Kunstwerke zeigen Ideale, Idole und Fantasiewelten

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Cäcilia Krönert

Die Ausstellung ist bis Dienstag, 24. Juli, zu den Öffnungszeiten der Stadtbücherei zu sehen.

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14 Abiturienten der Gymnasien Pfullendorf und Wilhelmsdorf stellen Werke zum Thema „Der harte Kern der Schönheit“ in der Pfullendorfer Stadtbücherei aus. Entstanden sind die Arbeiten in den vergangenen zwei Jahren im Neigungsfach Kunst. Bei einer Vernissage erläuterten die Abiturienten, was hinter ihren Werken steckt.

„Seit Zehntausenden von Jahren malen wir Menschen Bilder. Das kann nicht einfach oberflächlich und belanglos sein. Das muss mit der grundsächlichen Beschaffenheit unseres Denkens und unserer Vorstellungskraft zu tun haben“, sagte Björn Gebhard bei der Vernissage. Er ist Lehrer für bildende Kunst am Staufer-Gymnasium in Pfullendorf und unterrichtet auch Schüler des Wilhelmsdorfer Gymnasiums. Wie Gebhard berichtete, sind die Schüler in den vergangenen zwei Jahren zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen. In dieser Zeit hätten sie sich ein Bild von der Welt gemacht, sagte der Lehrer über seine schulübergreifende Kursgruppe.

Büchereileiterin Martina Feldt hatte bereits im Vorwort erklärt, wie sehr sie sich über die Kooperation zwischen Schule und Bücherei freut. „Eure Bilder sind sensationell, sehr individuell. Hoffentlich bleibt euch das Interesse am kreativen Tun ein Leben lang erhalten“, sagte Feldt.

Ausgestellt werden Bilder, die Ideale, Idole, Fantasiewelten, Wunschvorstellungen und teilweise auch Kritik darstellen, anatomische Studien und eindrückliche Porträts und Selbstporträts. „Ich wollte Marilyn Manson zeichnen, weil ich seine Musik gerade rauf und runter gehört habe“, sagte Ina Rabenbauer aus Pfullendorf über ihre Tusche-Zeichnung. Zwei Bilder habe sie sich herausgesucht, allerdings habe sie sich nicht entscheiden können, welches mehr Ausdruck hat. „Also habe ich in meinem Bild beide dargestellt.“

Lenny Miller vom Gymnasium Wilhelmsdorf hatte sich als Unterlage für ein Stück Holz entschieden. „Ich habe mich vom Holz inspirieren lassen. Das Holz hat die Form vorgegeben und ich habe das Gemalte schon vorher darin gesehen“, erklärte der Schüler, der sich zum Beispiel vorstellen kann, Architektur zu studieren. Vielleicht widme er sich aber auch der Kunsttherapie, sagte Lenny Miller. Interessant und außergewöhnlich kreierte der Wilhelmsdorfer als anatomische Studie einen menschlichen Schädel und probierte sich in Comic-, Street-Art-, Tattoo- und Manga-Stilrichtungen aus.

„Beauty has no borders“ lautet der Titel von Nina Seitz’ Bild, das eine Asiatin von vorn und eine Afrikanerin im Profil zeigt. „Für mich war es etwas Neues, weil ich nicht so oft mit Acrylfarbe auf Leinwand male“, sagte Seitz. Eher erstelle sie eine Bleistiftzeichnung und dann Porträts. Sie schaue sich Gesichtszüge genau an und zeichne dann aus dem Kopf.

Lehrer kauft ein Gemälde

Nina Seitz’ Bild habe etwas Exotisches und hebe sich von den anderen ab, sagte Nikolaus Mohr, Lehrer am Staufer-Gymnasium. „Das Bild hat Bildwitz, ist gut gemalt und es ist eine schöne Erinnerung an meine Zeit als Kunstlehrer“, sagte Mohr, der jetzt in den Ruhestand geht und das Gemälde von Nina Seitz direkt zu Beginn der Vernissage gekauft hatte.

„Als Hobby werde ich Kunst weiter verfolgen, aber als Beruf kann ich sie mir nicht vorstellen“, sagte Nina Seitz. „Ich möchte lieber im Bereich Anglistik, Amerikanistik und Politikwissenschaften studieren.“

„Mein Bild zeigt einen Tänzer, den ich auf Instagram gesehen und mit Filzstift gezeichnet habe“, sagte der Pfullendorfer Vu-Long Dao. Filzstift habe er benutzt, weil dieser einheitliches Schwarz ergibt. Eine Sirene, ein weibliches Fabelwesen aus der griechischen Mythologie, zählt Inga Sielemann zu ihren Kunstwerken. Auf ihrem E-Piano begleitete die Abiturientin aus Wilhelmsdorf die Vernissage musikalisch.

Die wenigsten Schüler, die den Kunstunterricht in der Schule besuchten, würden künstlerische Berufe ergreifen, berichtete Björn Gebhard. Dennoch glaube er, dass Kunst ein entscheidendes Fach ist, das es einem ermöglicht, kreative Querverbindungen zu ziehen, abseitiges Denken zu erproben und sich jenseits von Richtig und Falsch auf eigene Lösungsansätze und die eigene Schaffenskraft zu verlassen. Das seien Qualitäten und Fertigkeiten, die man auch als Handwerker, Wissenschaftler, Ingenieur oder Manager gebrauchen könne, sagte Gebhard.

Die Ausstellung ist bis Dienstag, 24. Juli, zu den Öffnungszeiten der Stadtbücherei zu sehen.

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