„Unsere Arbeit ist für die Ewigkeit“

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„Das Richtige für jeden Verstorbenen“: Stephanie Grießhaber und Carola Sonntag (von links) entwerfen Grabsteine nach individuell
„Das Richtige für jeden Verstorbenen“: Stephanie Grießhaber und Carola Sonntag (von links) entwerfen Grabsteine nach individuell (Foto: Michael Kroha)
Michael Kroha

Eine Mutter verliert ihren totkranken Sohn. Die eigenen Kinder finden ihren Vater leblos in der Badewanne auf. Das sind alles Schicksale, die eigentlich niemand hören möchte. Doch für Carola Sonntag und Stephanie Grießhaber ist das Alltag. Sie stellen Grabsteine her und werden beinahe täglich mit dem Tod anderer Menschen konfrontiert. Es ist ihr Beruf und ein bisschen auch ihre Berufung.

„Man muss den Beruf lieben und mit den Geschichten umgehen können“, sagt Carola Sonntag, Geschäftsführerin des gleichnamigen Steinmetzbetriebs gegenüber vom Pfullendorfer Friedhof. Nach ihrem Abitur und einem eher unglücklich verlaufenen Versuch zu studieren, hat sich die damals 23-Jährige entschlossen, etwas „Kreatives“ zu machen. Mit 30 hatte Carola Sonntag dann den Meisterbrief im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk in der Tasche und übernahm den Steinmetzbetrieb von Josef Bräg in Pfullendorf.

Seit elf Jahren ein „Zwei-Frauen-Betrieb“

Seit nunmehr elf Jahren ist die heute 48-Jährige aber nicht mehr die alleinige Herrin der Lage. Stephanie Grießhaber, ebenfalls Meisterin im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk, kam 2004 dazu und gemeinsam bilden sie „den bundesweit wohl einzigen Zwei-Frauen-Betrieb“, sagt Stephanie Grießhaber. Eine klare Arbeitsteilung gebe es bei ihnen nicht. Jedoch habe natürlich jeder seine „Stärken und Schwächen“. „Carola kann zum Beispiel bessere Schriften zeichnen. Ich kann dafür besser Schriften hauen“, erzählt Grießhaber.

Ihre gemeinsame und wohl stärkste Stärke scheint ihr Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl zu sein. Nicht nur im Umgang mit dem Gestein, sondern vor allem mit den Menschen, die zu ihnen kommen. „Jeder hat eigene Vorstellungen von einem Grabstein und jeder muss mit der Trauer und dem Verlust umgehen“, sagt Carola Sonntag. Ihr Ziel sei es, „das Richtige für jeden Verstorbenen“ zu finden. „Es sind auch schon Angehörige gekommen, die haben uns die komplette Lebensgeschichte des Verstorbenen erzählt“, sagt Grießhaber. „Anhand dieser Erzählung haben wir dann einen Grabstein entworfen.“

Friedhof als sozialer Punkt

Die Steinmetzinnen setzen dabei ausschließlich auf ihr eigenes Handwerk. Von vorgefertigten „0815-Grabsteinen“ aus Katalogen oder Importen aus kritischen Ländern, die unter dem Verdacht der Kinderarbeit stehen, halten sie nichts. „Wir hatten schon Kunden, die sind zu uns gekommen, weil die Beratung eines Kollegen zu unpersönlich gewesen sein soll“, sagt Carola Sonntag. Für sie stehen die Wünsche der Menschen im Vordergrund. „Unsere Arbeit ist für die Ewigkeit. Die Menschen brauchen einen Ort zum Trauern“, sagt Sonntag.

Dies sei auch der Grund, weshalb der Trend zu Friedwäldern immer mehr zurück gehe. „Wir sehen das jeden Tag am Friedhof“, berichtet Stephanie Grießhaber. „Die älteren Damen, die ihren Mann verloren haben, treffen sich und tratschen miteinander“, sagt die 36-Jährige. Es gebe auch Menschen, die am Grabstein mit dem Verstorbenen Kontakt aufnehmen möchten. „Das ist ein sozialer Punkt“, sagt Carola Sonntag.

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