Weltmeister Frank Stäbler im Mittelpunkt

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Das goldene Buch begeistert den Weltmeister.
Das goldene Buch begeistert den Weltmeister. (Foto: Artur K. M. Bay)
Artur K. M. Bay

Zum 30. Mal hat die Stadt Pfullendorf ihre erfolgreichen Sportler in acht Disziplinen geehrt. Zahlenmäßig stärkste Abteilungen waren dabei die Fußballer und die Leichtathleten. War es im vergangenen Jahr der Co-Trainer der Isländischen Fußball-Nationalmannschaft Helgi Kolvidsson, welcher als Ehrengast fungierte, stand dieses Mal der dreimalige Ringer-Weltmeister Frank Stäbler im Mittelpunkt des Interesses. Gemeinsam mit SWR-Sport-Redakteur Michael Dittrich, der mit viel Feingefühl und Fachwissen als Moderator brillierte, ging die Ehrung recht kurzweilig vonstatten.

Bürgermeister Thomas Kugler begrüßte als Hausherr die gutgelaunte Sportler-Familie im vollbesetzten Bürger- und Ratssaal. Als Dankeschön gab es zum Abschluss noch einen Ständerling mit Getränken und Häppchen. Mit flotten Rhythmen umrahmte am Keyboard der junge, hoffnungsvolle Musiker Jamie Lutz die Feierlichkeiten. Namens der Stadt überreichte Hauptamtsleiter Hans-Jürgen Rupp Urkunden und Präsente.

Lockere Atmosphäre

„Bereits zum 22. Mal waltet SWR-Sport-Redakteur Michael Dittrich seines Amtes als Moderator der Sportler-Ehrung in der Stadt Pfullendorf“, erklärte anerkennend und mit Stolz Bürgermeister Thomas Kugler dem sportlichen Publikum. In einer äußerst lockeren Atmosphäre stellte Michael Dittrich postwendend die Frage an den Schultes: „Wie geht es denn der Stadtgemeinde Pfullendorf so?“ Bürgermeister Kugler, um keine Antwort verlegen, strahlte vor Optimismus: „Wir erleben ein Superjahr.“ Dann hieß das Stadtoberhaupt den Ehrengast der Sportler-Ehrung 2018, den Ringer-Weltmeister Frank Stäbler aus Stuttgart-Leinfelden willkommen. Spontan reagierte das Auditorium mit einem tosenden Beifallssturm. Von nun an hatten nur noch der Moderator und der Weltmeister das Sagen.

Die Art und Weise, wie sich Frank Stäbler präsentierte, war schon beeindruckend. Es wirkt nicht nur sympathisch, er ist es auch: eine ehrliche Haut, immer ein Lächeln auf den Lippen und dann legt er los. Er sei in früheren Jahren sehr schüchtern gewesen und habe erst nach und nach lernen müssen, mit Menschen umzugehen und vor allem frei von der Leber weg zu sprechen. Er macht den jungen Sportlern Mut, dass es im Leben darauf ankäme: „Das Mögliche möglich machen. Auch nach Rückschlägen wieder neue Ziele ins Auge fassen – natürlich weiß ich auch, dass Ringen keine besonders beliebte Sportart ist, aber eine der ältesten.“ Jetzt ist Frank Stäbler nicht mehr zu halten, er ist in seinem Element: Dem Ringen. Dreimal wurde er Weltmeister, 2015 in Las Vegas in der Gewichtsklasse bis 66 Kilogramm, 2017 Paris 71 Kilogramm und 2018 Budapest 72 Kilogramm – alle drei Titel im Griechisch-Römischen-Stil.

„Was dürfen wir in Zukunft noch von dir erwarten“, fragt Moderator Dittrich nach? „Natürlich habe ich einen Traum: Olympiasieger 2020 in Tokio werden.“ Als Dittrich nachfragt, wo er herkommt, antwortet Stäbler: „Meine Eltern haben eine Landwirtschaft.“ Der Moderator witzelt, an die Pressevertreter gerichtet: „Überschrift: ,Der Weltmeister aus dem Kuhstall’.“ „Obwohl ich seit einem Jahr Vollprofi bin – zuhause bin ich stark verwurzelt. Meine beiden Mädels, meine Frau und meine kleine Tochter, die sind mein Ein-und-Alles.“ Dann will Dittrich von Stäbler wissen: „Was wärst du ohne Sport?“ Prompt kommt die Antwort: „Ich bin ein Glückskind. Wie heißt es: ,Wer sucht, der findet.’ Erfolg ist kein Glück, sondern das Ergebnis von Blut, Schweiß und Tränen.“

Frank Stäbler erzählt von großen Rückschlägen in seiner sportlichen Laufbahn, Verletzungen blieben nicht aus. Dann gehe ein „unglaublicher Verzicht“, sprich Verlust von Lebensqualität einher, wenn man Spitzensport auf weltmeisterlichem Niveau betreibt. Im Beruf als Informatiker 40 Stunden Arbeit und 30 Stunden Training pro Woche. Zwischenfrage des Moderators: „Wie hältst du dein Gewicht?“ Aufschlussreich Stäblers Antwort: „Es kann sein, dass ich vor einem großen Wettkampf in acht Tagen neun Kilo abnehmen muss.“ Ungläubiges Staunen im Saal. „Nichts mehr trinken und kaum mehr etwas essen, eine Entwässerungskur, allerdings nur unter ärztlicher Aufsicht.“ Nach der Sportler-Ehrung trägt sich Frank Stäbler ins Goldene Buch der Stadt Pfullendorf ein und gibt Autogramme, die weg gingen wie warme Semmeln.

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