Augsburger Kunstwerk gelangt nach Sigmaringen

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Dieses vierteilige Gesamtkunstwerk hat der Historienmaler Karl Ballenberger geschaffen.
Dieses vierteilige Gesamtkunstwerk hat der Historienmaler Karl Ballenberger geschaffen. (Foto: Weiger)
Elisabeth Weiger

Im Gartensaal des Staatsarchivs Sigmaringen hat der Leiter des Hauses, Volker Trugenberger, eine stattliche Anzahl Interessierter zum Vortrag von Professor Hannnsmartin Schwarzmaier über den Historienmaler Karl Ballenberger begrüßt. Der ungewohnte Vortragsraum war dem Thema des Abends geschuldet, sagte Trugenberger – dies konnte man in voller Breitseite sehen: Im Gartensaal des Prinzenbaus beherrscht ein sieben Meter langes und drei Meter hohes vierteiliges Gesamtkunstwerk den mit dunklem Holz und grünbrauner Tapete verkleideten Raum.

In den Segmenten befinden sich vier Ölbilder auf Leinwand. Das linke Bild zeigt die Augsburger Heiligen Ulrich und Afra, das rechte die Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon. Die beiden Mittelbilder stellen Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) mit seinem Gefolge und König Rudolf von Habsburg mit seinen Insignien dar. Beide Bildinhalte nehmen Bezug auf die Augsburger Stadtgeschichte im 12. und 13. Jahrhundert. Der geschnitzte Rahmen wird unten und oben von einer gotischen Arkadenreihe abgeschlossen. Auf vier Pfeilern, welche die Gemälde unterteilen, standen 80 Zentimeter hohe geschnitzte Figuren, die heute nicht mehr vorhanden sind.

Refrent begann Karriere in Sigmaringen

Hannsmartin Schwarzmaier, der seine berufliche Laufbahn als Archivar im Staatsarchiv Sigmaringen begann, war vom ersten Moment an fasziniert von diesem Gesamtkunstwerk, dessen historische Aussage ihn zu immer neuen Fragen anregte. Wer war der Maler? Wer der Auftraggeber? Warum und wie kam dieses Kunstwerk nach Sigmaringen?

Seine Recherchen führten ihn zu dem 1801 in Ansbach geborenen Historienmaler Karl Ballenberger, der 1860 in Frankfurt am Main verstarb. Seine Liebe galt dem Mittelalter, der vaterländischen Geschichte, die er idealisierend als eine Welt voller Burgen, Kirchtürme und Torbögen mit ornamentalem Dekor und einer idyllischen Landschaft im Hintergrund, in Öl auf Leinwand malte. Als Porträtmaler trat der menschenscheue, zurückgezogen lebende Ballenberger nicht in Erscheinung.

Der wohlhabende Augsburger Bürger Freiherr Friedrich von Bernhard erteilte Ballenberger den Auftrag zur Ausschmückung des Bibliothekssaals seines neu erbauten Hauses am Ulrichsplatz 15 in Augsburg. Ein Zeitungsartikel der Frankfurter Zeitung aus dem Jahr 1847 untermauert die Tatsache, dass Ballenberger das großformatige Werk in Frankfurt gemalt hatte, ehe es nach Augsburg transportiert wurde.

Bleibt noch die Eingangsfrage zu klären, auf welche Weise das protestantisch-augsburgische Kunstwerk des Frankfurter Malers ausgerechnet nach Sigmaringen in den Gartensaal des Prinzenbaus gekommen ist. Im Jahr 1863 verhandelte Elisabeth Bernhard, die Mutter des inzwischen nach München übergesiedelten Freiherrn mit der fürstlichen Finanzverwaltung in Sigmaringen über den Verkauf der Bilder. Fürst Karl Anton von Hohenzollern erwarb für den Prinzenbau, dem neu errichteten Hausstand seines Sohns Leopold und dessen Frau Antonia, die Bilder und ließ sie im Gartensaal einbauen.

Der katholische Karl Anton war ein Kunstkenner und -sammler. „Beim Ankauf des Kunstwerks haben die Fürsten offenbar keinerlei Bedenken gehabt. Konfessionelle Probleme scheint es, zumal in preußischer Zeit, nicht mehr gegeben zu haben“, folgerte Schwarzmaier.

Volker Trugenberger nahm in seinem Schlusswort den Faden auf, indem er auf das Jahr 2017 verwies, das mit zahlreichen Veranstaltungen und einer Ausstellung des Staatsarchivs Sigmaringen das 500-jährige Reformationsjubiläum feiert.

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