Ein Schläfchen in der Mittagspause? Bei der Firma Späh kein Problem.

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Christoph Klawitter

Material, das 25 000 Euro pro Quadratmeter kostet oder eine Wasserstrahlschneidmaschine, die mit 4000 Bar Druck arbeitet: Bei der Aktion „Schwäbischer Türöffner“ haben 20 Leser der „Schwäbischen Zeitung“ die Firma Späh in Scheer kennengelernt. Mitarbeiterin Annika Ott führte die Besucher in einer sogenannten Fünf-Sinne-Tour durchs Unternehmen.

Betritt man den neuen, seit wenigen Jahren existierenden Bürotrakt des Unternehmens, begegnet einem als erstes ein Bücherregal mit einladenden Sofas. Und gleich darauf ist eine bepflanzte Wand mitten im Raum zu sehen, auch ein „Freiraum“ für die Mitarbeiter mit Schlafgelegenheiten ist nicht fern – das Unternehmen ist offensichtlich nicht wie jedes andere strukturiert. „Das wird auch wirklich von den Mitarbeitern genutzt“, bemerkt Annika Ott mit Blick auf die Schlafgelegenheiten. Die Mitarbeiter könnten hier in ihrer Mittagspause ausruhen. „Freiraum“ heiße dieser Raum in der Firma.

Bevor es mit der Tour durchs Unternehmen losgeht, berichtet ein Film Wissenswertes. Demnach arbeiten für Späh rund 520 Mitarbeiter an vier Standorten in Deutschland. „Begonnen hat alles 1964“, heißt es in dem Film. Die ersten Dichtungen habe Firmengründer Karl Späh noch eigenhändig ausgeschnitten. Heute verlassen mehr als eine Milliarde Produktteile pro Jahr das Unternehmen. Dichtungen, Stanzteile, Isolierteile, Ringe, Dreh- und Frästeile aus Kunststoffen, sogenannte Halbzeuge wie beispielsweise Platten und Stäbe sowie wasserstrahlgeschnittene Präzisionsteile – all das bietet Späh seinen Kunden an.

Eine Besonderheit ist die Wasserstrahlschneide-Technik. Die Wasserstrahlschneiden arbeiten laut Annika Ott mit einem Druck von 4000 Bar. „Da sollte man auf jeden Fall nicht seinen Finger darunter halten. Der fehlt nämlich dann“, sagt die angehende Industriekauffrau lächelnd. Zum Vergleich: Ein Autoreifen wird je nach Automodell auf beispielsweise 2,2 Bar aufgepumpt. Die Besucher können an aufgebauten Luftdruckpistolen selbst ausprobieren, wie sich ein oder acht Bar Druck anfühlen – die Fünf-Sinne-Tour will, wie es der Name schon sagt, alle Sinne ansprechen.

Die Kunststoffteile, mit denen die Beschäftigten von Späh als Ausgangs-Werkstoff arbeiten, sind teils sehr teuer. Während der billigste Ausgangs-Kunststoff Polyethylen laut Annika Ott 23 Cent pro Quadratmeter kostet, schlägt ein Quadratmeter des chemikalienbeständigen Kalrez mit sagenhaften 25 000 Euro pro Quadratmeter zu Buche. „Das Kalrez haben wir auch nicht auf Lager“, sagt Ott. Das sei angesichts der Quadratmeterpreise mit zu hohen Lagerkosten verbunden. Kalrez wird auch in der Luft- und Raumfahrtindustrie verwendet und soll Dichtungen unter extremen Bedingungen besonders beständig machen.

Dicke, Härte und Rautiefe überprüft die Wareneingangskontrolleurin Manuela Irmler-Orth an ihrem Arbeitsplatz. Den Besuchern erklärt sie am Beispiel einer Marmorplatte, was Rautiefe bedeutet: Weist eine Marmorplatte, beziehungsweise im Fall von Späh die angelieferte Ware, zu große Unebenheiten auf der Oberfläche auf, werde die angelieferte Ware gleich wieder aussortiert.

Durch Büroräume, Lager, Produktion und Versand führt Annika Ott mit ihrer Azubi-Kollegin Luisa Witt die Besucher. Die Leser haben einige Fragen. So erläutert Annika Ott, dass 75 Prozent der Produkte von Späh im Inland verbleiben, während 25 Prozent ins Ausland exportiert werden, vorwiegend Schweiz und Österreich.

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