Ist eine 30er-Zone die Lösung für Scheer?

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Ein Lastwagen in Scheer
Laute Lastwagen sind in der engen Ortsmitte unterwegs. Soll hier eine Zone 30 eingerichtet werden? (Foto: Jennifer Kuhlmann)
Vera Romeu

Die Stadtverwaltung Scheer hat am Donnerstagabend die Einwohner zu einem Informationsabend zum Lärmaktionsplan in den Sitzungssaal des Rathauses eingeladen. Es waren zwar nur wenige gekommen, doch wurde in der angeregten Diskussion klar: Eine 30er-Zone und zu viele Ampeln in der Bundesstraße in der Ortsdurchfahrt stoßen auf heftige Kritik. Bürgermeister Lothar Fischer lud die Einwohner ein, ihre Anregungen, Bedenken und Vorschläge bis zum 7. Oktober schriftlich einzureichen. Aus dem Gemeinderat waren fast keine Räte anwesend, um die Diskussion mitzuerleben. 

Es wird nichts in Stein gemeißelt.

Bürgermeister Lothar Fischer

In einer der kommenden Sitzungen werde der Gemeinderat die eingereichten Bedenken und Vorschläge abwägen und den Aktionsplan beschließen, kündigte Fischer an. Wobei vorstellbar sei, dass die Maßnahmen nach und nach eingeführt und ihre Wirkung zunächst beobachtet werde. „Wir werden uns herantasten. Es ist nichts in Stein gemeißelt“, betonte er. „Dieser Informationsabend für die Öffentlichkeit ist eine Freiwilligkeitsleistung der Stadt. Heute nehmen wir keine Anregungen auf, wir besprechen sie nur.“

In Scheer ist der Straßenverkehr zu laut. Nun ist die Stadt gezwungen, Lärmschutzmaßnahmen umzusetzen, um die Anwohner zu schützen. Das Land ist in Vorleistung gegangen und hat die Kosten der ersten Kartierung und des Entwurfs eines Maßnahmenplans übernommen. Nun ist die Stadt am Zug und muss die vom Büro Richter und Richard gemachten Vorschläge konkretisieren (die SZ berichtete).

Fischer stellte die Lärmkarten vor. Laut ist es in Scheer an der Bundesstraße: Dort wo es am engsten ist, ist die Lärmbelastung am höchsten. Das Büro Richter und Richard hat Maßnahmen vorgeschlagen, die kurzfristig und mittelfristig umgesetzt werden können: Flüsterasphalt, Ampeln, Zebrastreifen, Kreisel, Blitzer, Schikanen, Pflanzung von Bäumen entlang der Straße, eine 70er-Zone ab Höhe Sportplatz, eine 30er-Zone im Ort, alles ist aufgelistet und möglich.

Anlieger könnten gestresst sein

Die 30er-Zone stieß auf heftige Kritik. Eine 30er-Zone durch Scheer werde für Ärger sorgen, prognostizierte ein Bürger. Die Leute würden sie meiden wollen und den Umweg über Blochingen fahren, um nach Scheer zu kommen, mutmaßte ein anderer. „Wenn eine 30er-Zone eingerichtet wird und noch Ampel dazu kommen, wird der Verkehr innerhalb der Stadt so stocken, dass Autos doppelt solange für die Ortsdurchfahrt brauchen werden. Da wird Scheer total verstopft sein“, ärgerte sich ein weiterer Bürger und berichtete aus Sigmaringendorf, dass die Anlieger wegen der Ampeln und des stockenden Verkehrs total gestresst seien.

Wenn der Verkehr stocke, werde das Einbiegen in die Bundesstraße erschwert. Auch werden die Lastwagen runterschalten müssen, um mit 30 Stundenkilometern den Hang in Richtung Sigmaringen hinaufzufahren, sodass der Lärm ansteigen werde, kritisierte ein Bürger. „30er-Zonen nerven die Fahrer“, erklärte ein anderer und führte die 30er-Zone in Unterhausen als – aus seiner Sicht – abschreckendes Beispiel an. 

Es gab aber auch andere Stimmen: Eine 30er-Zone verursache nur wenig Zeitverlust bei der Durchfahrt. Auch an der Kurve beim Altersheim könne man ja nicht schneller als 30 fahren, sodass der Verkehr flüssiger sein könnte, wenn grundsätzlich mit 30 Stundenkilometer gefahren werde. Bürgermeister Fischer kündigte an, dass er in Unterhausen anrufen werde, um sich zu erkundigen, ob die 30er-Zone Positives gebracht habe. 

Tempo 30 macht den Schulweg sicherer

Auch wurde die Sicherheit angesprochen: Eine Zone 30 mache den Schulweg sicherer. Bürgermeister Fischer berichtete, dass Lastwagen mit fremden Nummernschildern langsamer auf die Kurve zufahren als die lokalen. „Die fahren sehr schnell rein und bremsen vor der Kurve abrupt ab. Das macht Lärm und ist gefährlich“, sagte er.

Einig waren sich alle, dass es sich positiv auswirken würde, wenn den Verkehr vor den Ortseinfahrten die Geschwindigkeit auf 70 Stundenkilometer heruntergedrosselt werde. Dazu brauche es aber Blitzer, damit die Autofahrer sich daran halten.

Nun sind die Einwohner am Zug: Sie dürfen bis zum 7. Oktober ihre Bedenken und Anregungen schriftlich – mit Unterschrift – im Rathaus einreichen.

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