Arbeitgeber sammelt Spenden für Mitarbeiter

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 Freuen sich über das neue behindertengerechte Fahrzeug für Sven Rieger (von links): Khin Lin Nwe, Minal Senel, Günther Kerler,
Freuen sich über das neue behindertengerechte Fahrzeug für Sven Rieger (von links): Khin Lin Nwe, Minal Senel, Günther Kerler, Sven Rieger, Stefanie Beck, Michael Mayer, Christoph Engler, Gerhard Rieger, Moritz Guhl, Nicole Kurz, Franziska Laub und Kevin Brunner. (Foto: Anna-Lena Janisch)

Sven Rieger hat im März als Architekt im Architekturbüro kpk Kerler+Partner angefangen – dass das möglich ist, hat der Querschnittsgelähmte dem sozialen Engagement seines Arbeitgebers zu verdanken. Damit der 32-Jährige nicht mehr von seinem 67-jährigen Vater ins Auto gehoben werden muss, um zur Arbeit zu kommen, hat das Architekturbüro mehr als 30 000 Euro Spenden gesammelt, womit es möglich wurde Sven Rieger ein behindertengerechtes Auto zu beschaffen und zu schenken. In den VW Caddy mit Laderampe und Heckeinstieg kann er nun eigenständig im Rollstuhl sitzend einsteigen.

Seit einem Badeunfall im Jahr 2010 ist Rieger, damals 24 Jahre alt, ab dem vierten und fünften Halswirbel gelähmt. „Es war ein warmer Tag, Deutschland spielte gegen Argentinien im WM-Viertelfinale“, erinnert sich Rieger, der ein Public Viewing besuchte. In Riedlingen wollte er mit Freunden in der Donau baden. „Ich war unvorsichtig und bin mit dem Kopf voraus ins Wasser gesprungen...“, sagt der junge Mann, der in Pflummern wohnt, und damals kurz vor dem Ende seiner Schreinerausbildung stand.

Nach dem Unfall lag Rieger fünf Monate im Krankenhaus, einen Monat davon musste Rieger beatmet werden. Dann folgten drei Monate Reha. „Ich konnte anfangs nur mit den Schultern zucken“, sagt der heute 32-Jährige. Mittlerweile kann er seine Arme teilweise wieder bewegen. Aber auf den Rollstuhl ist er angewiesen. In Heidelberg studierte Rieger Architektur, wohnte auf einem behindertengerechten Campus. Kontakt zum Architekturbüro Kerler knüpfte Sven Rieger während eines Praxissemesters, das der junge Mann in Sigmaringen verbrachte. Er blieb dem Unternehmen seither als Werksstudent erhalten. Sein Studium hat er nun abgeschlossen.

Vater kommt an Leistungsgrenze

Mit Zug oder Bus, sagt Rieger, habe er keine Chance von Pflummern nach Sigmaringen zu kommen – auf der Strecke gebe es zu viele Barrieren. Er war daher bislang auf die Hilfe seines Vaters angewiesen, der durch die Anschaffung des Autos nun stark entlastet wird. „Die Idee für die Spendenaktion und die Notwendigkeit, ein behindertengerechtes Fahrzeug anzuschaffen, ergab sich für meinen Mann, weil wir täglich sahen, dass es Svens Vater einfach nicht mehr schaffte, ihn in sein Auto hinein- und herauszuheben“, schildert Iris Kerler. „Uns wurde klar, dass er in absehbarer Zeit nicht mehr hätte zur Arbeit kommen können.“ Das Architekturbüro setzte sich kurzerhand für den Nachwuchs-Architekten ein. Ende November startete das Büro eine Spendenaktion in seinem privaten und geschäftlichen Netzwerk mit einer überwältigenden Resonanz. „Der Verein Hilfe für Behinderte und sein Vorsitzender Hubert Schneider half uns, die Spenden über den Verein laufen zu lassen“, erklärt Iris Kerler. Das Unternehmen Paravan in Aichelau habe darüber hinaus bei der Beratung und beim Umbau und der Beschaffung des Fahrzeuges geholfen. Als Motivation nennen Iris und Günther Kerler die soziale Verantwortung: „Wir wollten für Sven einen Beitrag leisten, damit er in seiner schwierigen Lebenssituation seinen Weg weiterverfolgen kann und die Teilnahme am privaten und beruflichen Leben möglich ist.“

So kann Sven Rieger Teil des Teams bleiben. Seinem Arbeitgeber ist Rieger sehr dankbar für die Anschaffung des Autos. „Mir haben zunächst die Worte gefehlt“, sagt er. Er hatte vergeblich versucht, Anträge auf ein solches Auto zu stellen, doch als Student mit Behinderung hätten sich zuständige Behörden, Sozialamt und Agentur für Arbeit, jeweils nicht zuständig gefühlt. „Es freut mich wirklich sehr – das bedeutet ein Stück weit Lebensqualität“, sagt Rieger.

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