Landrat Gaerte begründet Umbenennung in Staufer-Kaserne

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Schwäbische Zeitung

Als Landrat Dirk Gaerte hinter dem Rednerpult den Namen zum ersten Mal in den Mund nimmt, geht ein Raunen durch die Reihen: „Staufer-Kaserne“, zischt es verächtlich im Zuschauerzelt. Offenbar haben sich noch nicht alle Gäste mit der umstrittenen Umbenennung arrangiert. Der neue Name mag zwar nicht wie der alte in Stein gemeißelt sein; stattdessen trägt ihn nun eine bronzefarbene Metallplatte. Höchstoffiziell ist nun die Umbenennung von Generaloberst-von-Fritsch-Kaserne in Staufer-Kaserne dennoch: Mit Pauken und Trompeten des bayerischen Gebirgsmusikkorps enthüllten Oberst Thomas Schmidt und Landrat Dirk Gaerte am Mittwochnachmittag die neue Namenstafel.

„Vier Fliegen mit einer Klappe“ wollte der Kommandeur des Ausbildungszentrums Spezielle Operationen, Oberst Schmidt, mit dem Jahresabschlussappell schlagen: Zunächst musste der eigentliche Appell abgehalten und im Anschluss die Kaserne umbenannt werden. Schließlich warteten noch rund 30 Rekruten der Spezialausbildungskompanie 209 auf ihr Gelöbnis und – viertens – Glühwein und Schupfnudeln im weihnachtlichen Winterdorf auf die vielen Gäste, darunter Schmidts Vorgänger Peter Seidenspinner und Oberst Kuhn, Kommandeur des Landeskommando Baden-Württemberg. Nach dem Einmarsch auf den Appellplatz schwärmte Oberst Schmidt erneut von den Synergien der Pfullendorfer „Ausbildungsdrehscheibe“ zwischen den Bundeswehr-Standorten Laupheim, Calw und Stetten. Ins neue Jahr blickte er – trotz Personalabbau – optimistisch: „2014 werden wir die Weichen für die Zukunft stellen“, sagte er.

Landrat Gaerte wiederum fiel die undankbare Aufgabe zu, die bereits im Oktober beschlossene Umbenennung zu begründen. Dirk Gaerte war selbst vor Jahren in der Pfullendorfer Kaserne stationiert. Hier leistete er seinen Grundwehrdienst im Artillerieregiment 10 ab. Das ist – genau wie der Kasernenname – inzwischen Geschichte. Die Umbenennung hingegen weise nun laut Gaerte in die Zukunft. „Die Staufer-Kaiser prägten die Geschichte der Stadt Pfullendorf wie kein anderes Adelsgeschlecht“, so Gaerte. Die Frage, inwiefern die „Wahrung von Freiheit und Demokratie“, laut Gaerte die originäre Aufgabe der Bundeswehr, mit einem schwäbischen Adelsgeschlecht, das bekanntlich mit beidem wenig am Hut hatte, in Verbindung steht – diese Frage konnte selbst der Landrat nicht beantworten.

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