Heudorf will von Mengen den Wald zurück

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 Die Grundschulkinder singen für die Besucher des Festbanketts.
Die Grundschulkinder singen für die Besucher des Festbanketts. (Foto: Fotos (3): Christoph Klawitter)
Christoph Klawitter

Mit einem Festbankett am Samstagnachmittag hat der Heimat- und Narrenverein Heudorf sein 50-jähriges Jubiläum und gleichzeitig das alle vier Jahre stattfindende Heimatfest gefeiert, dieses inzwischen in 13. Auflage. Zu Gast waren Mitglieder des Adelsgeschlechts Reischach, im Mittelalter Eigentümer von Heudorf. In dem Bankett wurde deutlich, wie wichtig der Verein für das gesellige Leben in dem Scheerer Ortsteil Heudorf ist.

Ob Fasnet, Maibaumstellen, die Gestaltung von Plätzen, Pflege von Kleindenkmälern, Bewirtung bei Festen, das Heimatfest: Alles Veranstaltungen und Tätigkeiten, für die der Heimat- und Narrenverein sich verantwortlich fühlt. „Das sind viele Veranstaltungen, die aus Heudorf nicht mehr wegzudenken sind“, sagte Bürgermeister-Stellvertreterin Liane Hildebrandt in einem kurzen Grußwort. Der Landtagsabgeordnete Klaus Burger reflektierte in seiner Rede über den Wert der Heimat. „Heimat ist dort, wo unser Lebensfaden festgemacht ist“, sage eine alte Weisheit, so Burger. „Es geht um persönliche Beziehungen“, kam er dem Begriff Heimat näher. Heimat habe auch etwas mit der Bindung an die Region zu tun.

„Sie halten an alten Traditionen fest, weil sie uns heute noch etwas zu sagen haben“, sagte er in Richtung der Vereinsmitglieder, es gehe dabei nicht um Nostalgie. Wie andere Vereine auch, habe der Heimat- und Narrenverein Nachwuchssorgen gehabt. In diesem Zusammenhang lobte er den Vorsitzenden Reiner Kuchelmeister: „Wir brauchen solche Leute wie dich, lieber Reiner, die den Wagen auch ziehen, wenn er einmal holprig läuft.“ Sabine Rebholz, Vorsitzende des Musikvereins, und Hermann Ebe vom „Patenverein“, der Göge-Gilde aus Hohentengen, hielten weitere kurze Grußworte.

Anwesend waren auch Dietrich Eck Hans Alfred Graf von Reischach, seine Tochter Kimsy – ehemalige Moderatorin des Musikfernsehsenders MTV – sowie deren Tochter. Reiner Kuchelmeister übergab dem Adligen ein steinernes Heudorfer Wappen als Geschenk, auch die Tochter bekam ein Präsent. Einige Zeit benötigte der Vereinsvorsitzende, bis er alle Ehrengäste begrüßt hatte: Unter anderem nahmen auch der ehemalige Bürgermeister Rolf Keller sowie der parlamentarische Staatssekretär Thomas Bareiß (CDU) am Festbankett teil.

Kuchelmeister zeichnetHeudorfs Geschichte nach

In seiner Ansprache zeichnete Reiner Kuchelmeister die wechselvolle Geschichte von Heudorf nach: Immer wieder hatte Heudorf im Mittelalter wechselnde „Eigentümer“. Nach den Herren von Reischach beispielsweise fiel Heudorf an das österreichisch-landesherrliche Spital Mengen. „Man spricht von Mengisch-Heudorf“, sagte Kuchelmeister.

Aus diesen alten Verhältnissen resultiert auch der Umstand, dass Mengen einen Teil des Waldes bei Heudorf besitzt. „Mengen ist bis heute Nutznießer dieses Heudorfer Waldes“, sagte Kuchelmeister mit Humor. „Ich habe heute den Bürgermeister von Mengen eingeladen, der sich hierüber Gedanken machen sollte, wie das Rückgabeszenario aussehen könnte“, bemerkte Kuchelmeister unter dem Gelächter des Publikums. Kuchelmeister ging auch auf die Anfänge des Heimat- und Narrenvereins ein. Der Verein wurde 1969 gegründet. Das erste Heimatfest fand dann 1971 statt – mit Stargast Margit Sponheimer, damals eine bekannte Sängerin. Die Neugierde auf Sponheimer habe dem Verein damals ein volles Zelt beschert, sagte Kuchelmeister.

Kindergartenkinder, Grundschüler der Gräfin-Monika-Schule und die Tanzgruppe von Daniela Knaus-Beil unterhielten das Publikum. Für alle Akteure gab es viel, teils auch begeisterten Applaus. Zum Ende des Festbanketts spielte der Musikverein Heudorf auf. Eröffnet worden war das Bankett mit Liedern des Kirchenchors.

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