Sibylle Becker-Goeschel gibt Leitung der Kunstschule ab

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Sibylle Becker-Goeschel verlässt die Kinder- und Jugendkunstschule mit einem Lächeln auf den Lippen. „Es war eine großartige Arb
Sibylle Becker-Goeschel verlässt die Kinder- und Jugendkunstschule mit einem Lächeln auf den Lippen. „Es war eine großartige Arbeit, an der man wachsen kann“, sagt sie über ihre zwei Jahre als Leiterin. (Foto: Sebastian Korinth)
Schwäbische Zeitung

Weil Sibylle Becker-Goeschel Ende August aufhört, muss sich die Kinder- und Jugendkunstschule Pfullendorf einen neuen Leiter suchen. Mit SZ-Redakteur Sebastian Korinth spricht Becker-Goeschel über die Gründe für ihr Ausscheiden, das Scheitern bei der geplanten Aufnahme in den Landesverband der Kunstschulen und darüber, wie es mit der Schule jetzt weitergeht.

Vor zwei Jahren haben Sie die Leitung der Kinder- und Jugendkunstschule übernommen. Jetzt hören Sie schon wieder auf. Warum?

An der Heimschule Kloster Wald habe ich seit September sechs Theaterproduktionen und zwei Modenschauen betreut. Jetzt kam das verlockende Angebot, die Arbeit dort aufzustocken. Ehrlich gesagt ist mein Idealismus aber auch angesichts der finanziellen Möglichkeiten geschrumpft. Wir sind die zweitkleinste Kunstschule in Baden-Württemberg und unser Budget ist weniger als halb so groß wie das der kleinsten.

Wie finanziert sich denn die Einrichtung?

Allein durch Mittel der Stadt. Ich bekomme mein Gehalt und muss darüber hinaus Miete, Telefonkosten und Gebühren für Wasser, Strom und die Müllabfuhr bezahlen. Die Dozenten bezahlen wir mit den Kursgebühren. Mit den Finanzen haben aber viele Kunstschulen zu kämpfen – auch viele, die schon seit Jahrzehnten bestehen.

Gibt es kein Geld vom Landesverband der Kunstschulen?

Unser Bemühen, in den Verband aufgenommen zu werden, ist leider kurz vor dem Ziel gescheitert. Wäre die Entscheidung anders ausgefallen, hätte uns das finanziell aber auch wenig weitergeholfen. Unterstützung bekommen wir vom Landesverband aber trotzdem. Als sogenanntes assoziatives Mitglied dürfen wir zum Beispiel an den Fortbildungen teilnehmen.

Woran ist die Aufnahme in den Landesverband gescheitert?

Offenbar tun sich einige der Verantwortlichen schwer mit der Ausrichtung unserer Schule. Allein aufgrund der Klientel und des kleinen Einzugsbereichs können wir in Pfullendorf nicht den Schwerpunkt darauf legen, junge Künstler auf ein Diplom oder die Hochschule vorzubereiten. Ich verstehe unsere Schule als einen Raum, in dem sich die Kinder frei und ohne Druck ausdrücken können – ohne zum Beispiel Noten für ihre Arbeit zu bekommen. Bei unserer Projektwoche zu „Alice im Wunderland“ im Stadtgarten konnte man ein großartiges soziales Miteinander erleben. Da haben Förderschüler und Gymnasiasten großartig zusammengearbeitet. Wenn Kinder sich nicht frei ausdrücken können, werden viele von ihnen aggressiv oder depressiv. Unsere Kinder- und Jugendkunstschule kann dazu beitragen, dass das nicht passiert.

An welche Kinder richtet sich Ihr Angebot?

Die meisten Kunstschulen nehmen Kinder ab sechs Jahren auf, wir bereits Mädchen und Jungen ab drei. Für sie gibt es unser Kunstkarussell: Einmal pro Woche trifft sich die gleiche Gruppe, die allerdings alle fünf bis sechs Wochen von einem neuen Dozenten betreut wird. So kommen sie nicht nur zum Malen, sondern können sich auch körperlich ausdrücken – zum Beispiel beim Singen, Tanzen oder Theater.

Und die älteren Kinder?

Da ist die Nachfrage gering, weil die Älteren eher im Unterricht und in Projekten an den Schulen künstlerisch aktiv werden. Bei uns sind die ältesten Kinder um die acht Jahre alt.

Wie blicken Sie denn jetzt auf Ihre zwei Jahre als Schulleiterin zurück?

Ich habe in dieser Zeit viel gelernt. Es war eine großartige Arbeit, an der man wachsen kann. Organisation liegt mir ohnehin, aber der Umgang mit vielen verschiedenen Leuten hat mir großen Spaß gemacht. Neu war für mich, so in der Öffentlichkeit zu stehen. Aber das war mir auch wichtig: Gerade die Kinder brauchen jemanden, der für sie steht und für sie kämpft.

Sie haben Wettbewerbe und Projekte organisiert, ein offenes Atelier und Kinderferienspaß-Projekte eingerichtet, Ausstellungen und die große „Alice im Wunderland“-Projektwoche auf die Beine gestellt. Ist es Ihnen gelungen, die Schule damit mehr ins öffentliche Bewusstsein zu rücken?

Zumindest zum Teil. Es ist leider wirklich erstaunlich, wie viele Pfullendorfer gar nicht wissen, dass die Stadt eine Kinder- und Jugendkunstschule hat.

Wie geht es jetzt weiter?

Für mich ist Ende August Schluss, aber mit der Kunstschule wird es auf jeden Fall weitergehen. Derzeit sind wir im Gespräch mit jemandem, der sich die Leitung der Schule vorstellen könnte. Das ist ja auch eine spannende Aufgabe: Man hat fast keine Vorgaben und kann sich großartig selbst entfalten. Der Kontakt zu anderen Menschen, vor allem zu den Kindern, ist unbezahlbar.

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