259 Pflegekräfte streiken in Sigmaringen für mehr Lohn

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 Viele Pflegekräfte der SRH-Klinik haben in Sigmaringen für mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen gestreikt.
Viele Pflegekräfte der SRH-Klinik haben in Sigmaringen für mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen gestreikt. (Foto: Mareike Keiper)
Mareike Keiper

„Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Kohle klaut!“ Mit Trillerpfeifen ausgestattet sind 259 Pflegekräfte der SRH-Klinik in Sigmaringen gestern Morgen für mehr Gerechtigkeit in ihrem Berufsstand eingetreten. Ihr Ziel ist klar: Sie wollen ihren Forderungen vor der vierten Verhandlungsrunde zwischen der Stiftung Rehabilitation Heidelberg (SRH) und Verdi, die gestern begonnen hat, Nachdruck verleihen.

Konkret geht es vor allem um 5,8 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 150 Euro, rückwirkend zum 1. Januar 2019, sowie 140 Euro zusätzlich für Auszubildende. All das, klärt Gewerkschaftssekretär Benjamin Andelfinger von Verdi Oberschwaben auf, sei nötig, um die Gehälter an das Lohnniveau im öffentlichen Dienst anzugleichen. Die Tarifverhandlungen laufen inzwischen schon seit Dezember, sind aber in drei Runden gescheitert. Der Grund ist laut Andelfinger, dass das bisherige Angebot zwar die Gehälter erhöhen, den Abstand zum Lohn im öffentlichen Dienst aber weiter beibehalten würde.

DRK und Deutscher Gewerkschaftsbund unterstützen Pflegepersonal

Gerechnet habe Andelfinger beim gestrigen Streik in Sigmaringen mit 150 Menschen, doch diese Zahl wurde weit übertroffen. Anfangs habe er nur zwei Stationen erwartet, aber „jetzt hatten wir einen schönen Dominoeffekt“, sagt Andelfinger hörbar stolz. Neben Pflegekräften diverser Stationen, darunter die Intensivstation, die Neurologie und die offene Station für Psychiatrie, nahmen auch Auszubildende und drei Mitglieder des Deutschen Roten Kreuzes teil. Das sei nicht ganz uneigennützig, gibt DRK-Betriebsratsvorsitzender in Sigmaringen, Martin Rieder, vor den Streikenden zu: „Wir wollen Qualität für unsere Patienten und dafür ist das Personal wichtig.“ Deshalb unterstütze das DRK den Protest. Es sei nie clever, auf den Pflegenotstand mit Lohnsenkung zu reagieren, führte er an und erntete viel Zuruf.

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund zeigte Solidarität mit den Streikenden. Rudolf Christian, Kreisvorsitzender des DGB in Sigmaringen, sagte, er habe kein Verständnis, weshalb die Politik nicht handle. Denn laut Gewerkschaftssekretär Jannik Widon hat auch das Land einen Anteil an den Kliniken. „Sie stehlen sich aus der Verantwortung“, klagte er an. Das Gehalt der Auszubildenden sei durch das Land refinanziert, sodass der geforderte Bonus von 140 Euro den Krankenhäusern nicht zur Last falle.

Neben der Klinik in Sigmaringen haben am Mittwoch die Krankenhäuser in Pfullendorf und Bad Saulgau gestreikt. Auch fünf weitere Einrichtungen in Baden-Württemberg nahmen an den Protesten teil. Darauf setzen die Gewerkschaftssekretäre. „Wir hoffen, dass das Signal ausreicht“, sagte Andelfinger.

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