Esel sind großartige Therapeuten für Kinder

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Nach dem plötzlichen Tod der geliebten Eselstute bitten die Kinder der Lassbergschule-KBZO um Spenden.
(Foto: Vera Romeu)
Vera Romeu

Kinder, die körperliche und geistige Einschränkungen haben, müssen viel Energie aufbringen, um Dinge des Alltags zu bewältigen. Diese Energie freizusetzen, ist Ziel des Besuchs auf dem Bauernhof, wo die Tiere als Ko-Therapeuten für sie da sind. Energie aufzubringen, um die Schritte, die mühsam sind, trotzdem zu gehen, um die Furcht vor unbekannten Materialien trotz allem zu überwinden, das tun Kinder eher für ein Tier als unter der Anleitung von Therapeuten. Denn wenn sie ein Tier versorgen oder führen, haben sie nicht das Gefühl, einmal wieder therapiert zu werden. Ihre Stärken sind gefragt, die Schwächen werden überwunden. In dieser Art Therapie haben sich Esel als beste Partner erwiesen.

Seit Jahren dürfen die Kinder der Sigmaringer Schule für Körperbehinderte - Lassbergschule der Stiftung KBZO - sich von den Eseln auf dem Rulfinger Biohof Göhring begeistern lassen. In dieser Begeisterung schaffen sie Dinge, die sie sonst nicht hinkriegen. Um den Esel zu führen, müssen sie selber viele Schritte gehen. Um die Esel zu versorgen, müssen sie Heu und Stroh in die Hand nehmen, einen Schubkarren schieben. Das sind alles Hochleistungen für Kinder, die Handicaps haben. Und wenn sie beim Spazierengehen mit dem Esel dann doch zu sehr ermüden, dann dürfen sie sich in den Wagen setzen, den der Esel für sie zieht.

Andrea Göhring begleitet und fördert die Kinder, damit sie ihre Stärken entdecken und ihre Schwächen vergessen. Sie ist geprüfte Fachkraft für Tiergestützte Therapie und weiß, worauf es ankommt.

Auf dem Hof hält sie zwei Esel für diese Art Therapie. „Esel sind zuverlässig und intelligent. Sie rennen nicht weg, wenn sie erschrecken, sie bleiben einfach stehen“, erklärt Andrea Göhring. Und dann muss das Kind überlegen, was fehlt dem Esel, warum will er jetzt nicht mehr gehen. „Einfach am Seil ziehen, hilft da nicht. Der Esel geht keinen Schritt, wenn er nicht will“, erklärt Andrea Göhring.

Doch von Natur aus ist der Esel kein Therapeut, er muss dazu ausgebildet werden. Er muss an Menschen gewöhnt werden, sie zum Bestandteil seiner Herde machen. Er muss an alles, was die Welt der Menschen ausmacht, gewöhnt werden. Er darf vor keinem Gullideckel scheuen, er darf keine Angst vor Rollstuhl oder Rollator, vor Bällen und flatternden Tücher haben. Gelegentliche Schreie und plötzliche ungewohnte Bewegungen der Kinder dürfen ihn nicht erschrecken. „Es braucht fast zwei Jahre, bis ein Esel ein zuverlässiger Partner ist“, erklärt Andrea Göhring.

Die Kinder der Lassbergschule gehen sehr gern zu den Therapiestunden auf den Hof nach Rulfingen. Doch keine Krankenkasse bezahlt diese tiergestützte Therapie. „Wir können diese Stunden nur über Spendengelder finanzieren“, berichtet Charlotte Mühl, Leiterin der KBZO-Lassbergschule in Sigmaringen.

„Vor wenigen Wochen ist eine Katastrophe passiert“, erklärt sie, „der Lieblingsesel der Kinder ist unerwartet gestorben. Andrea Göhring konnte inzwischen einen neuen Esel, Luis, auf den Hof holen und bildet ihn nun aus. Das hat für die tiergestützte Therapie zusätzliche Kosten verursacht, für die um Unterstützung gebeten wird. „Die tiergestützte Förderung kann nur über Spenden weiter gehen, weil sie den Rahmen des Schulbudgets übersteigt. Wir sind auf das Wohlwollen vieler Menschen angewiesen, die ein nachhaltiges Projekt für Kinder mit Behinderung im Landkreis Sigmaringen unterstützen möchten“, erklärt Mühl.

Spendenkonto Stiftung KBZO, BIC: SOLADES1RVB, IBAN: DE62 6505 0110 0086 3113 11. Ganz wichtig ist der Hinweis „TGF Esel Sigmaringen“, damit die Spende richtig zugeordnet werden kann.

www.kbzo.de/KBZO/Spenden/index.php

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