Windkraftgegner machen ihrem Ärger Luft

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Bürgerinitiative demonstriert gegen Windräder

Im Denkinger Ortschaftsrat ist am Montag erstmals eine neue Bürgerinitiative gegen Windkraft in Erscheinung getreten. Die Mitglieder demonstrierten gegen den Bau von bis zu vier weiteren Windrädern und forderten den Abbau der bereits bestehenden Anlagen.

Schwäbische Zeitung

Selten dürfte eine Sitzung des Denkinger Ortschaftsrats so gut besucht gewesen sein wie am Montagabend: Vor gut 100 Interessierten schilderten zwei Vertreter der Firma ABO Wind deren Pläne, auf Pfullendorfer Gebiet bis zu vier weitere Windräder zu errichten. Anschließend meldeten sich zahlreiche Kritiker zu Wort und konfrontierten die Referenten mit ihren Bedenken. Viele von ihnen haben sich einer Bürgerinitiative angeschlossen, die den Abbau der bestehenden Anlagen fordert und sich gegen die Errichtung neuer Windräder ausspricht.

Projektleiter Elmar Holz und Teamleiter Stefan Schuck stellten die Einzelheiten zu den Plänen ihrer Firma in Denkingen vor. Demnach sind vier Windkraftanlagen geplant, die jeweils 230 Meter hoch sind. Zum Vergleich: Bei den bestehenden Anlagen, die das Unternehmen Reg-En errichtet hat und die inzwischen von der Firma Vensol betrieben werden, sind es 200 Meter. Der Abstand zur Wohnbebauung soll immer mindestens 1000 Meter betragen. Entstehen sollen die Anlagen im Waldgebiet Hohenreute, nordöstlich der bereits vorhanden Windräder.

„Wir haben von verschiedenen Gerüchten gehört. Auch von sechs bis acht Anlagen, die wir angeblich bauen wollen, war dabei schon die Rede“, sagte Elmar Holz. Deshalb habe sich ABO Wind dazu entschieden, die Pläne schon jetzt öffentlich vorzustellen. Das bedeute aber auch, dass sich bis zum Bau der Windräder noch einiges ändern könne.

Gesundheitliche Probleme

Im Anschluss an ihren Vortrag stellten sich Elmar Holz und Stefan Schuck den Fragen der Zuhörer. Diese gingen häufig mit Kritik an Windkraftanlagen einher. Gleich mehrere Anwohner klagten über Beeinträchtigungen durch die drei bestehenden Anlagen. „Wir und auch unsere Nachbarn haben ein permanentes Brummen im Haus – auch wenn die Propeller nicht laufen“, sagte ein Zuhörer. Andere berichteten von Herzproblemen beim Spazierengehen oder körperlichen Zusammenbrüchen. Weitere Kritikpunkte zielten auf den Infraschall der Anlagen oder auf ihren aus Sicht der Gegner zu geringen Abstand zur Wohnbebauung.

Elmar Holz unterstrich, dass sich ABO Wind an alle rechtlichen Vorgaben und Grenzwerte halte. „Technische Probleme nach der Inbetriebnahme von Windkraftanlagen kann es aber geben“, sagte Stefan Schuck. „Ich kann Ihnen nur empfehlen, sich in diesem Fall an die Genehmigungsbehörde zu wenden.“ Auf die Vermutung, dass sich die Anlagen von ABO Wind kaum wirtschaftlich betreiben lassen dürften, entgegnete er, dass sich die Wirtschaftlichkeit nicht allein anhand der Windhöffigkeit festmachen lasse. „Auch der Anlagenpreis oder die Länge der Kabeltrasse spielen eine Rolle“, sagte Schuck.

„Wenn die Windräder so großartig sind, warum wollen die Überlinger sie dann nicht selbst?“, fragte eine Zuhörerin. Mit dieser Frage kritisierte sie das bisherige Verfahren. Die Fläche, auf der die neuen Windräder entstehen sollen, gehört nämlich dem Spital- und Spendfonds Überlingen, der das Areal für die Nutzung von Windernergie ausgeschrieben hatte. Die Wahl auf die Firma ABO Wind als Investor fiel im Überlinger Gemeinderat.

Kritik vom Ortsvorsteher

Anlagen auf eigenem Stadtgebiet habe der Gemeinderat Überlingen stets abgelehnt, sagte Denkingens Ortsvorsteher Karl Abt. „Von daher kann nicht die Rede davon sein, dass die Sprengkraft einer solchen Entscheidung nicht vorhersehbar war“, sagte er. Während Windräder für Überlingen offenbar unzumutbar seien, könne das Opfer in Denkingen wohl in Kauf genommen werden. Abt lobte die Informationspolitik von ABO Wind. „Ein so offenes Verhalten hätte ich mir im Vorfeld der Ausschreibung auch von einem Vertreter der Stadt oder des Spitals Überlingen gewünscht“, kritisierte er. Bürgermeister Thomas Kugler schloss sich dieser Kritik an. „Wie das Verfahren gelaufen ist, war suboptimal“, sagte er.

Die Bürgerinitiative (BI) „Mensch Natur – Oberer Linzgau“ kündigte an, gegen die bestehenden Anlagen und die Pläne von ABO Wind vorzugehen. „Wir werden mit aller Macht versuchen, das zu verhindern, was Sie hier vorgestellt haben!“, sagte BI-Mitglied Hans Daikeler zu Elmar Holz und Stefan Schuck.

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