Kasernenname „Generaloberst von Fritsch“ unter Beschuss

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Die Generaloberst von Fritsch Kaserne in Pfullendorf. (Foto: archiv)
Anthia Schmitt

Seit dem 27. Oktober 1964 trägt die Pfullendorfer Kaserne, wie so viele Kasernen in der Bundesrepublik, den Namen eines hohen Militärs. Sie wurde nach Generaloberst Werner Freiherr von Fritsch benannt. Die Geschichtsbücher schreiben, dass sich Fritsch von Adolf Hitler distanzierte und dessen Kriegsplänen kritisch gegenüberstand. Sie schreiben aber auch, dass Fritsch in einem privaten Brief einen judenfeindlichen Satz formulierte.

Genau dieser Satz sorgt jetzt in der Pfullendorfer Kaserne für Aufregung. Kommandeur Oberst Peter Seidenspinner soll bis Mitte Dezember gegenüber seinen Vorgesetzten eine Stellungnahme zum Namen der Kaserne abgeben.

„Wir können heute nicht mehr sagen, wie es zu dem Kasernennamen kam“, sagte Seidenspinner im Pressegespräch. Die Artillerie sei damals Hausherr gewesen und vermutlich habe man den Namen gewählt, weil Fritsch einem Artillerieregiment vorstand. „Der Blick nach Pfullendorf ist nicht der einzige“, sagte Seidenspinner, zahlreiche Kasernennamen würden auf ihren Zusammenhang mit dem Naziregime überprüft, darunter natürlich auch weitere Kasernen, die ebenfalls nach Fritsch benannt wurden. „Es wurden in den vergangenen Jahren immer wieder Kasernennamen hinterfragt“, sagte Seidenspinner weiter und verwies auch auf einen aktuellen diesbezüglichen Antrag im Bundestag.

Das Problem in Gesprächsrunden thematisieren

„Das war brandneu für uns“, berichtete er von der Anfrage seiner Vorgesetzten, die erst am vergangenen Donnerstag bei ihm auf dem Schreibtisch landete. Solange er Verantwortung in der Kaserne trage, habe er noch nie einen entsprechenden Hinweis erhalten oder eine Anmerkung gehört. Seidenspinner will für seine Stellungnahme Meinungen der Soldaten im Ausbildungszentrum Spezielle Operationen einholen und das Problem in Gesprächsrunden thematisieren.

Außerdem soll die Meinung der Stadt und des Traditionsverbands Artillerieregiment 10, in dem sich ehemalige Angehörige des aufgelösten Regiments zu einem Verein zusammengeschlossen haben, in die Stellungnahme einfließen. „Wir können eine Namensänderung vorschlagen“, sagte Seidenspinner. Entschieden werde nach militärhistorischen Überprüfungen aber „ganz oben“. Und: „Wir denken noch nicht über einen Folgenamen nach.“

„Wir vonseiten der Stadt werden uns nicht groß einmischen“, erklärte Bürgermeister Thomas Kugler, der in den letzten Tagen Geschichtsbücher gewälzt hat, um mehr über den Generaloberst zu erfahren. Kugler verwies auf die 50-jährige Tradition des Kasernennamens und informierte, dass er den Gemeinderat in die Sache einbeziehen wolle.

Umstrittener Satz könnte auch eine Fälschung sein

„Unsere Unteroffiziere, für die die Kaserne viele Jahre wie eine Heimat war, hätten wohl eher kein Verständnis für eine Namensänderung“, sagte Thomas Kroll, seit dem Tod von Jürgen Thomar kommissarischer Vorsitzender des Traditionsverbands. Bei den Offizieren liege die Sache anders, denn die seien häufiger versetzt worden und nicht eine so lange Zeit in der Pfullendorfer Kaserne geblieben.

Kroll ist bei seinen Nachforschungen auf einen Hinweis gestoßen, dass der umstrittene Satz Fritschs auch eine Fälschung sein könnte und dass der Satz in den Nürnberger Prozessen gegen die Spitzen des NS-Regimes nicht gewertet wurde. „Es wird darauf ankommen, aus welcher Sicht die Entscheidenden urteilen“, sagte Kroll – aus der heutigen oder der damaligen Perspektive.

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