Linzgau Theater strapaziert die Lachmuskeln

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Irma (Alexandra Roth) ist entsetzt. Nach einer fröhlichen Weinprobe findet sie ihren Liebhaber Hubert (Raimund Lohr-Hofmann, li
Irma (Alexandra Roth) ist entsetzt. Nach einer fröhlichen Weinprobe findet sie ihren Liebhaber Hubert (Raimund Lohr-Hofmann, links) und ihren Mann Fritz (Erich Koch) in trunkener Zweisamkeit vor. (Foto: Anthia Schmitt)
Schwäbische Zeitung
Anthia Schmitt

Auch wenn mit dem Einbruch bei der Bäckerei Schwägler in Denkingen, bei dem der Dieb die im Vorverkauf eingenommenen Eintrittsgelder mitgenommen hat, ein kleiner Schatten auf die diesjährige Theatersaison fällt, haben die Akteure des Linzgau Theaters doch nichts von ihrem Humor und ihrer Spielleidenschaft eingebüßt. Mit dem Schwank „Meine Frau macht Karriere“ aus der Feder von Erich Koch, Leiter, Regisseur und Schauspieler des seit über zehn Jahren beliebten Pfullendorfer Laientheaters, trafen sie wieder einmal voll den Geschmack des Publikums.

Drei Stunden war das restlos ausverkaufte Otterswanger Dorfgemeinschaftshaus bei der Premiere am Freitag von herzhaftem Lachen, fröhlichem Kichern oder zumindest vergnügtem Grinsen erfüllt. Nicht mehr und nicht weniger will das Linzgau Theater: Das Publikum soll sich amüsieren. Dazu darf es auch im aktuellen Stück auf der Bühne optisch und sprachlich durchaus ein bisschen derber zugehen. Küsse kreuz und quer, Trinkszenen und kess provozierende Sprüche wie „Männer über 60 gehören weggeschlossen“ reihen sich in fröhlichem Wechsel mit eindeutigen Zweideutigkeiten wie „auch eine alte Biene braucht noch Honig“ aneinander wie Perlen auf der Schnur. Ein einfallsreiches Bühnenbild, viel Spielwitz und das Talent aller Schauspieler erwiesen sich als hervorragende Zutaten für einen unterhaltsamen Abend. Selbst die kleinsten Szenen waren ein Frontalangriff auf die Lachmuskeln.

Talentierte neue Akteure

Klopapierfabrikant Fritz, professionell gespielt von Erich Koch, plant ein intimes Wochenende mit seiner Sekretärin Lilli (hinreißend sexy: die neue Akteurin Jolanta Bosch). Seine Frau Irma (Alexandra Roth, ebenfalls neu und perfekt ins Ensemble passend), die selbst ein Techtelmechtel mit dem kunterbunten und kussfreudigen Weinhändler Hubert (an Situationskomik kaum zu übertreffen: Raimund Lohr-Hofmann) hat, kommt ihm auf die Schliche. Gemeinsam mit ihrer Mutter Trude (eine Komödiantin par excellence: Angela Neubauer), die ihren bettnässenden Gatten kurzerhand im Pflegeheim abgegeben hat, sinnt sie auf Rache.

Irma, die von der grauen Maus zur schicken Managerin mutiert, will nämlich selbst Karriere machen und Fritz soll sich um den Haushalt kümmern. Irmas Freundin Dora (ausdrucksstark: Andrea Hahn) träumt zwar von einem Mann aus der Upper Class, muss aber letzten Endes doch einsehen, dass ihr Mann Uwe (mit hinreißend trockenem Humor in Frauenkleidern: Jürgen Ebert) der Richtige ist. Als schließlich die hochschwangere Tochter Maria (ebenfalls Jolanta Bosch) nach Hause zurückkehrt, gerät Fritz‘ Welt vollends aus den Fugen. Er soll nicht nur kochen und putzen, sondern auch einen Stillbüstenhalter kaufen.

„Ich bin doch auch nur ein Mann“, winselte er am Ende bei Irma um Vergebung, bevor sich das Publikum mit kräftigem und lang anhaltendem Applaus für einen zwar nicht unbedingt intellektuell anspruchsvollen, dafür aber durch und durch amüsanten Abend bedankte. Trotz des Diebstahls in Denkingen spielt das Linzgau Theater übrigens für einen guten Zweck. Was nach Abzug aller Kosten an Geld übrig bleibt, erhält die Pfullendorfer Bürgerstiftung als Spende.

Weitere Aufführungen des Stücks „Meine Frau macht Karriere“ finden am Freitag, 20. April, und Samstag, 21. April, jeweils um 19.30 Uhr sowie am Sonntag, 22. April, um 16 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Otterswang statt. Einlass ist jeweils 90 Minuten vor Spielbeginn. Vor der Veranstaltung und in den beiden Pausen wird bewirtet. Karten gibt es im Vorverkauf zu acht Euro beim Bürgerbüro am Marktplatz, bei der Sparkasse Pfullendorf-Meßkirch, bei der Bäckerei Schwägler und beim Otterswanger Ortsvorsteher Siegbert Krall sowie für zehn Euro an der Abendkasse.

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