Schwerelos durch den Schwarm

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Unter Wasser lässt’s sich natürlich nur schwer sprechen. Deshalb erklärt mir Tauchlehrer Jörg Plamper nicht nur ausführlich, wie
Unter Wasser lässt’s sich natürlich nur schwer sprechen. Deshalb erklärt mir Tauchlehrer Jörg Plamper nicht nur ausführlich, wie ich mit dem Atemregler umzugehen habe, sondern bringt mir auch auch wichtige Zeichen bei – hier ist alles in bester (Foto: Walter Sonntag)
Mark Hänsgen

Ich habe keine Höhenangst, auch enge Räume oder Krabbeltiere bringen mich eher selten aus der Fassung – ganz im Gegenteil. Spinnen jeder Größe rette ich gerne mit bloßen Händen das Leben, wenn sie sich in mein Habitat verirren. Achterbahnen können niemals zu hoch sein, um mich abzuschrecken. Doch es gibt eine Sache, die ich bisher absichtlich gemieden habe, obwohl sie doch die pure Abenteuerlust verkörpert: das Tauchen.

Warum lieben es manche Menschen mit schwerem Gerät und hautengen Gummianzügen in scheinbar endlos dunkle Tiefen abzutauchen? Es ist eine Frage, die sich wohl nur durch den Selbstversuch beantworten lässt. Und dafür muss man nicht ans Meer fahren, das geht auch vor der eigenen Haustür. Im Pfullendorfer Seepark habe ich endlich eine Antwort gefunden: Bei einer Reise mit Atemregler, Flossen und Pressluftflasche in eine fremde Welt.

Abwärts in die Tiefe

Es ist mit 13 Grad ein kühler, leicht regnerischer Freitag, als ich mich zum Tauchzentrum am Bannholzerweg 40 begebe – im Rucksack wartet bereits ein Handtuch auf seinen Einsatz, unter der Jeans die Badehose. Gleich am Eingang begegnet mir Bademeister Walter Sonntag, der gerade seinen vollgepackten Laden für Tauchausrüstung öffnet und mich freundlich begrüßt. Es dauert nur wenige Minuten, schon drückt er mir eine typische Taucherbrille in die Hände. „Hier, probiere diese mal an. Die Maske muss unbedingt ganz dicht am Gesicht sitzen“, sagt er und zurrt sie sogleich fest.

Auf den ersten Schritt folgt rasch der zweite und ehe ich mich versehe, zwängen sich meine Beine und Arme unter Keuchen in einen ziemlich eng anliegenden Neoprenanzug – ein ungewohntes Gefühl, an das ich mich aber schnell gewöhne. In der Zwischenzeit ist Tauchlehrer Jörg Plamper zu uns gestoßen. Er wird mich in die Unterwasserwelt führen.

Der 30-Jährige kennt sich aus, hat schon vor den Inseln der Malediven, im Oman und in Ägypten spektakuläre Tauchgebiete erkundet. Geduldig und genau beschreibt er, wie ich das Jacket mit der Zehn-Liter-Pressluftflasche, dem Atemregler und Bleigewichten umschnalle. „Solltest du Wasser ins Mundstück bekommen, dann gibt es zwei Lösungen“, sagt er. Entweder solle ich die Luftdusche betätigen, die das Wasser heraus bläst, oder einfach selbst kräftig hineinblasen. Das testen wir auch gleich kniend im 23 Grad warmen Flachwasser, wo ich das erste Mal den Kopf samt Atemgerät ins Wasser tauche – mehr schlecht als recht, doch die Technik funktioniert. Trotzdem muss ich mich erst einmal zwei Minuten an der Oberfläche an den Fremdkörper im Mund und das „mechanische“ Atmen gewöhnen. „Das ist wie Fahrradfahren: Einmal Gelerntes vergisst man nie. Wichtig ist, ruhig zu bleiben und ganz normal ein- und auszuatmen“, sagt er und macht mir Hoffnung.

Viele Fische zeigen sich

Nicht ohne Erfolg: Mutig setze ich ein zweites Mal an und siehe da, auf einmal fällt das Atmen unter Wasser schon viel leichter. Es braucht nur wenige weitere Minuten und schon liege ich auf dem Bauch, berühre mit den Händen den sandig-steinigen Boden in knapp zwei Meter Tiefe. Denn getaucht wird in dieser Liegeposition, nur mit den Flossen als Antrieb und Steuerung. Es bleibt natürlich nicht aus, dass ich mit den Armen wedele, das Gleichgewicht verliere und vor mich herum rotiere. „Das passiert den meisten Einsteigern“, sagt Lehrer Plamper später lachend am Ufer. Ich hätte mich aber insgesamt sehr gut geschlagen, höre ich und freue mich.

Zurück ins Wasser: Mit einer Hand an seinem Arm folge ich ihm knapp unter der Oberfläche. Meine andere Hand kümmert sich derweil um den Druckausgleich, presst wie im Flieger regelmäßig die Nasenflügel zusammen. Als ich mich an die waagerechte Haltung gewöhnt habe, geht es weiter hinein ins Gewässer.

Schatten vor mir, unter mir, neben mir – im See zeigt sich plötzlich die Crème de la Crème der heimischen Fauna. Riesige Karpfen, lange Hechte und ein Schwarm Moderlieschen sind zum Greifen nah und machen die lautlos geführte Unterwasser-Tour zu dem, was es ist: eine besonderes, magisches Erlebnis. Die Frage, warum Tauchen toll ist, ist geklärt: Weil es die Sinne verzaubert.

Alle sechs Plätze der Schwäbischen Zeitung für das Schnuppertauchevent am Sonntag, 21. August, sind vergeben. Wer gerne einmal im Seepark tauchen möchte, kann sich aber jederzeit beim Tauchzentrum anmelden unter der Telefonnummer 07552/ 4000194 oder per E-Mail an info@tauchzentrum-pfd.de.

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