Alexander Sonderegger begeistert mit virtuosem Spiel

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Alexander Sondereggers Finger scheinen ein Eigenleben zu führen.
Alexander Sondereggers Finger scheinen ein Eigenleben zu führen. (Foto: Elisabeth Weiger)
Elisabeth Weiger

Die Gelegenheit, einen wunderschönen ersten Sommertag mit facettenreicher Klaviermusik zu beenden, hat sich am Samstag den Besuchern eines Klavierabends mit Alexander Sonderegger im evangelischen Gemeindehaus in Sigmaringen geboten. Bei weit geöffneten Fenstern und angenehmen Temperaturen kamen sie in den Genuss eines bunten Programmes barocker, klassischer und zeitgenössischer Klaviermusik. Bereits zum zweiten Mal gastierte der Pianist Alexander Sonderegger, mittlerweile 28 Jahre alt und Dozent an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart, auf Einladung des Kantors Sukwon Lee im evangelischen Gemeindehaus. Nach einer kurzen Erläuterung zu jedem einzelnen Stück folgte Sondereggers Interpretation der jeweiligen Komposition.

Mit einer Fantasie und Fuge in g-Moll, von Johann Sebastian Bach für die Orgel geschrieben und von dem Pianisten für das Klavier bearbeitet, „was eine Mehrarbeit für die Hände bedeute, da die Pedale fehlen“, begann das Konzert. Und schon wurden die Zuhörer Zeugen dieser Mehrarbeit, jagten, verfolgten und überkreuzten sich doch die Hände des Pianisten in atemberaubendem Tempo, als ob sie ein Eigenleben führten. Dann wieder ebbte der Schwall aufwühlender Tonfolgen ab. Finger um Finger baute sich langsam eine Melodie, eine Tonfolge auf, ein kurzes Innehalten vor dem nächsten dramatischen Höhepunkt.

Mit einer Sonate in g-Moll von Joseph Haydn, einem Musikstück mit mindestens zwei Themen von gegensätzlichem Charakter, die immer variiert und wiederholt werden, setzte Sonderegger das Programm fort. „Ob es ein Feuerwerk ist,d ürfen Sie selbst entscheiden“, sagte er dem Publikum. Ganz im Sinne von Claude Debussy überließ es der Pianist den Zuhörern, ob vor ihrem inneren Auge beim nächsten Stück „Feuerwerk“ Bilder von Feuer oder doch eher von Wasser auftauchten. Leicht schmunzelnd kündigte er dann mit der orientalischen Fantasie „Islamey“ ein Werk des russischen Komponisten Mili Balakirev an, welches aufgrund seiner technischen Anforderungen höchst selten Eingang in die Konzertsäle findet. Dass der Interpret auch diesen hohen Ansprüchen gerecht wurde, quittierten die Zuhörer mit Bravo-Rufen und lautstarkem Applaus.

Vorliebe für Jazz von Kindesbeinen an

„Genießen Sie“, lautete Sondereggers Aufforderung vor dem ersten Anschlag von Image Band 1, einem Werk von Claude Debussy, der mit seinem impressionistischen Stil für das Klavier neue Klangfarben und Ausdrucksmöglichkeiten geschaffen hat. Und wie sie genossen. Sogar das Vogelgezwitscher vor den Fenstern fügte sich harmonisch in die ruhigen Zwischenphasen des Stückes ein.

„Als Kind habe ich nicht so viel geübt, aber Jazz mochte ich immer. Diese Vorliebe ist geblieben, und deshalb ist es mir eine besondere Freude, dass ich für Sie Gershwin spielen darf“, sagte der Pianist. Auf „Rhapsody in Blue for Piano solo“ hatten sich schon in der Pause einige der Konzertbesucher gefreut. Und sie wurden nicht enttäuscht. Die Komposition des Broadwaymusikers George Gershwin, 1924 in New York uraufgeführt, verbindet Elemente des Jazz, laut Gershwin die amerikanische Volksmusik, mit Elementen der konzertanten Sinfonik und ist mittlerweile weltberühmt.

Stehend und mit langanhaltendem Applaus bedankten sich die Konzertbesucher bei Sonderegger für ein spannungs- und genussreiches Konzert, das die Musikvorlieben aller Besucher abdeckte und alle erfüllt mit wunderbarer Musik in den lauen Sommerabend entließ.

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