K.o.-Schlag mit der Schlusssirene

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Paul Kaletsch war in Düsseldorf der Konstanzer Pechvogel.
Paul Kaletsch war in Düsseldorf der Konstanzer Pechvogel. (Foto: Archivf.: Pisa)

Die HSG Konstanz hätte alles klarmachen können: 24 Sekunden auf der Uhr, Ballbesitz und die Chance zum 24:23-Siegtreffer. Ein Punkt zumindest schien sicher. Doch ein technischer Fehler, ein schneller Gegenstoß und der Treffer zum 24:23 mit der Schlusssirenefür die Vikings besiegelten den Knockout. Ganz dicht am verdienten Punktgewinn für einen bravourösen Kampf, saßen die Konstanzer anschließend noch minutenlang auf der Auswechselbank. Die Blicke irgendwo ins Nirgendwo. Cheftrainer Daniel Eblen war dennoch stolz: „Kompliment, meine Mannschaft hat super Charakter bewiesen. Dass sie am Ende nicht belohnt wird, ist schade.“

Der Druck, unter dem der ambitionierte Aufsteiger aus Düsseldorf nach der hohen Auftaktniederlage in Bietigheim vor eigenem Publikum stand, war greifbar – allerdings auch die Entschlossenheit, sich mit einem anderen Gesicht zu zeigen. Konstanz hielt in einer von Beginn an körperbetont geführten Partie eine wieder stabile, bewegliche Deckung und einen gut aufgelegten Konstantin Poltrum zwischen den Pfosten dagegen. Im Duell Jung gegen Alt konnten sich jedoch auch die Rhein Vikings auf Vladimir Bozic verlassen, der seine Qualitäten nicht nur bei zwei gehaltenen Siebenmetern unter Beweis stellte.

Nachdem Konstantin Poltrum ebenfalls einen Strafwurf entschärft hatte und Felix Klingler zum 3:3 (6.) ausgeglichen hatte, nahm die Begegnung Fahrt auf. Paul Kaletsch traf bei angedrohtem Zeitspiel zur Führung und danach wurde von beiden Seiten mit viel Tempo und Kampf um jeden Zentimeter agiert. Vorteil zunächst: Düsseldorf. Konstanz scheiterte von der Siebenmetermarke, während die Hausherren in Überzahl in das leere HSG-Tor zum 9:6 trafen. Samuel Wendel mit seinem ersten Saisontor und Mathias Riedel mit einem unwiderstehlichen Antritt im Eins-gegen-Eins hielten den Rückstand zur Pause beim 13:10 in Grenzen.

Alles nur Vorspiel für ein Handball-Drama nach dem Seitenwechsel,. Bis zum 19:18 durch Tom Wolf legte die HSG vor, dann gingen die Vikings in Führung.

Selbst als Düsseldorf durch einen Kempa-Trick in Führung und sehenswerte Tore von Daniel Pankhofer vorlegte, konterte Konstanz durch Paul Kaletsch und hatte schließlich beim 23:23 und eigenem Angriff alles in der eigenen Hand. „Solche Erlebnisse wie am Schluss gibt es, was da passiert ist, darüber müssen wir nicht reden. Aber an solchen Dingen wächst man“, so Daniel Eblen. „Die Jungs haben gezeigt, wie sehr sie wollen und wie sie zusammenhalten. Wir werden das machen, was uns auszeichnet: wieder aufstehen. Und wenn es wieder passiert, werden wir nochmals aufstehen.“ Denn die Vikings nutzten den technischen Fehler vom zuvor nervenstarken Kaletsch per Tempogenstoß gnadenlos aus – und trafen nicht nur zum 24:23-Sieg, sondern auch voll ins Konstanzer Mark. Der elffache Torschütze Paul Kaletsch selbst meinte total enttäuscht, aber trotzig: „Das nehme ich auf meine Kappe. Vielleicht hat mir die Kraft gefehlt, ich weiß es nicht.“

HSG Konstanz: Konstantin Poltrum, Stefan Hanemann (Tor); Benjamin Schweda, Mathias Riedel (3), Tom Wolf (1), Paul Kaletsch (11/5), Felix Krüger, Fabian Maier-Hasselmann (1), Felix Gäßler, Tim Jud, Samuel Wendel (2), Chris Berchtenbreiter (3), Sebastian Bösing, Felix Klingler (1), Julius Heil.

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