Verdichteter Wohnraum wird gefragter

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 Für die Baugebiete in Scheer gibt es schon Interessenten.
Für die Baugebiete in Scheer gibt es schon Interessenten. (Foto: Archiv: dpa)
Vera Romeu

In jüngster Gemeinderatssitzung sind mehrheitlich die drei Aufstellungsbeschlüsse für die neuen Scheerer Baugebiete „Gehegehalde“ und „Am Heudorfer Kreuz Nord“ sowie „Klösterleweg“ in Heudorf gefasst worden. Lothar Zettler, Stadtplaner aus dem Memminger Planungsbüro Lars Consult, stellte die drei Baugebiete ausführlich vor, auch um die neuen Räte auf den Wissensstand der anderen zu bringen.

Er hatte die Kritik an die Ausweisung der Baugebiete nach Paragraf 13b, die Anna Pröbstle in der vorigen Sitzung vorgebrachte hatte, in der „Schwäbischen Zeitung“ gelesen und seinen Vortrag und teilweise die Planung darauf abgestimmt. Nach der Vorstellung entwickelte sich zum jeweiligen Projekt eine langwierige Debatte. Es ging um verdichteten und bezahlbaren Wohnungsbau, Umweltschutz, öffentlichen Nahverkehr, Flächenverbrauch.

Bürgermeister Lothar Fischer betonte eingangs, dass die Innenverdichtung als wichtige Aufgabe weiter verfolgt werde und dass der Aufstellungsbeschluss nicht eine sofortige Erschließung der Baugebiete nach sich ziehen werde. Diese Sicht wurde am Ende der Sitzung wieder infrage gestellt. Rat Andreas Merk gab zu bedenken, dass die Baugebiete sehr unterschiedlich sind, dass die Stadt aber nicht alle zeitgleich erschließen könne. Er fragte, wie es die Stadt machen wolle, wenn Bauwillige ihr Interesse an Grundstücken in den verschiedenen Baugebieten anmelden und dann noch die Flächen an der alten Mehrzweckhalle dazu kämen. Fischer kündigte an, dass das neue Baugebiet in Heudorf so schnell wie möglich erschlossen werde, dass in Scheer einige der Grundstücke schon reserviert seien. Die vier exklusiveren Bauplätze am „Heudorfer Kreuz“ könnten sondervermarktet werden. Die Verwaltung wolle sich aber wegen der Erschließung noch mit dem Ingenieurbüro Koschmieder abstimmen.

Planungshohheit sichern

Der Paragraf 13b Baugesetzbuch verlangt von der Gemeinde, dass ihr die Flächen gehören, die sie als neue Baugebiete ausweist. Bis Ende 2021 muss die Gemeinde Eigentümerin der Flächen sein, damit der Satzungsbeschluss rechtskräftig wird. So empfahl Zettler der Stadt, alle Flächen zu kaufen, damit sie die Hoheit über die Planung und Erschließung hat. Fischer berichtete vom Stand der Verhandlungen und dass mehrere Notartermine anstünden.

Zettler erläuterte die kommenden Aufgaben der Kommunen: Die Stadt werde über einen höheren Verdichtungsgrad im Bestand nachdenken müssen. In den neuen Baugebieten sind eine verdichtete Bauweise mit Reihenhäusern und Wohnblöcken zu berücksichtigen. Wobei er dies auf Scheer beschränkte: Im Heudorfer „Klösterleweg“ sehe er nur Einfamilienhäuser. Neuer Trend sei, dass sich Gemeinden aktiv für bezahlbaren Wohnraum engagieren und erklärte den Vorgang: Die Gemeinde gebe dem Investor den Bauplatz zu einem günstigen Preis und vereinbare in einem städtebaulichen Vertrag die Höhe der Mietpreise, den Anteil an Miet- und Eigentumswohnungen, den Personenkreis, der diese Wohnungen mieten oder kaufen darf.

Die Stadt werde sich kümmern müssen, dass ältere Bürger, die ihre Einfamilien-Häuser gegen eine Wohnung eintauschen möchten, in der Altstadt und in bester Lage diese Wohnungen finden. Die Stadt müsse die Wohngebiete der 1960er- bis 1980er-Jahre analysieren, um sich bewusst zu machen, wie viele ältere Bürger in den nächsten Jahren eine kleinere Wohnung möchten. Bürgermeister Fischer bestätigte, dass die Stadt bereits mehrere Senioren an Mengen und Sigmaringen verloren habe, weil es in Scheer keine Wohnung für sie gab. Zettler empfahl dem Gemeinderat mehrere Tage in Klausur zu gehen, um die Stadtentwicklung zu beraten. Wichtig sei nun vorerst, die Flächen zu erwerben, sie über den Paragraf 13b zu überplanen, damit sich die Gemeinde die Handlungsfreiheit erhalte: „Sonst werden Sie nie bezahlbaren Wohnraum sichern können“, sagte er.

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