17 Kinder können in ihre Familien zurück

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 Um einen gelungenen Übergang von der Fremdunterbringung zur Familie zu ermöglichen, gibt es das Modellprojekt Rübe.
Um einen gelungenen Übergang von der Fremdunterbringung zur Familie zu ermöglichen, gibt es das Modellprojekt Rübe. (Foto: Holschneider/dpa)

Das Modellprojekt Rübe – Rückführungsbegleitung nach Fremdunterbringung verläuft bislang positiv. Bei 65 Prozent der Fälle konnten Kinder und Jugendliche erfolgreich in ihre Familien integriert werden. Das haben Katja Pfeil und Andreas Birkle vom Landratsamt dem Jugendhilfeausschuss des Kreistags berichtet. Ziel des vom Land geförderten Projekts ist es, Kinder und Jugendliche, die in einer außerfamiliären Maßnahme der Jugendhilfe, wie einem Heim oder einer Pflegefamilie untergebracht sind, zurück in ihre Ursprungsfamilie zu führen und dort nachhaltig zu integrieren. Seit dem 1. Oktober 2016 gibt es das Modellprojekt im Kreis, das wissenschaftlich von der Universität Siegen begleitet wird. Als freie Träger sind Mariaberg und das Haus Nazareth beteiligt.

Nun ist Halbzeit. 22 Fallanfragen habe es bislang gegeben, fünf davon mussten abgelehnt werden, das heißt, in fünf Fällen konnten Kinder nicht zurück in ihre Ursprungsfamilie – weil dies entweder von Eltern nicht erwünscht war oder das Kind massive psychische Auffälligkeiten zeigte. Von den 17 restlichen Fällen wurden sechs erfolgreich beendet, fünf Fälle sind noch nicht abgeschlossen und sechs wurden vorzeitig beendet, etwa weil dies von Eltern oder Kind so gewünscht wurde oder weil bei einem Kind sexueller Missbrauch durch ein Familienmitglied bekannt wurde.

Die meisten Rückführungen, so die Verantwortlichen, zielen auf eine Rückführung in den Haushalt der alleinerziehenden Mütter ab. In den meisten Fällen seien massive Konflikte zwischen den Eltern ein Grund für die Fremdunterbringung.

Die gesamte Rückführung ist mit rund 30 Monaten angesetzt, 18 davon sind für die stationäre Unterbringung geplant, im Anschluss daran findet die Rückkehrphase in die Herkunftsfamilie statt, die vom Rübe-Fachdienst begleitet wird. In den 17 Fällen konnte der angesetzte Zeitplan unterschritten werden.

Auch nach dem Abschluss der Rückführungsbegleitung stehen die Fachkräfte bis etwa 42 Monate nach der Übernahme der Fallverantwortung den Familien zur Seite. Die Verantwortlichen erzählten im Ausschuss davon, was bislang gut lief und was verbesserungswürdig sei. Als positiv werteten sie die Offenheit aller Beteiligten gegenüber dem Projekt, ebenso wie die „geräuschlosen“ Fallverläufe nach der Übergabe an den Fachdienst und die strukturierten Anfragen sowie die gute Zusammenarbeit.

Als „Knackpunkte“ des Projekts wurden unter anderem Unsicherheiten bezüglich der Definition eines Rübe-Falls, die Übergabezeitpunkte der Fälle, Prozessabläufe und der Umgang mit Geschwisterkindern genannt.

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