Tierrettung endet tragisch

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Feuerwehr, Helfer und Tierärzte versuchen am Dienstag Stute Aissa aus dem Graben zu ziehen.
Feuerwehr, Helfer und Tierärzte versuchen am Dienstag Stute Aissa aus dem Graben zu ziehen. (Foto: Thomas Warnack)
Anna-Lena Buchmaier

Es sollte ein schöner Ausritt mit ihrer 15 Jahre alten Stute Aissa werden, doch der Ausflug am Dienstagnachmittag endete tragisch: Almut Spöcker aus Scheer verlor ihr Pferd.

Beim Ritt im Wald oberhalb von Scheer, von Heudorf her kommend, wurde die Reiterin von einem Hund überrascht, der das Pferd scheuen ließ. „Ich bin auf eine Bank zugeritten, auf der ein Ehepaar saß, das ich wohl bemerkt habe“, berichtet Reiterin Almut Spöcker. Den mittelgroßen Hund, der sich beim von ihr abgewendeten Ehepaar befand, sah sie nicht. „Er kam aus dem Nichts auf uns zugeschossen“, erzählt Spöcker. Das Pferd sei binnen Sekundenbruchteilen voller Panik losgerast. „Normalerweise ist sie kein Durchgänger und auch vor Hunden hat sie keine Angst“, so die Reiterin. Almut Spöcker kann nachvollziehen, dass das Pferd aufgrund der Redaktion des Hundes Gefahr gewittert haben muss. Das Pferd habe nicht mehr auf ihre Kommandos reagiert und sei im Zickzack durchs Gebüsch galoppiert. „Dabei bin ich abgestiegen“, so Spöcker, die selbst mit Prellungen davon gekommen ist, aber noch nicht beim Arzt war.

„Am Waldrand befindet sich ein tiefer Graben. Da ist sie dann regelrecht reingestochen“, sagt Spöcker, merklich mitgenommen von den Erlebnissen. Aus dem Graben sei das Pferd nicht mehr aus eigenen Kräften herausgekommen, es habe auf dem Boden gelegen, die Beine ragten in die Luft.

Gänsehaut-Situation

Eine hinzugekommene Zeugin, von der Spöcker keine Kontaktdaten hat, habe die Feuerwehr gerufen. 16 Feuerwehrleute der freiwilligen Feuerwehr Scheer und zwei hinzugerufene Tierärzte versuchten stundenlang, das am Hang liegende Pferd mit Hilfe von Gurten zu drehen und aufzurichten. „Aber wir kamen nicht unters Pferd“, erzählt die Reiterin.

Für Kommandant Tobias Braig war die Tierrettung ein außergewöhnlicher Einsatz: „Wir haben das Tier mit Flutlichtstrahlern und Decken gewärmt“, berichtet der Feuerwehrmann. Eine Rettung von Großtieren komme höchst selten vor. „Eine unserer Feuerwehrfrauen reitet selbst und kennt sich gut mit Pferden aus, dafür war ich sehr dankbar“, so Braig. „Die Rettung lief total ruhig ab, auch das Tier war ganz ruhig – es hat wohl gemerkt, dass wir ihm helfen wollten“, berichtet Braig. „Man hat in seinen Augen gesehen, dass es Schmerzen hatte, aber das ist so ungreifbar, wenn man dies selbst noch nie erlebt hat“, so Braig. „Das verursacht schon Gänsehaut“, beschreibt Braig die Situation.

In der Nacht verstorben

Jeder der Anwesenden habe sein Bestes gegeben. Unter Anweisung der Tierärzte sei das Pferd schließlich mit vereinter Manneskraft hochgezogen worden. Immer wieder habe das Tier Infusionen für den Kreislauf und gegen Schmerzen erhalten. Von allein konnte es jedoch nicht stehen. Von etwa 16.30 Uhr Bis 18.30 Uhr habe die Bergung angedauert. Zusätzliche Probleme bereitete die Dunkelheit.

Mithilfe eines Radladers eines Landwirts wurde die Stute schließlich auf einen Anhänger geladen und nach Hause gebracht. Die Hoffnung, dass das Tier wieder von allein stehen würde, hat sich für Almut Spöcker nicht erfüllt. Im heimischen Stall ist Peruaner-Araberstute Aissa nachts schließlich verstorben. Almut Spöcker vermutet, dass innere Verletzungen oder Stauchungen des Rückenmarks die Ursache dafür gewesen sind.

Zeugin gesucht

Almut Spöcker ist enttäuscht über die Reaktion des Ehepaars mit Hund, dass das Geschehen relativ teilnahmslos verfolgt habe und kaum Einsatz gezeigt haben soll. „Sie haben sich nicht mal bemüht, über den Acker zu kommen.“ Verständnis für den Vorfall an sich hat Almut Spöcker dennoch: „Es herrscht im Wald keine Leinenpflicht, das kann schon passieren, nichtsdestotrotz handelt es sich um eine Nachlässigkeit“, so Spöcker.

Wie der Schaden und die Kosten der Rettung begleichen werden, ist noch nicht klar. „Wir werden Anzeige erstatten“, sagt Spöcker.

Die im Artikel beschriebene Zeugin wird gebeten, sich bei Almut Spöcker oder der Polizei zu melden.

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