Poddig gibt Anleitungen zum Anders sein

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Die Idylle täuscht: Bei den Kamingesprächen des BUND mit Hanna Poddig sind knallharte Themen angesprochen worden. (Foto: Ingo Selle)
Schwäbische Zeitung
Ingo Selle

Hanna Poddig, nach eigenem Bekunden Vollzeitaktivistin in Sachen Umweltschutz, Anti-Globalisierung, Militarisierung und Autorin des Buchs „Radikal mutig. Meine Anleitung zum Anders sein“ und gern gesehener Talkshow-Gast, hat am Donnerstag bei den „Kamingesprächen“ des BUND Pfullendorf an offenen Worten nicht gegeizt.

Ihre Ausführungen, mit welchen Mitteln Bürger in Wahrnehmung ihrer grundgesetzlich verbrieften Rechte kriminalisiert werden können, erstaunten das Publikum. Poddig las dazu Passagen aus ihrem jüngsten Büchlein „Justizkritische Kurzgeschichten“ vor. Durch ihre seit Jahren andauernden Aktionen, unter anderem als Kletteraktivistin bei Robin Wood, der „gewaltfreien Aktionsgemeinschaft für Natur und Umwelt“, ist die 27-Jährige bekannt geworden.

„Ich bin Aktionärin bei Eon, wegen des Rederechts. Auf den Hauptversammlungen, aber bei Vattenfall ist das Essen besser“. Witzelnd umriss Hanna Poddig ihre spannungsgeladene Einmischung in der Strombranche. Was es denn mit ihrem Engagement für das „Containern“ auf sich habe, wollten Interessierte wissen. „Es gibt Witzigeres, als gute und essbare Lebensmittel aus Abfallkübeln zu klauben“, machte Poddig auf gravierende Probleme der Wegwerfgesellschaft aufmerksam.

„Was wollen Sie erreichen, was bewegt Sie?“, wollte eine Teilnehmerin gegen Ende der Veranstaltung von der Aktivistin wissen. „Das sind mittlerweile ganz unterschiedliche Dinge. Am Anfang hatte mich aufgeregt und bewegt, dass Leute Atommüll produzieren und dafür kein Endlager haben. Was mich an Aktionen und Protesten berührt, hat sich mittlerweile verschoben. Im letzten Jahr hat mich die Hausbesetzungsaktion von Seniorinnen und Senioren, teilweise über 60 und 70 Jahre alt, in Berlin-Pankow sehr beeindruckt. Das waren Menschen mit Tischmanieren und einem legitimen Anliegen", sagt sie. Alles andere als Linksradikale Aktivisten.

Schon vorher hatte die Autorin, zum Erstaunen und Ergrimmen ihrer Kamingäste darauf hin gewiesen, wie schnell auch Bürger mit Pass, Personalausweis und polizeilichem Führungszeugnis bei Aktionen ganz fix staatsanwaltschaftliche Ermittlungen auf sich ziehen können, wenn ihr Verhalten gegen den Gummiparagrafen des „berechtigten, öffentlichen Interesses verstößt.“ Heute erhofft sich Hanna Poddig, „dass andere Menschen sich selber etwas zutrauen.“

Sie setzt also inzwischen eher auf eine Revolution im Kleinen. Daher wohl auch ihre Mitautorenschaft bei der Zeitschrift „Graswurzelrevolution“. Freimütig bekennt Hanna Poddig: „Ich habe nicht das eine, große Bild von einer Welt vor Augen, wie ich sie mir wünsche. Das Menschen sich trauen, Fragen zu stellen, Debatten führen und sich wieder an einen Tisch setzen, halte ich für ganz wichtig“, sagt sie.

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