Michael Albus und Arnold Stadler liefern sich eine kontroverse Debatte

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 Arnold Stadler (links) spricht im kurzweiligen Disput mit Michael Albus nicht nur über das Glück, sondern gewährt auch so manch
Arnold Stadler (links) spricht im kurzweiligen Disput mit Michael Albus nicht nur über das Glück, sondern gewährt auch so manchen Einblick in sein Denken. (Foto: Anthia Schmitt)
Anthia Schmitt

Was ist Glück? Mit dieser Frage haben sich Michael Albus und Arnold Stadler in einem zweitägigen konzentrierten Gespräch beschäftigt. Nicht immer waren sich der Theologe und hochdekorierte Schriftsteller Stadler und Albus, der Fernsehjournalist, Autor und Theologe, einig – aber heraus kam ein Buch, in dem Albus „mal hinter den Stadler“ kommt. Am Donnerstagabend stellten die beiden ihre „dialogische Biografie“ aus Frage, Antwort und Disput in der Linzgau-Buchhandlung in Pfullendorf vor.

Druckfrisch holte Inhaber Michael Schlageter das Buch, das jetzt zur Frankfurter Buchmesse erschien, und die beiden Autoren in seine Buchhandlung. Mehr als 100 Gäste wollten sich diesen literarischen Genuss nicht entgehen lassen und saßen dicht gedrängt auf allem, was sich halbwegs zum Sitzen eignete.

Eine fast philosophische Debatte

Die Zuhörer erlebten einen Abend, der ihnen Arnold Stadler, den international renommierten Schriftsteller aus dem Nachbardorf Rast, als Menschen und Denker näher brachte. Sie erlebten aber auch eine kurzweilige, fast philosophische und durchaus kontroverse Debatte zweier Männer, deren Sprache schon allein das Zuhören wert war.

Michael Albus und Arnold Stadler setzten im Buchladen ihr Gespräch fort, das sie im Frühjahr in Freiburg geführt hatten. Wer das Buch noch nicht gelesen hatte, erfuhr, dass Johann Sebastian Bach Stadlers Lieblingskomponist ist, dass Julien Green zu seinen Lieblingsschriftstellern gehört und dass er als „uneigentlicher Vegetarier“ einem Wurstsalat nicht widerstehen kann – besonders, wenn er in Krumbach serviert wird.

Einen Friedwald findet Stadler „scheußlich“, weil es für ihn heidnisch ist, „wenn die Menschen bei einer Beerdigung um einen Baum herumstehen“. Er glaubt nicht an die Wiedergeburt, aber an die Auferstehung, und Heimat ist für ihn in seiner schwäbisch-alemannischen Sprache der Hof, von dem man stammt. Auf jeden Fall nicht Deutschland und nicht Hochdeutsch. „Heimat ist die Erfahrung des Heimwehs“, sagte Stadler. „Für mich ist auch der Glaube etwas wie Heimat.“

Eine klare Meinung hat der Schriftsteller zu Autoren, die sagen, ihr Buch habe nichts mit ihnen zu tun. „Sie lügen alle, denn man muss eine Erfahrung haben, um zu schreiben“, sagte Arnold Stadler. Es müsse nicht die eigene Erfahrung sein, aber: „Man erfährt in meinen Büchern etwas von der Welt, in der ich lebe.“ Als Beispiel las er die Geschichte „Die schönste Richtung ist die Himmelsrichtung“: eine Geschichte über eine lange zurückliegende Beerdigung in Kreenheinstetten, die auch im Buch erzählt wird.

Natürlich sprachen die beiden auch über das Glück. Das Glück sei etwas Augenblickhaftes. Bis man es wisse, sei es schon wieder vorbei, sagte Arnold Stadler. Man müsse es erlebt haben, um zu sagen, jetzt gerade sei man glücklich gewesen. Das Glück sei universal und individuell. Der einzelne Mensch müsse selbst wissen, was für ihn Glück ist. Für die Zukunft bedeute es Sehnsucht und für die Vergangenheit Heimweh.

Stadler: Glück ist immer ernst

„Glück ist nie mit Gelächter verbunden, Glück ist immer ernst“, sagte Arnold Stadler. „Wer das Glück erfahren will, muss auch das Unglück kennen.“ Zwar denke man bei dem Begriff Glück meistens an Liebesglück, aber auch der andächtige und erwartungsvolle Moment, wenn das Essen serviert wird, sei Glück.

Das Publikum, das ansonsten mucksmäuschenstill war, quittierte den Disput der beiden mit spontanem Beifall, wenn ein Gedanke den eigenen Geschmack traf – und mit Gelächter, wenn Arnold Stadler wieder einmal Michael Albus widersprechend ins Wort fiel und der entnervt die Augen verdrehte oder der brillante Sprachwitz der beiden gar keine andere Wahl ließ. Am Ende gab’s lang anhaltenden Applaus und jede Menge Zuhörer, die sich spontan zum Kauf des Buchs entschieden, um es gleich signieren zu lassen.

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