Michael Fitz macht sich musikalische Gedanken über die Welt

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 Michael Fitz spielt im Café Moccafloor.
Michael Fitz spielt im Café Moccafloor. (Foto: Cäcilie Krönert)
Cäcilia Krönert

„Ich habe heute schon ein Déjà-vu gehabt, hier war ich schon mal, das merkt man sich einfach“, hat Michael Fitz zu seinen in großer Zahl erschienenen Gästen am Samstagabend im Café Moccafloor gesagt. „Ich bin in den Bogen gefahren, der in die Altstadt führt in Richtung Hotel und schlagartig wußte ich, hier war ich schon mal“, erklärte der Liedermacher und Schauspieler seinem Publikum gleich zur Begrüßung.

Mit diesem Satz war Fitz, der bereits in der Umgebung schon Auftritte hatte, gleich bei seinem Publikum angekommen. Alles fühlte sich gleich locker und vertraut an, bemerkte der gebürtige Bayer. Fitz, der am Mittwoch seinen 60. Geburtstag feiert, bemerkte, dass es gar nicht so einfach sei, den richtigen Weg zu finden. Und schon befand sich jeder Zuhörer mitten drin im Programm des Geschichtenerzählers.

Das Navi habe bereits den Geist aufgegeben und führe einen nur noch im Kreis herum. Wenn man Glück habe, komme man als Herumirrender nach etlichen Staus und Umleitungen an einen niederbayrischen Hof, bei dem Fitz selbst unter Umständen die Tür öffne. „Und das, was ich Ihnen dann sage, das singe ich jetzt, das Lied heißt der Besuch“, führte Fitz weiter aus. Der eher nachdenkliche Künstler nahm sein Publikum mit auf eine Reise in seine Gedanken. „Mach einen Bogen um den Dreck, den mach ich gleich nachher weg“, sang er und bezeichnete sich als Hasenfuß, der, wie viele andere Menschen auch, nie sein Gehirn abstellen kann und sich über alles seine Gedanken macht und in seine Lieder einarbeitet.

Fitz gab zu bedenken, dass es in der Zeit von Instagram und Co. alles, was zu sagen wäre, elektronisch möglich sei. Hätte jeder die Kontakte als realen Besuch, hätte wohl jeder den ganzen Tag lang ein volles Haus, ein unheimlicher Gedanke.

Überhaupt stellte Michael Fitz viele verschiedene Überlegungen an, jeder müsste an der Selbstoptimierung arbeiten, ist das Glas gerade halbvoll oder schon halbleer, was macht die eigene Beziehung und was entscheidet der Homo Sapiens im Allgemeinen mit seiner angeborenen Ambivalenz, fragte sich der Künstler, der vielen Zuschauern noch als Carlo im Münchner Tatort im Sinn war. Der geborene Münchner ist mit Herzblut bei der Sache, egal ob als Darsteller im Fernsehen oder live auf der Bühne, davon konnte sich jeder am Samstagabend im voll besetzten, gemütlichen Pfullendorfer Altstadt Café selbst ein Bild machen.

Fitz stammt aus der bekannten, gleichnamigen Münchner Künstlerfamilie, ist Sohn des Volksschauspielers Gerd Fitz und mit Lisa Fitz, Veronika Fitz, Ariela Bogenberger und Florian David Fitz verwandt. Ganz in schwarz saß er auf seinem abgenutzten Barhocker, fünf akustische Gitarren neben sich, die er meisterhaft beherrschte, mit seinen Händen wild herum gestikulierend und sich hin und wieder durch das länger gewordene, ergraute Haar fahrend. Er erzählte über Gott und die Welt, Kindheits- und Familienerinnerungen, Beziehungskisten und das täglich grüßende Drama um das allseits beliebte, überall gegenwärtige Smartphone. Sehr hintergründig, verwirrend, angstbehaftet erzählte der Liedermacher vom Gefangensein in sich selbst und dem Wunsch, daraus auszubrechen, anders zu sein.

Konzert oder Therapiestunde?

In seinen Texten beschreibt er sich unter anderem als Hasenfuß, als dummer Hund, der sich auf der Stelle dreht, während er bereits am Fallschirm seines Schleudersitzes hängt. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass ein Zuhörer in den Raum brüllte, ob es nun ein Konzert oder eine Therapiestunde sei. Das stimmte Fitz wohl nachdenklich und er baute den Vorfall in sein Programm ein.

Doch der fast Sechzigjährige kann auch anders. In der zweiten Hälfte seiner weltkritischen Liederstunde entlockte der bayrische Barde seinem dargebotenen Repertoire auch sanfte Töne. Sein Liebeslied mit dem einsilbigen Namen „Heit“ lud zum Träumen ein. Mit dem virtuellen Starterpaket „Zeit“ im weltbewegenden Format und einem seiner Feder ebenfalls entsprungenen Song „Ruhe“ setzte Fitz Akzente. Bereits seit seinem 14. Lebensjahr macht der Träger des Deutschen Fernsehpreises Musik, damals in einer Band. 14 CDs veröffentlichte der Sänger und Hörbuchsprecher bereits. Seit 1977 steht Fitz vor der Kamera, berühmt wurde er als Kriminaloberkommissar Carlo Menzinger in der ARD-Krimireihe. Es war ein Stück in eigener Sache, welches der Sänger in seiner eingeforderten Zugabe kundtat. Eigentlich ging es immer in der Hauptsache um ihn in seinem zweieinhalbstündigen Konzert. „Von jetzt auf gestern, des bin i“, sang der Künstler mit seinem ganz besonderen Charme, trotz oder gerade wegen der schweren Kost in seiner Poesie.

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