Kapelle St. Oswald kann sich wieder zeigen

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Die Fassade wird von Ehrenamtlichen saniert.
Die Fassade wird von Ehrenamtlichen saniert. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

Die gesamte Außenfassade der Friedhofskapelle St. Oswald in Scheer ist erneuert worden. Die Arbeit wurde von einer Gruppe von freiwilligen Helfern um Alfred Eisele in vielen Stunden noch rechtzeitig vor der eisigen Jahreszeit fertiggestellt. Nachdem die letzte grundlegende Sanierung über 35 Jahre zurücklag, hatten sich immer mehr Risse im Putz gezeigt und die Farbe war durch die Witterungseinflüsse sehr schadhaft geworden. Nun erstrahlt die Kapelle auf dem alten „Gottesacker“ wieder in neuem Glanz.

Die heutige Kapelle soll an der Stelle des ehemaligen Dorfkirchleins der Ortschaft Gemmingen erbaut worden sein, so Eugen Pröbstle, zweiter Vorsitzender des Kirchengemeinderats. Der kleine Weiler war im Dreißigjährigen Krieg vollkommen abgegangen. In einer Beschreibung vom Oberamt Saulgau wird berichtet, dass der „Gottesacker“ der Stadt bereits im Jahr 1545 von der Pfarrkirche hierher verlegt wurde. Nicht umsonst hat sich der alte Sprachgebrauch bei älteren Leuten erhalten, wenn Sie auf ihre Gesundheit angesprochen werden: „Oh, s’ghot bald Gemmenga zua.“

Die Kapelle wurde durch Truchsess Wilhelm wiederaufgebaut und dann im Jahr 1554 von Kardinal Otto, Truchsess von Waldburg, späterer Bischof von Augsburg, eingeweiht. An der Innenseite der Portalwand wird auf den auf den im Jahr 1555 durch fünf Kardinalbischöfe für alle Besucher gewährten „Ablass“ durch das Verrichten mehrerer Gebete hingewiesen.

Gotische Flügelaltäre

Das „Deutsche Volksblatt“ berichtet, dass der hiesige Gottesacker im Jahr 1869 erweitert wurde und nun die Toten wohl 60 Jahre in dem schönen und würdigen „Gottesacker“ ruhen können. Das Innere der Kirche besticht durch die herrliche Ausmalung und die gotischen Flügelaltäre, welche bis zur Barockisierung an der Stelle vom Sebastian- und Marienaltar in St. Nikolaus gestanden hatten. Der südliche Nebenaltar enthält im Schrein ein Gnadenstuhlrelief, auf den Flügeln innen: der Evangelist Johannes und der heilige Vitus; außen: die Heilige Elisabeth und die heilige Magdalena. Unten sieht man eine gemalte Engelsputte mit Truchsesswappen.

Auf dem nördlichen linken Schrein befanden sich drei Flach-skulpturen: die Heiligen Sebastian, Andreas und Christopherus. Auf den Flügeln innen befinden sich die Heilige Helena und die heilige Apollina sowie außen der heilige Rochus und der Heilige Antonius Eremita. Diese Flachskulpturen wurden 1974 gestohlen. 1981 tauchte die Andreas-Statue wieder auf. Ein Anbieter hatte diese für 32000 Mark erworben. Pfarrer Hans Kürner konnte sie am 2. Dezember 1981 beim bayrischen Kriminalamt in München wieder abholen.

Im Jahr 2004 wurde eine umfangreiche Innenrenovierung durchgeführt. Sämtliche Altäre und die Statuen am Hauptaltar sowie alle Decken- und Wandmalereien wurden sehr originalgetreu durch die Firma Lorch erneuert. Ebenso wurden neue Bänke eingebaut. Eine besondere Kostbarkeit ist der von Hermann Braun geschaffene kunstvoll geschmiedete Gitterabschluss mit seinen Rosetten. Wahrlich ein Kunstwerk. Bis in die Zeit der ehemaligen Grafschaft Friedberg und Scheer reichen die an den Außenwänden angebrachten Gedenktafeln zurück. Eugen Pröbstle, der selbst auch mitgeholfen hat, dankt im Namen des Kirchengemeinderats den ehrenamtlichen Helfern Alfred Eisele, Karl Wetz, Alfred Reck, Erwin Buck, Ewald Braig, Roland Rieder, Irmgard Rieder, Markus Rieder und Johannes Rieder dafür, dass sie „eine der schönsten Kapellen in der ganzen Umgebung“ wieder hergerichtet haben.

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