bilder von der Infoveranstaltung gibt es in einer Bildergalerie unter

www.schwaebische.de

Ein Video mit Aussagen der Landrätin und des Regierungsvizepräsidenten ist zu sehen unter

www.schwaebische.de/fluechtlinge-stadthalle-sig

So diskutieren Sigmaringens Bürger in der Stadthalle
Tübingens Regierungsvizepräsident Christian Schneider über Flüchtlinge
Die Landrätin von Sigmaringen informiert über die Flüchtlingspolitik im Kreis
Rund 100 Asylsuchende sind in Zelte im Stuttgarter Reitstadion eingezogen.
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