Polizeipferde fahren in Anhängern aus Pfullendorf

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Redakteur Alb/Lauchert und Pfullendorf

Sie kommen bei Fußballspielen ebenso zum Einsatz wie bei Demonstrationen und anderen Großveranstaltungen: Die 32 Pferde der Polizei in Nordrhein-Westfalen trennen und begleiten beispielsweise Randalierer, können aber auch Räume und Flächen freihalten. Transportiert werden die Tiere bald ausschließlich von speziellen Anhängern der Firma Thiel aus Pfullendorf. Diese will ihren jüngsten Großauftrag bis Mitte September abarbeiten.

Wie das Unternehmen mitteilt, hatte es bei einer Ausschreibung im April den Zuschlag für die Produktion von 16 speziellen Großraum-Pferdeanhängern aus Polyester bekommen. Das Grundmodell („Mexx“) stellt die Firma Thiel seit 2005 her, häufig kommen Sonderwünsche der Kunden hinzu. „Die Pferde der Polizei sind überdurchschnittlich groß“, sagt Thorsten Thiel, kaufmännischer Leiter des Unternehmens und Sohn des Geschäftsführers Heinz Thiel. „Deshalb bekommen ihre Anhänger zum Beispiel eine längere Trennwand als üblich.“ Spezielle Zubehörteile wie Blinklicht und polizeispezifische Beklebung verdeutlichten die Sonderstellung der Anhänger bei Dienstfahrten.

Grundsätzlich benötigt die Polizei in ihren Anhängern besonders viel Platz, weil die Pferde oft sehr schnell verladen werden müssen. Im „Mexx“, der für drei Tiere ausgerichtet ist, kann das Verladen von nur zwei Pferden dann zügiger über die Bühne gehen als bei normal großen Anhängern. Bei einer Messe in Neuss hatten sich Vertreter der Reiterstaffel die Anhänger schon einmal angesehen und die gewünschten Besonderheiten erläutert.

Ein Anhänger kostet 18 000 Euro

„Mitte Juli haben wir die ersten beiden Anhänger ausgeliefert“, sagt Thorsten Thiel. Die weiteren folgen nun immer paarweise. Bis Mitte September sollen alle 16 Anhänger – einer kostet 18 000 Euro – in Nordrhein-Westfalen angekommen sein. Es ist aber nicht das erste Mal, dass die Firma Thiel die Polizei beliefert: 2011 baute das Unternehmen für die nordrhein-westfälischen Ordnungshüter bereits zehn Polyester-Anhänger des Modells „Compact“ – mit Polizeistern, blauem Streifen und reflektierender Polizeibeschriftung. „Im März 2016 haben wir außerdem drei Pferdeanhänger an die Polizei in Niedersachsen ausgeliefert“, sagt Thorsten Thiel.

In Deutschland gibt es Reiterstaffeln in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Sachsen, Nordrhein-Westfalen und Hamburg. Die Bundespolizei unterhält außerdem eine Reiterstaffel in Berlin. Die Landesreiterstaffel in Nordrhein-Westfalen befindet sich an den Standorten Dortmund und Willich und verfügt über 32 Dienstpferde und 42 Reiter. „Dienstpferde wirken nicht nur respekteinflößend, sondern sind auch Sympathieträger auf Präsenzstreifen in der Öffentlichkeit“, schreibt die Polizei NRW auf ihrer Internetseite. Polizeidienstpferde seien besonders ausgebildet, wendig und schnell.

Anhänger werden täglich genutzt

Bis 2021 sollen alle berittenen Kräfte zu einer einzigen nordrhein-westfälischen Reiterstaffel mit Sitz im Bereich Bochum zusammengelegt werden. „Auch deshalb wollen wir uns jetzt für die Zukunft richtig aufstellen“, sagt Jürgen Leimanzik, Leiter der Führungsstelle Direktion Gefahrenabwehr/Einsatz, der die Landesreiterstaffel angehört. Zurzeit verfüge diese über 20 Pferdeanhänger. „Wenn es nur noch eine zentralisierte Reiterstaffel gibt, werden wir mit 16 Gespannen zum Transport der Pferde auskommen“, sagt Leimanzik. Wegen der überdurchschnittlichen Größe der Tiere und der damit hohen Nutzlast benötige die Polizei für sie besonders robuste Anhänger. „Diese werden bei uns schließlich auch jeden Tag bewegt.“

Die Firma Thiel wurde 1978 in Pfullendorf gegründet und baute zunächst Boote aus Polyester. Anfang der 1990er-Jahre spezialisierte sich das Unternehmen dann auf Anhänger aus dem gleichen Material. Inzwischen beschäftigt die Firma 19 Mitarbeiter: 18 in Pfullendorf und einen in einer Niederlassung in Dortmund. Diese dient vor allem als Auslieferungslager und Servicestation.

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