Seine Arbeit erfordert viel Flexibilität

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Zaunbauer Walter Gutknecht bei seiner Arbeit. (Foto: Christoph Klawitter)
Schwäbische Zeitung
Christoph Klawitter

Arbeit bei schönem Wetter, Zwangspause bei schlechtem Wetter: Dieses Schicksal vieler Handwerker teilt auch Walter Gutknecht. „Das macht mir nichts aus“, sagt der selbstständige Unternehmer aus Scheer. Er betreibt eine Zaunbaufirma, bei trockenem Wetter ist er ständig mit seinem orangenen Lkw unterwegs. Von einer Baustelle geht es dann zur anderen. Ob Industriezäune, Industrietore, Heim- und Gartenzäune, Tierhaltungszäune – der Unternehmer bietet ein breites Spektrum an.

Dabei könnte der Zaunbauer auch unabhängig von der Witterung arbeiten. Denn seine Geräte sind so leistungsstark, dass sie sogar Teer oder gefrorenen Boden durchbrechen können. Doch wenn es regnet, haben Gartenbesitzer die Sorge, dass ihr grünes Reich von den Geräten umgepflügt werden könnte. „Und im Winter kommt niemand auf die Idee, seinen Garten richten zu lassen“, bemerkt Gutknecht. So hat es ihn auch getroffen, dass der vergangene Winter hart und lang war: Fünf Monate konnte er nicht arbeiten. Umso mehr klotzt er nun in der warmen Jahreshälfte ran. Wie in der gesamten Baubranche brummt auch bei ihm das Geschäft.

Auf eines ist Gutknecht besonders stolz: Er verfügt über ein selbstfahrendes Ramm- und Bohrgerät. Andere Zaunbau-Unternehmen bräuchten für solche Arbeiten einen Traktor und die doppelte Arbeitszeit, mit entsprechenden Kosten für den Kunden, sagt Gutknecht. Mit diesem Gerät wird er auch von anderen Unternehmen angefordert, um als Sub-Unternehmer Aufträge zu erledigen. So begreift Gutknecht andere Zaunbau-Unternehmen nicht nur als Konkurrenz, sondern auch als Partner. Das Ramm- und Bohrgerät ist außerordentlich besonders: Laut Gutknecht ist so ein Gerät nur bei einem weiteren Zaunbauer in Süddeutschland im Einsatz. Seine Arbeit erfordert viel Flexibilität: Wenn ein Ramm- oder Bohrauftrag kommt, lasse er alles stehen und liegen. Das sage er seinen anderen Kunden aber auch im Voraus.

Die Handhabung des Ramm- und Bohrgeräts ist nur etwas für Profis. „Eine Fehlbewegung, und es fehlt eine Hand“, verdeutlicht Gutknecht. Die Arbeit mit dem Gerät sei schon als sehr gefährlich einzustufen. „Man braucht dafür eine langjährige Erfahrung.“ Das Rammgerät kann er auch in kurzer Zeit zum Bohrgerät für Erdbohrungen umrüsten. Auch bei denen droht eine Gefahr: Falls Gutknecht bei einer Bohrung auf eine Leitung treffen sollte. Um das zu verhindern, macht sich Gutknecht vorher über die Bodenverhältnisse kundig. Er fragt beispielsweise ältere Bürger, die in der Nähe wohnen, oder fragt bei der Telekom nach. Denn die Baupläne mit den eingezeichneten Leitungen seien nicht immer genau. Um beispielsweise Teer zu durchbrechen, ist das Ramm- und Bohrgerät enormen Kräften ausgesetzt. „Nach jedem Einsatz muss es gewartet werden“, berichtet Gutknecht. Gewittert es, muss er seine Arbeiten mit dem Gerät einstellen, da sonst womöglich der Blitz einschlägt, vom Gerät abgeleitet wird und ihn trifft.

Eher ungern fertigt Gutknecht Holzzäune an – denn die sind lange nicht mehr so robust wie früher: Er rate Kunden von Holzzäunen ab. „Die normale Haltbarkeit eines Fichtenzauns beträgt acht bis zehn Jahre“, sagt Gutknecht. Das heißt, danach fallen Instandsetzungsarbeiten an. Die Holzlasierungen enthalten nämlich kein Quecksilber mehr wie früher. Das ist gut für die menschliche Gesundheit, aber schlecht für die Haltbarkeit des Zaunes.

Gutknecht arbeitet vorwiegend als Einzelunternehmer, er beschäftigt noch drei 450-Euro-Kräfte. Seit dreieinhalb Jahren ist er selbstständig, davor arbeitete er als Angestellter bei einem Zaunbauunternehmen. Begonnen hatte sein Berufsweg als Zimmermann. Diesen Beruf übte er 25 Jahre lang bei einem Sigmaringendorfer Unternehmen aus.

„Den Schritt in die Selbstständigkeit würde ich sofort wieder machen“, sagt der Unternehmer. Es ist nicht nur die Arbeit als Zaunbauer an sich, die ihm gefällt. Sondern auch, dass aus manchen seiner Kunden Freunde wurden. Und auch, dass er am Ende eines Arbeitstages oft ein handfestes Ergebnis vor Augen hat: einen neuen Zaun.

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