Pfullendorferin startet für Tonga

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Makeleta Stephan bereitet sich auf der Bergwald-Loipe bei Pfullendorf auf die Nordische Ski-Weltmeisterschaft im schwedischen Fa
Makeleta Stephan bereitet sich auf der Bergwald-Loipe bei Pfullendorf auf die Nordische Ski-Weltmeisterschaft im schwedischen Fa (Foto: Jacob)
Schwäbische Zeitung
Sportredakteur

Der Wintersportleidenschaft Ihrer königlichen Hoheit Prinzessin Salote Mafile'o Pilolevu Tuita sei Dank: Erstmals in der Geschichte des Skisports wird mit der in Pfullendorf-Großstadelhofen lebenden Makeleta Stephan eine Tongaerin an einer Nordischen Skiweltmeisterschaft teilnehmen.

Was ein wenig wie ein verfrühter Aprilscherz klingt, ist sportliche Realität: Die 36-jährige Polynesierin wird bei der WM im schwedischen Falun (18. Februar bis 1. März) am 19. Februar um 13.30 Uhr in der Qualifikation über die 1,2 Kilometer Sprintstrecke im klassischen Laufstil an den Start gehen.

Der Königliche Skiverband Tonga wurde auf Initiative von Prinzessin Salote gerade erst im vergangenen Herbst ins Leben gerufen und am 2. Oktober 2014 vom Internationalen Ski-Verband (FIS) offiziell anerkannt. Damit nahmen die Dinge ihren Lauf für Makelata Stephan, die seit 14 Jahren in Deutschland lebt, seit zwei Jahren, der Liebe wegen, nunmehr in Großstadelhofen. Die Tongaerin, die am 17. Januar, also vor rund zweieinhalb Wochen, zum ersten Mal in ihrem Leben auf Skiern stand, erhielt einen Anruf von einer befreundeten Landsmännin aus Stuttgart, mit der sie in den Vorjahren mehrmals in leichtatletischen Ausdauerwettbewerben gestartet war. „Meine Bekannte erzählte mir, dass der Skiverband Tonga Athleten sucht, die bei den Olympischen Spielen 2018 in Südkorea starten.“ Schnell war der Kontakt hergestellt, schnell stand der Entschluss fest, die Nominierung auch. Stephan: „Ich habe sofort Ja gesagt.“

Optimale Trainingsbedingungen

Der Münchener Skilehrer Steve Grundmann, eine Art „Exotik-Beauftragter“ der FIS, der im vergangenen Jahr den Skiverband Togo gegründet hatte, stand und steht der Pfullendorferin nun als Berater zur Seite. „Von ihm kam dann der Gedanke, bereits in diesem Winter in Falun zu starten“, sagt Makeleta Stephan. Gesagt, getan. Und die Götter des weißen Sports scheinen tatsächlich vollkommen mit ihr zu sein: „Zum Glück ist jetzt so richtig viel Schnee gefallen. Sonst könnte ich ja gar nicht trainieren!“, lacht Stephan, die die Kosten für das WM-Abenteuer, abgesehen von der Ausrüstung, die ein Sponsor stellt, selbst trägt.

Im Eilverfahren absolviert sie derzeit Tag für Tag nach Feierabend ihre Übungseinheiten-Einheiten, hauptberuflich arbeitet die Sportlerin im Catering der Firma Kramer.

Auch ein Trainergespann hat sie in der Kürze der Zeit gefunden: Als sich Stephan und ihr Lebensgefährten Gerold Schellinger mit dem DAV Pfullendorf zu einem Skiwochenende in Au/Bregenzerwald aufmachte, lernten sie dabei das Pfullendorfer Ehepaar Sandra und Thomas Jacob kennen, beide Inhaber von Ski Nordisch-Lehrer-Lizenzen des Deutschen Skiverbands (DSV). Obwohl er keine Akkreditierung für Falun mehr ergattern konnte, arbeitet Thomas Jacob mit der Athletin nun in jeder freien Minute auf die WM hin, meist auf der Bergwald-Loipe bei Pfullendorf. „Technische Grundlagen müssen wir schaffen“, sagt der Coach. Denn so richtig sicher steht Makeleta Stephan natürlich noch nicht auf den schmalen Latten. Dass sie in Falun über die Qualifikation ins Hauptfeld einzieht, erwartet jedoch niemand von ihr. Auch Tongas Ski-Verband nicht: „Die haben nur gesagt: Mach’ halt mal.“ Ihr gehe es einfach darum, „Spaß zu haben und mein Land zu repräsentieren.“

Dies übrigens nicht nur auf der Piste: Als einzige Starterin ihrer Heimat wird sie die Fahne ihres Landes bei der Eröffnung vor einem Millionenpublikum an den TV-Bildschirmen ins Skistadion Faluns tragen. Makeleta Stephan sagt dazu nur: „Ich freue mich einfach riesig.“

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