Auf dem Wittberg liegt Kunst im Wald

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 Künstler Hundefaenger (hellbraune Jacke, Siebter von links) erklärt den Besuchern sein Kunstwerk.
Künstler Hundefaenger (hellbraune Jacke, Siebter von links) erklärt den Besuchern sein Kunstwerk. (Foto: GL)
Gabriele Loges

Rudi Domidian hat bei einer öffentlichen Begehung seine kürzlich entstandenen Objekte vorgestellt. Am Sammelplatz „Sieben Kirschbäume“ trafen sich rund 30 Personen. Von dort führte sie der Landart-Künstler, der unter dem Namen Hundefaenger bekannt ist, zu den drei Kreisinstallationen auf dem Wittberg.

Die Gruppe passierte Holzarbeiter, die am Wegesrand gefälltes Holz an einen anderen Ort ziehen. Dieses Verändern sei die Voraussetzung, so Domidian Hundefaenger, für das, was sie gleich zu sehen bekämen. Im Kulturwald finde er sein Material: „Die Kunst folgt der Technik.“ Die Kulturlandschaft bringt im Falle des Holzrückens den Abfall, der ihm wiederum als Material für seine Kunstwerke dient. Nach knapp 15 Minuten kamen die Kunstinteressierten am ersten Objekt an: „Geht ruhig in den Kreis hinein, er ist offen beziehungsweise so niedrig, dass man leicht hineingehen kann.“

Die erste der nahe beieinanderliegenden Kreisinstallationen besteht aus zwei Kreisen, einem äußeren aus Holz und einem inneren aus Stein. Die Steine hat er hergetragen, weil er die Umgebung möglichst nicht verändern wollte. Das tote Holz breche er sich zurecht, manchmal mit Hilfe eines Beils: „Ich mache nichts kaputt, lege nur von einer Seite auf die andere.“ Den idealen Platz für den gedoppelten Kreis fand er beim Gang durch den Wald. Das offene Gelände mit hohen säulenartigen Bäumen schien ihm ideal: „Ich habe mich umgedreht, einen Stein aufgenommen und hinter mich geworfen.“ Dort, wo er hinfiel, fing er dann an, dem Holz eine gewisse Ordnung zu geben. Es sei also in diesem Fall teils Zufall, teils habe er eine eigene Richtung vorgegeben. Ob er einen bestimmten Plan habe, wird er gefragt und antwortet: „Nein, aber die Höhe für den Kreis muss so sein, dass ein Erwachsener – wenn er will – hineingehen kann.“ Innen und außen wolle er aufheben.

Wildtiere wühlen Kunstwerk auf

Beim nächsten Kreis, der als flaches Feld gelegt ist, wurde das Zentrum in der Zwischenzeit offensichtlich von Wildtieren aufgewühlt. „Das sind“, so Hundefaenger, „Einflüsse, die ich nicht kontrollieren kann und will“. Es ändere sich alles.

„Es geht mir um die Form“, erläuterte er beim dritten Kreis, der eine höhere und eine tiefere Wand hat: „Man kann auch sagen, hier ist der Eintritt.“ Er wird gefragt, warum er diese Kunstwerke, die kaum jemand sieht, schaffe? Und Hundefaenger antwortete: „Ich nehme mir die Freiheit und mache. Weil ich es will, weil ich es muss. Meine Werke sind Ergebnis der Kommunikation zwischen mir und der Welt. Ich äußere mich so.“ Er fotografiere auch seine Werke. Er brauche sie, um als Künstler zum Beispiel zu internationalen Symposien und Ausstellungen eingeladen zu werden. Ob er diese Kunst zeigen müsse? „Ich zeig’s, weil so viele Leute da sind und es ihnen gefällt“, gab er zur Antwort. Für ihn sind diese Kreisinstallationen im städtischen Wald soziale Plastiken. Ein Zusammenkommen von Menschen anhand von seiner Kunst. Er sehe sich in der Tradition von Joseph Beuys und der Kunstrichtung Fluxus. Er möchte, dass es klar wird, dass dies Menschen geschaffen haben. Dafür brauche er geometrische Grundformen: „Das Quadrat ist eine Heidenarbeit, ich bevorzuge den Kreis.“

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