Kurios: Pfullendorfer zieht ins eigene Gefängnis

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Freiwillig ins Gefängnis – für Gilbert El-Haj geht damit ein Traum in Erfüllung. Noch in diesem Jahr soll es soweit sein. Allerdings ohne Wärter, feste Besuchszeiten und Lärm aus anderen Zellen. Denn der Pfullendorfer Unternehmer zieht nicht in irgendein Gefängnis, sondern in sein eigenes. Dieses hat er seit 2014 aufwändig und unter den strengen Auflagen des Denkmalschutzes sanieren lassen. Das Ergebnis ist spektakulär.

Errichtet wurde das Gebäude, das bis in die 1980er-Jahre als Gefängnis genutzt wurde, 1895 und 1896. Gilbert El-Hajs Ziel war es von Anfang an, das Haus möglichst originalgetreu wiederherzustellen. So schreiben es die Behörden auch vor. In der Praxis bedeutet das erhebliche Einschränkungen der Bauarbeiten. So durften zum Beispiel die Gitter vor den Fenstern nicht ausgebaut werden. „Deshalb musste der Bauschutt mehr oder weniger von Hand herausgetragen werden“, sagt Gilbert El-Haj. Das habe die Arbeit nicht nur mühsamer, sondern auch deutlich teurer gemacht als üblich. Und wie bei so alten Gebäuden üblich, kam einiges zusammen: 90 Container mit jeweils zehn Tonnen Bauschutt mussten entsorgt werden.

Schwierig gestaltete sich auch der Einbau eines Aufzugs. Wegen des Denkmalschutzes durfte dieser nicht außen am Gebäude installiert werden. Stattdessen befindet er sich jetzt innen. „Nachdem der Schacht vorbereitet wurde, musste der Aufzug mit einem Kran hineingehoben werden“, sagt Gilbert El-Haj. Damit nichts schief geht, begleitete ein Statiker sämtliche Bauarbeiten.

Die Liste der Dinge, die erledigt werden mussten, ist lang: So ließ der neue Eigentümer etwa Zwischenböden entfernen, die für die Nutzung des Gebäudes als Seminarhotel für EDV-Schulungen eingebaut worden waren. Die eigentlichen Böden wurden dann für den Einbau einer Fußbodenheizung vorbereitet. Jede Etage wurde mit einer eigenen Heizung und sanitären Anlagen ausgestattet. Die Elektro-Installation wurde erneuert, die Wände bekamen neuen Putz und eine neue Isolierung. Bei insgesamt knapp 900 Quadratmetern Wohnfläche – verteilt auf ein Untergeschoss, ein Erdgeschoss, zwei Obergeschosse und ein Dachgeschoss – gab es also einiges zu tun.

Atemberaubend ist die Gestaltung des Dachgeschosses. Ein Teil des Daches wurde neu gedeckt, ein anderer Teil durch ein Glasdach ersetzt. Dieses lässt sich bei Bedarf öffnen. Von den Dachfenstern aus eröffnet sich ein Blick über Pfullendorf. Unterstützt wurde Gilbert El-Haj bei seinen Plänen vom Architekturbüro Dorn aus Mengen, das zum Beispiel auch an der Sanierung des Schlosses in Meßkirch beteiligt war.

Neues Entwässerungssystem

Das eiserne Tor in den ehemaligen Gefängnismauern wurde erneuert, im Sommer steht noch die Sanierung des Innenhofes auf dem Plan – inklusive neuem Entwässerungssystem, damit in das rundum erneuerte Gebäude keine Feuchtigkeit eindringen kann. „Wir wollen mit den restlichen Arbeiten bis Ende des Jahres fertig werden“, sagt Gilbert El-Haj. Dann wolle er einziehen, möglicherweise auch schon etwas früher.

Wohnen werden El-Haj und seine Frau im zweiten Obergeschoss und im Dachgeschoss. Im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss sollen wertvolle Antiquitäten ausgestellt werden. Diese hat der Inhaber der Giwoba Wohnbau GmbH bei seinen Reisen durch die Welt gesammelt. Einen anderen Teil hat er von seinen Eltern geerbt.

Vor drei Jahren hat Unternehmer Gilbert El-Haj mit der Sanierung des ehemaligen Pfullendorfer Gefängnisses begonnen. Bis Ende 2018 will er sein neues Zuhause beziehen, in den beiden unteren Geschossen sollen wertvolle Antiquitäten zu sehen sein.
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