Vom Fruchtkasten aus blicken Gäste über die Stadt

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Gabriele Loges

Am Tag des offenen Denkmals haben viele Besucher aus Scheer und der Region das Angebot wahrgenommen und sowohl den ehemaligen Fruchtkasten, das zukünftige Veranstaltungsgebäude der Gemeinde, als auch das auf 1540 datierte private Malhaus von Lucie und Wolfgang Hassa besucht.

Der eine Ort, auf dem Götz-Areal wird „Neue Mitte“ genannt, der andere, das Malhaus, steht tatsächlich in der Mitte von Scheer. Die meisten besuchten beide Gebäude. Nein, so Bürgermeister Lothar Fischer gutgelaunt auf Rückfrage, man sehe den ehemaligen Fruchtkasten nicht als geographische Mitte, sondern vielmehr sei das Projekt inhaltlich „in der Mitte“. Schließlich habe auch Berlin seine neue Mitte, warum also nicht auch Scheer.

Unermüdlich führte er eine Gruppe nach der anderen durch die Baustelle und erzählte die Geschichte des Hauses und wo in naher Zukunft wie und für was umgebaut werden wird. Im Eingangsbereich, der ehemaligen Wagenremise, dokumentierten eine Diashow, aber auch Pläne und Berechnungen, die komplette Renovierung „des Impulsprojekts Neue Mitte“. Der Zugang werde später über die noch anzubauende Sporthalle, die möglichst funktional gehalten werde, erfolgen. Die Führung ging über eine Holztreppe nach oben. Im ersten und zweiten Stock befanden sich dort, wo jetzt vor allem ausgebeinte Balken stehen, beheizbare Zimmer und Bürgermeister Fischer findet: „Zwölf Räume, das war damals schon richtiger Luxus.“ Die Balken lassen sich auf 1779/1780 datieren. In Nebenräumen stehen noch Reste von der ehemaligen Brauerei, die dann allerdings völlig verschwinden werden. Im weiteren Obergeschoss soll „auch das Denkmalamt etwas davon haben“, vieles soll hier möglichst originalgetreu bleiben, dennoch könnten die Räume auch eventuell von Vereinen genutzt werden.

Einweihung im Jahr 2023

Das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg sieht im ehemaligen Fruchtkasten ein Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung. Hier empfahl Fischer auch: „Hinten haben wir extra ein Fenster geöffnet, damit Sie den besten Blick auf die Stadt Scheer haben und ein Foto machen können.“ Auf Rückfrage weiß Fischer: „Die Finanzierung ist gesichert, wir beginnen im nächsten Jahr und planen für 2023 die Einweihung.“

Aufgrund der Witterung mussten die Besucher beim Gang über die Donau den Schirm aufspannen. Die Besitzer des Malhauses an der Stadtmauer 12, Lucie und Wolfgang Hassa, hätten gerne die Livemusik der in der Region beliebten Gruppe „Anythings“ und die Sängerin Rebekka in den Hof gelegt. Der Regen forderte allerdings einen Umzug ins volle Haus. Wolfgang Hassa freute sich über die vielen Besucher und fand erstaunlich, dass das Haus von 1540 statisch damit klar kommt. Die Familie hatte das Gebäude vor 42 Jahren erworben und liebevoll restauriert.

Inzwischen wird es nicht mehr von der fünfköpfigen Familie bewohnt, sondern dient der Künstlerin Lucie Hassa als Ort, an dem sie Menschen zum Malen einlädt. Die Exponate der Mal-Gäste, die sie beim eigenen Malen und Zeichnen unterstützt, sind im ersten Stock ausgestellt. Hinter der Tür, „die bereits Eduard Mörike auf und zu machte“, so Wolfgang Hassa, befinden sich auch die Bilder der acht jungen Menschen der OWB, die regelmäßig ins Haus kommen. „Mit ihrer Malfreude sind sie eine echte Bereicherung für uns“, wie Lucie Hassa betont. Im oberen Stockwerk stellte sie ihre eigenen Bilder aus. Sie kann, so schwärmen einige „Malschülerinnen“, jeden zum Malen bringen: „Sie merkt immer, wie wir selbst vorwärts kommen.“

Auf Einladung der Hausherren hat Fritz Eisele sein Modell der Stadt in einem der Räume aufgestellt: „Ihr müsst euch ins Jahr 1800 zurückversetzen.“ Und schon erzählte er Geschichten und machte das Ganze mit der Versetzung der Häuser seines Modells sehr anschaulich. Natürlich durfte auch die Geschichte der „Mußbrenner“ und dem versuchten „kreativen Stadtumbau“ nicht fehlen. Bei Gesprächen, Musik und Bildbetrachtung ging der Tag des offenen Denkmals, der diesmal unter dem Motto „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“ stand, in Scheer schnell vorbei.

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