Schulleiterin geht in den Ruhestand

Lesedauer: 7 Min
Aus dem Berufsleben scheidet Eva Riede-Leibbrand in knapp drei Wochen aus. Ob sie bei den Kommunalwahlen 2019 noch einmal für ei
Aus dem Berufsleben scheidet Eva Riede-Leibbrand in knapp drei Wochen aus. Ob sie bei den Kommunalwahlen 2019 noch einmal für ein Mandat im Gemeinderat ins Rennen geht, will sie sich noch überlegen. (Foto: Sebastian Korinth)
Redakteur Alb/Lauchert und Pfullendorf

Nach 39 Jahren an der Kasimir-Walchner-Schule geht Leiterin Eva Riede-Leibbrand mit Ende dieses Schuljahres in den Ruhestand. Mit SZ-Redakteur Sebastian Korinth spricht sie über Probleme und Erfolge, die Perspektiven ihrer Schüler und ihre Pläne für die Zeit nach dem Berufsleben.

Gespräche über Förderschulen sind ja meistens Gespräche über Probleme. Hat Sie das in 39 Jahren an der Kasimir-Walchner-Schule in Pfullendorf nie genervt?

Natürlich geht es viel um Probleme – aber es gibt auch so viel Positives zu berichten. Wir sind das einzige SBBZ-L (Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit Förderschwerpunkt Lernen, Anmerkung der Redaktion) im Schulbezirk, das als Ganztagsschule von Klasse 1 bis 4 anerkannt ist. Seit 1981 haben wir eine Betreuung über Mittag und eine Hausaufgabenbetreuung. 21 ehrenamtliche Jugendbegleiter lesen mit den Kindern, treiben mit ihnen Sport oder kochen mit ihnen. Wir pflegen Betriebspartnerschaften mit 23 Unternehmen und über ihre Praktika gelangen viele Acht- und Neuntklässler an Ausbildungsplätze. Wenn jemand Bereitschaft zum Lernen zeigt, hat er gute Chancen, im Berufsleben Fuß zu fassen.

Die meisten Ihrer Schüler führen nach der Schulzeit also ein eigenständiges Leben?

Das würde ich schon sagen. Ich bin überzeugt davon, dass das Gros der Jugendlichen nach der Zeit bei uns gut darauf vorbereitet ist. Aber es gibt schon auch alle zwei bis drei Jahre jemanden, der in einer Förderwerkstatt unterkommt.

Sind Schüler, die ein SBBZ-L besuchen, stigmatisierte Kinder?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten, sondern hängt stark vom jeweiligen Schüler ab. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass der Besuch eines SBBZ-L eher ein Problem der Eltern ist – und nicht der Schüler. Das gibt sich aber in dem Moment, in dem die Väter und Mütter zum Beispiel merken, dass ihre Kinder wieder gern zur Schule gehen.

Sie haben aber auch schon solche Fälle geschildert: Ein Junge kommt im Winter nicht zur Schule, weil er mit Grippe im Bett liegt. Zur Mittagszeit taucht er dann aber doch auf, weil er Hunger hat – und weil er weiß, dass er in der Schule etwas Warmes zu essen bekommt, zu Hause aber nicht. Trotzdem sind Sie 2009 Schulleiterin geworden. Obwohl Sie wussten, dass Sie sich dann noch stärker mit solchen Schicksalen auseinandersetzen müssen.

Nach mehr als 20 Jahren als Lehrerin und sieben Jahren als Konrektorin war das einfach noch mal eine neue Herausforderung. Als Leiterin muss ich mich nicht nur mit Kindern und Eltern auseinandersetzen, sondern zum Beispiel auch mit Lehrern, die Probleme mit einem Schüler haben. Im Vordergrund steht aber nicht die Auseinandersetzung, sondern der Wille, etwas zu gestalten. Den teile ich zum Glück auch mit allen Kollegen. Die sind bis heute total motiviert.

Wie kommen Kinder überhaupt zu Ihnen auf die Schule?

Das ist unterschiedlich. Manchmal sind es Kinderärzte, die zunächst eine Frühförderung anregen, über die die Mädchen und Jungen dann zu uns kommen. Andere werden regulär in die erste Klasse eingeschult und dann stellt sich heraus, dass es dort nicht richtig klappt. Manchmal passiert das auch erst in der dritten oder vierten Klasse. Es kommen aber auch Kinder zu uns, die vorher durch einen Sonderpädagogen an einer Regelschule unterstützt wurden, weil diese Hilfe nicht ausgereicht hat. Dafür, welche Schüler zu uns kommen, gibt es aber strenge Kriterien. Der Elternwille allein reicht nicht aus. Über das Recht auf sonderpädagogische Förderung entscheidet das staatliche Schulamt.

Sie unterrichten an der Kasimir-Walchner-Schule seit 39 Jahren. Wie schwer fällt Ihnen nach so langer Zeit das Loslassen?

In den Ruhestand zu gehen – das konnte ich mir noch vor einigen Monaten nur schwer vorstellen. Inzwischen freue ich mich aber auf die Zeit. Ich möchte mehr reisen, das Klavierspielen wieder intensivieren und mein Französisch aufbessern. Außerdem freue ich mich darauf, abends mal wieder mehr als fünf Seiten zu lesen, ohne gleich vor Müdigkeit einzuschlafen.

Und Ihre Nachfolge ist ja inzwischen auch geregelt.

Das macht mir den Abschied auch nochmal ein bisschen leichter. Darüber, dass Alexandra Keinath meine Nachfolgerin wird, freue ich mich sehr. Sie hat bereits von 2002 bis 2013 an der Schule unterrichtet und wir haben gemeinsam viel entwickelt und aufgebaut. Sie hat viel Energie, Verhandlungsgeschick und genießt Autorität den Schülern gegenüber.

Seit 1999 sitzen Sie für die Unabhängige Liste im Gemeinderat. Häufig geht der Rückzug aus dem Berufsleben auch mit dem Rückzug aus der Kommunalpolitik einher. Wie sieht das bei Ihnen aus?

Ursprünglich hatte ich das auch so geplant. Deshalb habe ich vor zwei Jahren auch schon den Fraktionsvorsitz an Michael Zoller abgegeben. Inzwischen kann ich mir aber auch vorstellen, bei den Kommunalwahlen im kommenden Jahr noch einmal anzutreten. Etwa ein halbes Jahr bleibt mir ja noch, um mir das zu überlegen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen