Vokalquintett entführt seine Zuhörer ins Mittelalter

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 Das Vokalensemble „Vocame“ fasziniert das Publikum mit Kirchenmusik aus dem frühen Mittelalter.
Das Vokalensemble „Vocame“ fasziniert das Publikum mit Kirchenmusik aus dem frühen Mittelalter. (Foto: Anthia Schmitt)
Anthia Schmitt

Das Christliche Bildungswerk hat am Donnerstag zu einem außergewöhnlichen Konzert in Wald eingeladen, für das etliche Kenner der Musikszene mehr als 100 Kilometer Anfahrt in Kauf nahmen. Das international renommierte Vokalensemble „Vocame“ unter der Leitung von Michael Popp war in der aus dem 13. Jahrhundert stammenden und zur Zeit des Barock prächtig umgebauten Pfarrkirche St. Bernhard mit seinem neuesten Programm „Cathedrals“ zu Gast.

Die hervorragenden Sopranistinnen und Mezzosopranistinnen Sigrid Hausen, Sarah Newman, Petra Noskaiova und Gerlinde Sämann präsentierten mit Stimmen, die das große Kirchenschiff souverän füllten, religiöse Lieder aus dem frühen Mittelalter. Rund 120 Zuhörer bedankten sich am Ende mit stehenden Ovationen und frenetischem Applaus für ein Konzert, das nicht nur durch die wundervollen Stimmen der Sängerinnen ein Genuss war, sondern auch erstaunliche Einblicke in die Anfänge der Kirchenmusik bot.

Musik aus der Zeit, als die Kirche und das Kloster gebaut wurden

Rudolf Graf, Sprecher des Bildungswerks, sprach in seiner Einführung von „Musik aus jener Zeit, als diese Kirche und das Kloster gebaut wurden“. Michael Popp, der das Ensemble mit alten Instrumenten wie der gotischen Harfe, dem Hackbrett oder der Drehleier begleitete, informierte das Publikum zwischen den Stücken immer wieder über die Musikstücke und geschichtlichen und kirchlichen Zusammenhänge. Das Quintett präsentierte lateinische Gesänge der Mystikerin, Kirchenlehrerin und Komponistin Hildegard von Bingen, die, so Michael Popp, selbst in der heutigen Zeit noch eine hohe Anforderung an die Sängerinnen stellen und „in der damaligen Zeit erst recht“.

Beschwingte Weihnachtslieder, wobei die rauen Weihnachtsbräuche im frühen Mittelalter nichts mit dem heutigen besinnlichen Weihnachten gemeinsam hatten, und hymnisch-lyrische Sequenzen, in der damaligen Zeit die „Unterhaltungsmusik“ in der religiösen Musik, zeigten eine völlig andere Kirchenmusik, als in der heutigen Zeit. Pilgerlieder aus Santiago de Compostela und bildhafte Lieder der Byzantinerin Kassia aus dem 9. Jahrhundert ergänzten das rund anderthalbstündige Programm.

Natürlich ließ das Publikum das Ensemble nicht ohne eine Zugabe gehen und so brachten die fünf Musiker am Ende noch ein altes korsisches Marienlied zu Gehör.

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