Geflügelhof erhält Tierschutzpreis

Das Land Baden-Württemberg hat den Geflügelhof von Sheila und Josef Heinzler in Pfullendorf-Großstadelhofen mit dem Tierschutzpreis ausgezeichnet. Lob gibt es nicht nur für die große Auslauffläche, sondern auch für die idealen Lebensbedingungen der Tiere durch das Pflanzen von Holunderpflanzen.

Schwäbische Zeitung
Redakteur Alb/Lauchert und Pfullendorf

Wenn selbst eine überzeugte Veganerin voll des Lobes für einen Geflügelhof ist, dann will das schon etwas heißen. Doch nicht nur dieses Mitglied einer Expertengruppe ist überzeugt davon, dass der Betrieb von Josef und Sheila Heinzler etwas Besonders ist. Vor Kurzem wurden die Lebensbedingungen der Puten und Weidegänse im Pfullendorfer Ortsteil Großstadelhofen mit dem Tierschutzpreis des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. „Das hätten wir als durchschnittlich großer Betrieb in der Landwirtschaft nicht erwartet“, sagt Josef Heinzler.

Der 37-Jährige hätte eher damit gerechnet, dass die Chancen für kleinere Betriebe besser stehen. Doch einmal mehr zeigt sich auch für Josef Heinzler, dass es nicht auf Quantität, sondern auf Qualität ankommt. Diese Erfahrung hatte er vor gut sieben Jahren schon einmal gemacht. „Damals sind die Preise für Putenfleisch extrem gefallen“, sagt Heinzler. Das habe viele Fleischproduzenten ratlos zurückgelassen. „Die meisten haben versucht, den wirtschaftlichen Schaden durch die Haltung von immer mehr Tieren aufzufangen – aber das wollten wir nicht.“

Dreimal so viel Platz wie üblich

Stattdessen entschlossen sich die Heinzlers im Jahr 2010 dazu, auf Bio-Haltung umzustellen. Damit erzielen sie nicht nur höhere Preise, sondern tun auch den Tieren etwas Gutes. Die Puten bekommen nicht nur spezielles Bio-Futter, sondern haben auch deutlich mehr Auslauffläche – „etwa dreimal so viel wie bei der konventionellen Haltung“, sagt Sheila Heinzler. Anders als in der konventionellen Haltung werden den Puten auch nicht die Schnäbel gekürzt.

Von heute auf morgen ging die Umstellung auf Bio-Haltung allerdings nicht vonstatten. Sie kostete nicht nur Zeit, sondern auch Geld. „Wir haben an den Stall zum Beispiel einen sogenannten Außenklimabereich angebaut“, sagt Josef Heinzler. „Auf diese Weise sind die Puten geschützt, können aber trotzdem frische Luft schnappen.

Alle acht Wochen bringt eine norddeutsche Brüterei 3000 bis 4000 frisch geschlüpfte Küken nach Großstadelhofen. Dort kommen sie zunächst für sechs Wochen in einen besonders warmen Stall, anschließend ziehen sie in die Mastställe um. Aus diesen wiederum können die Tiere jederzeit ins Freie. Geschlachtet werden die Puten, wenn sie 20 bis 25 Wochen alt sind und bis zu zwölf Kilogramm wiegen. „Danach würden sie nur noch mehr Fett ansetzen“, erklärt Josef Heinzler.

Damit die insgesamt rund 7000 Tiere auch draußen geschützt sind, begannen die Heinzlers vor fünf Jahren damit, Holunderpflanzen zu setzen. Von diesem Kulturholunder profitieren die Puten doppelt. „Zum einen dient er als Schutz vor Greifvögeln, zum anderen als Schutz vor Sonne“, sagt Josef Heinzler. Doch nicht nur die Tiere, sondern auch die Betreiber des Geflügelhofs haben etwas von den Holunderpflanzen: Seit zwei Jahren verarbeiten sie die Beeren, beispielsweise zu Sirup, Saft und Seccos.

Pro Jahr 700 Weihnachtsgänse

Ihr Putenfleisch verkaufen Sheila und Josef Heinzler vor allem an die Lebensmittelkette Feneberg. Diese hat ihren Hauptsitz in Kempten im Allgäu und betreibt Geschäfte insbesondere im Allgäu, in Oberschwaben und in Oberbayern. Produkte aus Großstadelhofen gibt es aber auch in den „Denn’s“-Biomärkten. Nicht nur Puten gibt es auf dem Hof der Heinzlers: Jedes Jahr im Juni kommen rund 700 Gänse hinzu, die vor Weihnachten geschlachtet werden.

Im Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Stuttgart kam das Konzept von Sheila und Josef Heinzler besonders gut an. Deshalb wurde dem Betrieb der Tierschutzpreis 2017 verliehen. „Die Putenhaltung orientiert sich weitgehend an den ursprünglichen Verhaltensweisen und Lebensbedingungen von Freilandputen“, heißt es in der Begründung. „Der sandige Boden dient der Gefiederpflege, der Holunderstrauch als Schattenplatz sowie dem Schutz vor natürlichen Feinden.“ Mit dem Einsatz für eine besonders tiergerechte Haltung habe sich der Geflügelhof um den Tierschutz in Baden-Württemberg verdient gemacht, sagte Minister Peter Hauk anlässlich der Preisverleihung.

Ein Video vom Geflügelhof Heinzler gibt es im Internet zu sehen:

www.schwäbische.de/tierschutzpreis-pfullendorf

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