Kirchen beziehen zur angekündigten Krankenhaus-Schließung Stellung

 Der Widerstand in Pfullendorf gegen die geplante Krankenhaus-Schließung wird größer.
Der Widerstand in Pfullendorf gegen die geplante Krankenhaus-Schließung wird größer. (Foto: Anthia Schmitt)
Schwäbische Zeitung

Die christlichen Kirchen in Pfullendorf haben eine gemeinsame Stellungnahme zur drohenden Schließung des Krankenhauses verfasst, aus der wir zitieren. „Als Christinnen und Christen betrachten wir es als unsere Pflicht, zur Zukunft des Krankenhausstandortes Pfullendorf Stellung zu beziehen“, schreiben die evangelische und die katholische Kirche. Die Sorge um die Kranken, die Zuwendung zu Sterbenden und die Begleitung von Angehörigen sei für sie von zentraler Bedeutung. „Wir erleben eine im Wesentlichen von Marktanteilen, Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen, Fallzahlen, Bettenauslastungen, Profiten, Enttäuschungen und Schuldzuweisungen geprägte Diskussion. Wir fragen uns: Wo bleiben in der Diskussion die Bedürfnisse des einzelnen Menschen?

In Gesprächen unserer Seelsorgerinnen und Seelsorger und im Austausch mit Kirchen- und Pfarrgemeinderäten hören wir von Sorgen und Ängsten unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger.“

Die Kirchen werfen Fragen auf, die ihre Mitglieder bewegen: „Wie komme ich ins Krankenhaus nach Sigmaringen, wenn ich nicht mehr Auto fahre? Der Bus bringt mich bis zum Bahnhof – und dann? Das überfordert mich! Bin ich in dem großen Krankenhausbetrieb nur noch eine Fallzahl? Werden meine Bedürfnisse wahrgenommen? Wie werde ich medizinisch versorgt, wo doch auch die Hausärzte in Pfullendorf keine Patienten mehr aufnehmen? Wie kann ich meiner sterbenden Ehefrau beistehen, wenn nachts um 2:00 Uhr der Anruf kommt und ich mehr als 30 Minuten bis ans Sterbebett brauche? Finde ich als Mitarbeiter des bisherigen Krankenhauses Pfullendorf eine gleichwertige Anstellung im zentralen Krankenhaus in Sigmaringen? Ist unser Rettungsdienst überhaupt darauf ausgelegt, die vielen zusätzlich anfallenden Fahrten nach Sigmaringen zu stemmen? Was passiert bei einem Notruf, solange der Rettungsdienst auf dem Hin- und Rückweg von mehr als einer Stunde ist? Muss ich als Schwangere weiterhin damit rechnen, mein Kind auf dem Rücksitz irgendwo auf der L456 gebären zu müssen?“

Die Aufzählung der Punkte sei nicht vollständig. Sie erhebe auch keinen Anspruch auf Repräsentativität. Dennoch zeigten die Punkte die große Verunsicherung und die realen Ängste der Bürgerinnen und Bürger im Mittelzentrum Pfullendorf und seiner ländlich geprägten Umgebung.

„Wir mahnen eine Gesprächskultur an, die weder über diese Ängste und Befürchtungen hinweggeht noch diese kleinredet. Vielmehr fordern wir eine Politik, welche die Bedürfnisse des einzelnen Menschen und dessen Wunsch nach einer verlässlichen, qualifizierten und wohnortnahen medizinischen Versorgung in den Mittelpunkt stellt. Vor diesem Hintergrund begrüßen wir ausdrücklich den Vorstoß von Bürgermeister Kugler, eine Zweitmeinung zur bisherigen Konzeption einzuholen. Wir erachten es als dringend geboten, für eine angemessene medizinische Versorgung in Pfullendorf einzustehen und alternative Lösungsvorschläge nicht von vornherrein auszuschließen“, schreiben die Kirchen abschließend.

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