Protest: Atomkraftgegner wittern Morgenluft

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Schwäbische Zeitung

Die Anti-Atom-Bewegung lebt auf. Lange nicht wurden in den Räumen des BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz) in Pfullendorf so viele Gäste bei einem Vortrag gezählt, wie am Montag. Der Kreisrat der Grünen, Wolfgang Lohmiller, hatte keinen leichten Stand an diesem Abend. Das eigentlliche Thema des referenten Gerhard Förster von der Bürgerinitiative Lüchow-Danneberg über den Widerstand gegen die Atomendlager Asse und Gorleben. Dabei stand aber immer das geplante Atommüllendlager der Schweiz in Benken im Raum. Und die Pläne am Hochrhein drei weitere Atomkraftwerke (AKW) zu bauen.

Aus der ganzen Region kamen die Zuhörer zu der gemeinsamen Veranstaltung der BUND-Ortsgruppe und der Anti-AKW-Gruppe Linzgau, die sich vor einem Jahr gebildet hat. Die Gruppe zählt „einen Kern zwischen 15 und 20 Personen aus Pfullendorf, Wald, Übrlingen, Markdorf, Salem bis Immenstaad“, erläutert Anne Waibel aus Wald gegenüber der Schwäbischen Zeitung. „Wir wollen im Hinblick auf die Laufzeit-Verlängerung der Akw’s etwas tun“. So waren Teilnehmer aus der Gruppe bei den verschiedenen Aktionen im vergangenen Jahr bundesweit mit dabei, aber ich in der Schweiz. Deutsche, Schweizer undf bei den Castor-Transporten französische Atomkraftgegener arbeiten zusammen. „Radioaktivität macht vor den Grenzen nicht halt“, sagt Waibel. Da die Schweiz am Hochrhein ihre ganzen AKWs stehen hat und bei Schaffhausen ihr Endlager in Tongestein plant, arbeiten die südbadischen und Schweizer Ant-AKW-Gruppen hier ganz eng zusammen. Und die deutschen Akw-Gegner geben Stellungnahmen ab. Wie Waibel. Am Montag hat sie frisch die Bestätigung über den Eingang ihrer Stellungnahme vom Schweizer Bundesamt für Energie erhalten (BFE). Die Entscheidung des Schweizerischen Bundesrats über das geplante Atommüllendlager in der Schweiz verläuft in mehreren Etappen, in deren Rahmen die eingegangenen Stellungnahmen geprüft werden.

„Unser Gorleben heißt Benken“, unterstreicht Waibel. So kam es auch zu dem Vortrag an diesem Abend. Durch die enge Kooperation insbesondere mit der Initiative in Singen (www.klargegenatom.de) hält an diesem Abend Gerhard Förster von der inzwischen 30 Jahre alten Bürgerinititiatve gegen das geplante deutsche Atommüllendlager in Gorleben auf dem Rückweg von drei Vortragsveranstaltungen in Benken, Engen und Singen nach Pfullendorf.

Förster beleuchtet die Gefahren der Atomenergie und die ungelöste Endlager-Frage und rekapituliert die vielen Ungereimtheiten, bei der Auswahl Gorlebens als mögliches Endlager, die gerade in den letzten Jahren bekannt geworden sind. Im Moment wird in Gorleben nicht weitergebaut, Klagen hatten Erfolg mit aufschiebender Wirkung. Dann weist Förster auf das grundlegende Problem hin: Seit 70 Jahren wird Kernernergie genutzt, kein Land hat bisher aber eine geeignete Lagerstätte für den eine Millioen jahre strahlenden Müll gefunden – egal ob Salzstock, Ton, Tuff, Granit oder was auch immer. Was ein Land weiter erkundet, verwirft das andere. Fakt ist jedoch eins: weltweit gibt es kein einziges Atomendlager. Förster: „Es wurde ein unlösbares Problem geschaffen“.

In der Diskussion verteidigt sich Grünen-Kreisrat Wolfgang Lohmiller, dass die Grünen im Regionalverband bei der Schweitzer Anhörung einer weiteren Erforschung der geplanten Endlagerung in Ton bei Benken zugestimmt haben. Das Verfahren der Schweizer sei ihnen im Vergleich zu Deutschland transparent und voller Beteiligungsmöglichkeiten erschienen, das Konzept überzeugend. „Irgendwo muss der Müll doch hin. Oder was hätten Sie getan?“, fragt er Förster. Der räumt zwar die größere Transparenz des Schweizer Verfahrens ein, legt aber den Finger aus Sicht der AKW-Gegener auf den wunden Punkt. „Mit der Zustimmung zu weitern Forschungen, liefern Sie die Begründung neue AKW’s zu bauen.denn dann heiße es, wir suchen ja die Endlagerung mit der Konsequenz, dass weiter Atommüll produziert werde. Selbst wenn Ton die bestmögliche Lagerstätte sei, wäre sie angesichts der langen Strahlendauer immer noch keine Gute.

Gleiche Formation bei Ehingen

Anne Waibel weist in der Diskussion noch auf einen lange bekannten, wegen der bisherigen Festlegung auf Gorleben aber wenig beachteten Umstand hin. Bei der Endlageroption „Ton“ liegt die in Deutschland mächtigste Opalintonschicht ganz in der Nähe: nämlich zwischen Riedlingen, Ehingen und Ulm. Das hat eine Studie zu möglichen Endlagerstätten 2006 zu Tage gebracht. Eine Standortmeldung, die seither immer wieder für Unruhe sorgt, auch wenn sie vom baden-württembergischen Umweltministerium sogleich zurückgewiesen wurde.

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