Rat vertagt Entscheidung zur Planungsvergabe

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Aus dem Fruchtkasten soll ein Veranstaltungszentrum werden.
Aus dem Fruchtkasten soll ein Veranstaltungszentrum werden. (Foto: vr)
Vera Romeu

Die europaweite Ausschreibung der Planungsleistungen für den Bau der Neuen Mitte ist abgeschlossen: Das Büro von Patrick Dorn hat als einziges Architekturbüro ein Angebot abgegeben. Das Projekt umfasst den Ausbau einer Versammlungsstätte im alten Fruchtkasten und den Bau einer Sporthalle, beides verbunden durch eine Eingangslobby. Die Gesamtbaukosten liegen bei rund elf Millionen Euro. Der neue Gemeinderat weigerte sich in der jüngsten Sitzung allerdings, den Auftrag zu vergeben und bestand darauf, dass Dorn ihnen in einer nächsten Sitzung das Projekt im Detail vorstellt.

Bürgermeister Lothar Fischer hatte zunächst den Sachstand vorgestellt: Die Ausschreibung rief europaweit Architekturbüros auf, sich für die Planungsleistungen der Leistungsphasen 5 bis 9 zu bewerben. Nachdem die erste Phase der Ausschreibung beendet war und das Büro Dorn einziger Bewerber war, wurde in einem zweiten Schritt ein Angebot nach der Honorarordnung (HOAI) für die Planung der Neuen Mitte angefordert. Zusätzlich wurde die Möglichkeit geschaffen, eine Pauschalsumme als Nebenangebot für die Leistungen abzugeben. Das auf solche Dinge spezialisierte Stuttgarter Rechtsanwaltbüro Menold Bezler hatte den Auftrag der Gemeinde bekommen, die Planungsleistungen auszuschreiben und die eingehenden Angebote zu prüfen. Das Angebot Dorn wurde geprüft. Der Gemeinderat kann nun zwischen einem fixen Pauschalpreis von 750 000 Euro netto oder nach HOAI rund 820 000 Euro brutto wählen. Wenn es mehrere Angebote gewesen wären, hätte der Gemeinderat die Aufgabe gehabt, unter den verschiedenen Bietern einen Planer auszuwählen, erklärte Fischer. Dieser zusätzliche Schritt entfalle nun.

Auer ist überrascht

Christoph Auer sprach seine Verwunderung darüber aus, dass sich kein weiteres Büro um den Planungsauftrag beworben habe: „Ich finde es überraschend, dass niemand geboten hat. Das wäre doch ein leicht verdientes Geld, weil ja schon viel geplant ist“, sagte er. Er finde Dorns Angebot aber sehr fair und sprach sich für den Pauschalpreis aus, weil bei einer Steigerung der Baukosten die Planungskosten nicht mitsteigen, begründete er. Liane Hildebrandt teilte diese Sicht: Die Pauschale sei sicherer. Andreas Merk rechnete dagegen vor, dass die Pauschale im Moment teurer wäre als die Abrechnung nach der HOAI, weil die Mehrwertsteuer noch dazu komme.

Die neu ins Gremium gewählten Räte forderten Informationen über das Projekt ein, bevor sie den Auftrag erteilen. Anna Pröbstle fragte, ob Patrick Dorn einfach für die Planung angefragt wurde und warum es keinen Architekten-Wettbewerb gegeben habe. Bürgermeister Fischer erklärte, dass für die Leistungsphasen eins bis vier Dorn angefragt wurde, um das Baugesuch fertigstellen zu können. Dieses Baugesuch sei notwendig gewesen, um auf Bundesebene ein baureifes Projekt vorstellen und Zuschüsse beantragen zu können. „Auf einen Wettbewerb haben wir verzichtet, weil im Prinzip alles vorgegeben ist: der Standort der Sporthalle, der Eingang, die Bühne im Fruchtkasten“, so Fischer.

Es entstand im Gremium eine kontroverse Debatte. „Bevor wir den Auftrag vergeben, sollte Architekt Dorn nochmal kommen. Es geht um eine hohe Summe. Wir wollen noch Fragen stellen können“, plädierte Alexander Eisele. Anna Pröbstle fragte, ob der Gemeinderat noch auf die Gestaltung einwirken könne, oder ob schon alles fertig geplant sei. Fischer sicherte zu, dass der Rat über Dinge wie Oberflächen und Farbkonzepte mitsprechen werde.

Im Gremium wurde darüber nachgedacht, was es bedeuten würde, wenn Architekt Dorn den Planungsauftrag nicht bekäme. Laut Fischer sei dies nach der abgeschlossenen Ausschreibung nicht möglich. „Und vom Zeitplan her können wir froh sein, dass es nur einen Bieter gibt“, sagte er. Auch Ursula Herla war der Ansicht, dass es zu Architekt Dorn nach der Ausschreibung keine Alternative gebe. Rätin Anna Pröbstle dagegen wünschte sich eine nicht-öffentlich Sitzung, um besser darüber beraten zu können. Der Gemeinderat vertagte die Beschlussfassung auf eine der nächste Sitzungen.

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