Ausstellung zeigt die Vergewaltigung des Rechts nach 1933

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 Repräsentant des Unrechtsstaates: Der Präsident des „Volksgerichtshofes“, Roland Freisler, Mitte, eröffnet die Sitzung vom 8. A
Repräsentant des Unrechtsstaates: Der Präsident des „Volksgerichtshofes“, Roland Freisler, Mitte, eröffnet die Sitzung vom 8. August 1944 gegen Verschwörer des 20. Juli 1944. (Foto: Archiv: akg-images)
Schwäbische Zeitung

In Zusammenarbeit mit der Deutsch-Israelischen Juristenvereinigung, Regionalgruppe Südwest, wird vom 18. September bis 11. Oktober im öffentlich zugänglichen Bereich des Amtsgerichts Sigmaringen die Wanderausstellung der Bundesrechtsanwaltskammer „Anwalt ohne Recht – Schicksale jüdischer Anwälte in Deutschland nach 1933 – Dokumentation einer Ausgrenzung" gezeigt.

Die Ausstellung wurde ergänzt durch weitere biografische Darstellungen des Schicksals jüdischer Juristen, die für die Dauerausstellung „NS-Justiz in Stuttgart“ vom Haus der Geschichte aufbereitet wurde.

Die Eröffnung der Ausstellung „Anwalt ohne Recht“ findet am Mittwoch, 18. September, um 18.30 Uhr mit einer Einführung durch Rechtsanwalt Hartmut Kilger, Tübingen, Präsident des Deutschen Anwaltsvereins a.D., statt.

Diese Ausstellung erinnert an die von der NS-Verfolgung betroffenen Anwälte und die Unrechtsmaßnahmen, unter denen sie zu leiden hatten. Die Ausstellung macht den Verlust, den Ausgrenzung, Vertreibung und Mord bewirkt haben, beklemmend deutlich. Gleichzeitig gewähren die verschiedenen Lebensbilderdem Betrachter einen neuen Einblick in die zeithistorischen Ereignisse sowie die juristische Sphäre.

In welchen Etappen die Ausgrenzung bis zum allgemeinen Berufsverbot am 30. November 1938 aus dem gewachsenen Berufsstand vorgenommen wurde, veranschaulichen zahlreiche, zum Teil einmalige Dokumente und Zeugnisse.

1933 waren zahlreiche Anwälte in Deutschland Juden

Anfang 1933 gab es in Deutschland

19 276 Rechtsanwälte. Ein erheblicher Teil galt nach der Machtübernahme gemäß der nationalsozialistischen Ideologie als jüdisch. In vielen Städten Deutschlands wurden am 31. März 1933 Gerichtsgebäude von SATrupps gestürmt. Dabei wurde lautstark gefordert, alle jüdischen Richter, Staatsanwälte und Rechtsanwälte zu entfernen.

Während in Berlin der Anteil der jüdischen Anwälte immerhin rund die Hälfte der gesamten Anwaltschaft ausmachte, war er in anderen Städten nicht so hoch. Alle Anwälte, die nun als Juden galten, waren in der einen oder anderen Form mit diskriminierenden Maßnahmen konfrontiert.

Anhand von Einzelbiographien, die durch umfangreiches Bildmaterial sehr lebendig werden, lassen sich die Folgen der Eingriffe für den Einzelnen exemplarisch nachvollziehen. Nicht allein die Lebenswege Prominenter werden nachgezeichnet, sondern auch die von weniger bekannten Anwälten. Alle verloren den Beruf, meist die Heimat und ein großer Teil ihr Leben.

Das Begleitprogramm

Neben der Ausstellung hält Richter am OLG a.D. Manfred Schmitz-Berg am 1. Oktober, um 18.30 Uhr im Amtsgericht Sigmaringen einen Vortrag zum Thema „Wieder gut gemacht?“ Zur Geschichte der Wiedergutmachung seit 1945.

Außerdem lädt der Hohenzollerische Geschichtsverein zum Vortrag: „Der Hechinger Deportationsprozess. Einordung in die Zeit der Französischen Besatzungszone und die weitere Entwicklung der Bundesrepublik“. Referent ist Rechtsanwalt Uwe Rühling, Stuttgart, Deutsch-Israelische Juristenvereinigung, Regionalgruppe Südwest

Diese Veranstaltung findet am Montag, 23. September, um 20 Uhr im Prinzenbau (Staatsarchiv Sigmaringen), Karlstraße 3 in Sigmaringen sowie am Dienstag, 24. September, 20 Uhr im Hohenzollerischen Landesmuseum, Schlossplatz 5 in Hechingen statt.

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