Jugendliche sollen ihre Ideen einbringen

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Die Pfullendorfer Jugendlichen wünschten sich zuletzt unter anderem eine Sprayerwand – mit Erfolg. Was den jungen Leuten in Wald
Die Pfullendorfer Jugendlichen wünschten sich zuletzt unter anderem eine Sprayerwand – mit Erfolg. Was den jungen Leuten in Wald unter den Nägeln brennt, soll die Jugendbeteiligung zeigen. (Foto: Sebastian Korinth/Archiv)
Schwäbische Zeitung
Anthia Schmitt

Dem zunehmenden Desinteresse der jüngeren Bevölkerung an Führungsaufgaben in Vereinen oder an politischer Verantwortung will die Gemeinde Wald mit einer Jugendbeteiligung begegnen. In der Gemeinderatssitzung am Dienstag hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen, ein entsprechendes Projekt in Kooperation mit dem kreisweiten „Forum Jugend Soziales Prävention“ zu starten.

Dietmar Unterricker und Roland Schönbucher vom Forum stellten vor, welche Möglichkeiten und Chancen das Projekt bietet, das im ersten Jahr aus dem bundesweiten Förderprogramm „Landaufschwung“ finanziert wird. „Wir wollen, dass sich die Jugendlichen mehr zur Gemeinschaft zugehörig fühlen“, sagte Unterricker. Es sei immer schwieriger, junge Leute in die Verantwortung in Vereinen oder in den kommunalen Gremien zu bekommen. Deshalb sei Jugendbeteiligung eine zukunftssichernde Maßnahme. Eine weitere Auswirkung könnte laut Dietmar Unterricker sein, dass Jugendliche Politik positiv erleben und sich dazu entschließen, nach ihrer Ausbildung in die Heimatregion zurückzukehren.

Ablaufen könnte das Projekt, das in acht Kreisgemeinden bereits in der Erprobung ist, etwa so: Der Bürgermeister schreibt 60 bis 80 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 15 Jahren an – eine Altersstufe, die sich laut Roland Schönbucher bewährt hat – und lädt sie zu einem ersten Treffen ein. Zehn bis 15 Jugendliche sollten tatsächlich an diesem Treffen teilnehmen und sich zu einer weiteren Mitarbeit in einem sogenannten Jugendrat, der Ideen und Vorschläge entwickelt, bereit erklären. Abgewiesen wird niemand – auch nicht, wenn er jünger oder älter ist.

Dieser Jugendrat erhält Rederecht, Anhörungsrecht und Antragsrecht im Gemeinderat und wird mit angemessenen Haushaltsmitteln ausgestattet. Moderiert und kommentiert wird der Prozess von einem Mitarbeiter des Forums, im Fall der Gemeinde Wald von der Sozialpädagogin Martina Stecher aus Denkingen. Diese kehrt aus der Elternzeit zurück und steht für die vorgesehene 25-Prozent-Stelle zur Verfügung. Sie stellte sich den Gemeinderäten kurz vor und berichtete von ihrem ehrenamtlichen Engagement im Denkinger Ortschaftsrat und in den örtlichen Vereinen.

Tolle Ideen umgesetzt

„Sie hätten im Moment das Glück, dass wir noch Geld und das notwendige Personal haben“, sagte Roland Schönbucher und warb anhand mehrerer Beispiele aus den anderen teilnehmenden Kreisgemeinden für das Projekt. „Es sind so schon tolle Ideen entstanden und umgesetzt worden“, sagte Schönbucher. Vorläufig muss die Gemeinde Wald nicht mehr zur Verfügung stellen als einen Raum, in dem sich die Jugendlichen treffen können.

Wenn nach einem Jahr die Förderung wegfällt, belaufen sich die Kosten abhängig vom weiteren Stellenumfang der hauptamtlichen Moderatorin auf etwa 4000 bis 5000 Euro. „Ich bin der Meinung, dass man es probieren muss“, sagte Bürgermeister Werner Müller und stieß damit beim Gemeinderat auf offene Ohren.

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