Marktführer Nobilia übernimmt Alno-Tochter Pino

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Schublade einer Pino-Küche: Rückwirkend zum 1. Oktober gehört der Hersteller von Billig-Küchen nicht mehr zu Alno, sondern zum
Schublade einer Pino-Küche: Rückwirkend zum 1. Oktober gehört der Hersteller von Billig-Küchen nicht mehr zu Alno, sondern zum deutschen Branchenprimus Nobilia. (Foto: Thomas Warnack)
Ressortleiter Wirtschaft

Es könnte ein Schritt sein, mit dem der insolvente Küchenbauer Alno ein Stück weiter aus der Krise kommt, um das drohende vollständige Aus am Ende doch zu verhindern: Nachdem Insolvenzverwalter Martin Hörmann es in der vergangenen Woche geschafft hat, für das Traditionsunternehmen aus Pfullendorf ein Notdarlehen auszuhandeln, hat er nun einen Käufer für die Tochter Pino gefunden.

Nach Informationen der „Schwäbischen Zeitung“ aus Unternehmenskreisen kauft der Marktführer Nobilia aus dem nordrhein-westfälischen Verl das zur Alno-Gruppe gehörende Unternehmen in Coswig (Sachsen-Anhalt). Die Mitarbeiter sollen am Mittwoch bei einer Betriebsversammlung über den Schritt informiert werden, die 230 Mitarbeiter von Pino werden per Video zu dem Treffen zugeschaltet. Der Sprecher des Insolvenzverwalters wollte den Kauf weder bestätigen, noch dementieren. „Kein Kommentar“, sagte Pietro Nuvoloni.

Der Gläubigerausschuss von Alno hatte am späten Sonntagabend dem Kaufangebot von Nobilia für Pino zugestimmt. Der Verkauf soll in Form einer sanierenden Übertragung, also einer schuldenfreien Übernahme, vonstatten gehen. Noch steht die Transaktion unter dem Vorbehalt, dass die Kartellbehörden zustimmen. Nobilia wird den Geschäftsbetrieb, die Markenrechte und alle Mitarbeiter wohl rückwirkend zum 1. Oktober übernehmen.

„Das Team von Martin Hörmann arbeitet fieberhaft an einer Lösung für die gesamte Alno-Gruppe, um eine Liquidation zu verhindern“, erklärte Nuvoloni. „Wir wollen möglichst viele Arbeitsplätze erhalten. Das Angebot für Pino und das Darlehen von vergangener Woche sind positive Zeichen.“ Der Insolvenzverwalter erwarte in den kommenden Tagen weitere Gebote von Investoren.

Kaufpreis unklar

Pino verfügt in Sachsen-Anhalt über ein Montagewerke und baut mit angelieferten Teilen vor allem Küchen im Billigsegment zusammen, die zumeist in Baumärkten verkauft werden. Im Gegensatz dazu bietet Alno teurere Edelküchen an. Bei dem Unternehmen lief es in den vergangenen Monaten deutlich besser als im Mutterkonzern, auch wenn die Produktion in Coswig genauso wie in Pfullendorf und bei der zweiten Alno-Tochter Wellmann in Enger (Nordrhein-Westfalen) zuletzt still stand. Branchenexperten gehen davon aus, die Pino zu den attraktivsten Teilen der Alno-Gruppe gehört.

Was Nobilia für das Unternehmen gezahlt hat, ist unklar. Das Unternehmen war am Dienstag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Bereits in den vergangenen Wochen hatten die Nordrhein-Westfalen in Pfullendorf eine Außenstelle eingerichtet, um dort frühere Angestellte von Alno anzustellen. Die Mitarbeiter sollen Aufgaben in der Auftragsbearbeitung übernehmen.

Alno und kurze Zeit später auch seine Töchter Pino und Wellmann hatten im Juli Insolvenz angemeldet. Seit Wochen sucht Insolvenzverwalter Hörmann verzweifelt nach einem Käufer für das vor dem Ruin stehende Unternehmen. Nach dem Verkauf von Pino stehen nun noch die Mutter Alno, die Tochter Wellmann und ein Logistik-Unternehmen zum Verkauf.

Das Amtsgericht Hechingen hat am Montag das Insolvenzverfahren eingeleitet. Das Insolvenzgeld der Agentur für Arbeit, mit dem Alno zuletzt die Löhne und Gehälter der insgesamt 1600 Mitarbeiter der Unternehmensgruppe bezahlt hat, ist am Samstag ausgelaufen. Im Oktober muss Alno nun wieder selbst für die Auszahlung sorgen, die vorerst gesichert ist, nachdem Alno in der vergangenen Woche in höchster Not ein Massedarlehen in Höhe von sechs Millionen Euro erhalten hatte.

Darlehen über drei Millionen Euro 

Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) hat die britische Investmentgesellschaft Riverrock, an der unter anderem der bekannte deutsche Unternehmensberater Roland Berger beteiligt ist, das Darlehen dem oberschwäbischen Unternehmen gewährt.

Die Zeitung schreibt weiter, dass Riverrock zudem eine Massedarlehen des Alno-Haupteigners Tahoe über drei Millionen Euro und ein Massedarlehen über zehn Millionen der Beteiligungsgesellschaft Robus Capital ablösen will. Als Sicherheiten sollen ein Grundstück in Coswig sowie Produktionsanlagen von Alno und Wellmann in Pfullendorf und Enger dienen. Riverrock habe sich nicht zu dem Engagement geäußert, was die Briten mit Alno Vorhaben, sei unklar.

Zudem schreibt die FAZ über Gerüchte, nach denen sich ein im Immobiliengeschäft tätiger Investor für Alno interessiere, der Wohnungen in China mit deutschen Küchen ausstatten will. Insolvenzverwalter Martin Hörmann wollte weder den Einstieg von Riverrock, noch die Gerüchte um den chinesischen Investor kommentieren.

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