Kommandeur: Junge Soldaten sind oft nicht fit genug

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Der Kommandeur des Ausbildungszentrums Spezielle Operationen in Pfullendorf, Oberst Carsten Jahnel (Mitte), während der Diensta
Der Kommandeur des Ausbildungszentrums Spezielle Operationen in Pfullendorf, Oberst Carsten Jahnel (Mitte), während der Dienstaufsicht im Gespräch mit Soldaten. Die Ausbilder sollen stärker als bisher auf die individuelle Leistungsfähigkeit der Rekruten eingehen. (Foto: Thomas Warnack)
Schwäbische Zeitung
Chefreporter Ulm und Alb-Donau

Mit einem veränderten Ausbildungskonzept will der Kommandeur des Ausbildungszentrums Spezielle Operationen in Pfullendorf, Oberst Carsten Jahnel, auf die veränderten Anforderungen einerseits und die individuelle Leistungsfähigkeit der jeweiligen Soldaten reagieren. Das sagte Jahnel am Montag in Pfullendorf.

In den vergangenen Monaten hatte es in der Pfullendorfer Staufer-Kaserne immer wieder skandalträchtige Vorfälle gegeben. Zuletzt hatten Anfang März mehrere Soldaten eine Übung bei Eiseskälte abbrechen müssen.

Der Kommandeur des Ausbildungszentrum Spezielle Operationen, Oberst Carsten Jahnel steht in der Staufer-Kaserne.
Der Kommandeur des Ausbildungszentrum Spezielle Operationen, Oberst Carsten Jahnel steht in der Staufer-Kaserne. (Foto: Thomas Warnack)

Im Gespräch wies Jahnel darauf hin, dass jede Ausbildung im Ausbildungszentrums Spezielle Operationen körperbetont sei: „Unser Auftrag ist die trainingsgebundene Ausbildung für nationale Spezialkräfte und spezialisierte Kräfte.“ Es gehe um Aus- und Weiterbildung, um die Überlebensausbildung für fliegerisches Personal der Bundeswehr und um die Ausbildung künftiger Kommandosoldaten im Kommando Spezialkräfte (KSK) und in der Division Schnelle Kräfte. Ständig würden in 54 nationalen und 21 internationalen Trainings 500 bis 700 Angehörige aller Teilstreitkräfte und aus neun Nato-Mitgliedsländern in der Kaserne ausgebildet. 350 Soldaten seien als Ausbilder, im Stab, für die Versorgung und die Sicherheit zuständig.

„Keine Befehle abwarten!“

„Wir bereiten auf das Unbekannte vor“, beschrieb Jahnel den Grundsatz, „wir bereiten die Soldaten darauf mental und körperlich vor.“ Die Bundeswehr benötige vor allem in den Auslandseinsätzen „Menschen, die keine Befehle abwarten, sondern Situationen erkennen und dann selbstständig nach Recht und Gesetz der Bundesrepublik im Sinne der Inneren Führung handeln.“ Die körperliche Ausbildung sei elementar wichtig für den Erfolg der Missionen „und dafür, dass die Kameraden heile nach Hause kommen.“ Durchschlageübungen, Geländeläufe, Klettern und Abseilen am Sprungturm oder Übernachtungen im Wald gehörten beispieslweise zum Programm:

„Wir bilden Piloten so aus, dass sie nach einem Absturz beispielsweise im Freien überleben können – und dort gibt es keinen Supermarkt.“

Daher lernten die Luftwaffen-Soldaten, Hasen zu jagen, Forellen zu angeln „und sie dann auch zu schlachten.“

Diesen hohen Anforderungen allerdings werden Bewerber, die sich für den Dienst in der Truppe interessieren, immer seltener gerecht: „Wir erleben neue Soldaten, die keinerlei Erfahrungen im Vereinssport haben, die selten draußen gewesen sind, die nicht fit sind“, beschrieb Jahnel seine Erfahrungen und fügte hinzu:

„Manch‘ einer war auch noch nie im Wald!“

Die eintägigen Tests in den Karrierecentern der Bundeswehr könnten keine validen Hinweise auf die körperliche Leistungsfähigkeit geben.

Mehr Dienstaufsicht

Daher wird die körperliche Leistungsfähigkeit jetzt vor Ort getestet, eingeordnet und kontrolliert. Im Ausbildungszentrum Spezielle Operationen hat Jahnel, der seit dem 1. April 2017 im Amt ist, die Strukturen so verändert, dass eine bessere Dienstaufsicht möglich ist. Lehre und Ausbildung stünden stärker denn je im Vordergrund: „Ich selber bin viel draußen und erkläre auch den Ausbildern die neue Konzeption.“ Damit setzt Jahnel eine Anweisung von Generalinspekteur Volker Wieker um, der angeordnet hatte, die Praktiken zu überprüfen. Hinsichtlich der individuellen Leistungsstärke werde ein noch größerer Augenmerk auf jeden Einzelnen gelegt. Die körperliche Unversehrtheit der Rekruten stehe an erster Stelle. Heeres-Inspekteur Jörg Vollmer hatte bereits Anfang März angekündigt, den Trainingszustand der Rekruten im Heer künftig stärker berücksichtigen und sie entsprechend ihrer Fitness in Gruppen einteilen zu wollen.

„Wir werden dann eben drei oder vier Leistungsgruppen pro Ausbildungszug haben“, erläuterte Jahnel die Umsetzung. Bei einem Geländelauf im Januar, den sechs Soldaten wegen körperlicher Erschöpfung oder Verletzung abbrachen, hatte es nur eine Leistungsgruppe gegeben. Eine Soldatin war zusammengebrochen und musste ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Die Bundeswehr versetzte einen Ausbilder und ermittelt nun intern. „Und wir werden von nun an jeden Soldaten einzeln befragen, ob er sich für die Anforderungen fit genug fühlt“, kündigte Jahnel an: „Jene Soldatin hätte an der Ausbildung nicht teilnehmen dürfen, da sie eine nicht auskurierte Grippe mit sich herumschleppte.“ Das aber habe die Frau den Ausbildern nicht berichtet.

Ausbilder sollen immer wieder Truppenerfahrungen sammeln

Weiter will Jahnel auf einen schnelleren Austausch zwischen Erfahrungen in der Truppe und Ausbildung setzen: „Ausbilder sollten drei, höchstens vier Jahre hier in Pfullendorf bleiben und dann zurück in die Truppe“, sagte der Kommandeur. In der Vergangenheit sei hier „die Entwicklung verschlafen worden“, führte Jahnel aus und fügte hinzu: „Die Trendwende Personal greift erst noch.“

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