Jugendhilfestation will Anwalt der Kinder sein

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Bisher hat die Jugendhilfestation ein eher verborgenes Dasein in Pfullendorf geführt. Leider, denn die Einrichtung des Landratsamts erfüllt – mit der Begleitung und Betreuung von Kindern und Familien in schwierigen Situationen – eine wichtige Aufgabe. Das soll jetzt anders werden, wie Teamleiter Nicolas Zeiser erklärte: Am Freitag, 24. Mai, öffnet die Einrichtung ihre Türen für die Bevölkerung zu einem „Tag des Kennenlernens“.

Seit 2007 gibt es die Jugendhilfestation in Pfullendorf. Damals vom Kreis in Kooperation mit der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung Haus Nazareth in Sigmaringen als Pilotprojekt initiiert. Sie ist, so Harald Nehrenheim, Referatsleiter für ambulante Hilfen im Haus Nazareth, die einzige Jugendhilfestation im Bereich der Erzdiözese Freiburg. Sechs Sozialarbeiter und Erzieher begleiten die Familien in schwierigen Situationen, bei Bedarf in enger Verbindung mit Fachstellen wie der Erziehungsberatung oder der Suchtberatung.

Angeboten wird eine sozialpädagogische Familienhilfe, bei der der Mitarbeiter in die Familie kommt, oder eine Erziehungsbeistandschaft, aber auch eine Tagesgruppe, in der die Kinder nach der Schule betreut werden, soziale Gruppenstunden und in diesem Jahr neu eine Ferienbetreuung. „Wir sehen uns als Anwalt des Kindes“, sagt Nicolas Zeiser. „Wir unterstützen Kinder, die eine individuelle Beratung und Begleitung brauchen.“

Er unterstreicht besonders die Flexibilität der Jugendhilfestation, denn durch die verschiedenen Angebote kann für jedes Kind die passende Betreuung zusammengestellt werden. Aktuell betreut die Jugendhilfestation 15 Kinder und 25 Familien aus dem Raum Pfullendorf.

Vielschichtige „Kundschaft“

Nehrenheim und Zeiser zählen eine ganze Reihe von Gründen auf, warum Kinder und Jugendliche von der Geburt bis zum 18. Geburtstag und gegebenenfalls darüber hinaus von der Jugendhilfestation begleitet werden. Gefahren für das Kindeswohl, psychische und körperliche Gewalt in der Familie oder sexueller Missbrauch, Alkohol-, Drogen- oder Spielsucht bei einem Elternteil oder bei den Jugendlichen, können Gründe sein, wenn die Hilfe der Station in Anspruch genommen wird. Aber auch Trennungssituationen, Probleme mit Stiefelternteilen und psychische Erkrankungen der Eltern, oder aber Verhaltensauffälligkeiten bei den Kindern .

„Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt Nehrenheim. „Die Familie soll lernen, wie sie ihre Probleme selbst lösen kann.“ Die Dauer der Begleitung hängt vom Einzelfall ab. Im Schnitt liegt sie bei einem Jahr. Zur „Kundschaft“ zählen bei weitem nicht nur Kinder aus sozial schwachen Familien, auch in Familien mit gehobenem Bildungs- und Sozialhintergrund gibt es Sorgen und Probleme innerhalb der Familie oder mit dem Nachwuchs. Die Jugendhilfestation wird als Teil der ambulanten Jugendhilfe vom Kreis finanziert.

Deshalb muss für eine Begleitung, sei es die Familienhilfe, die Erziehungsbeistandschaft, die Tagesbetreuung oder ein individuell zusammengestellter Mix aus allem, das Einverständnis des Jugendamts eingeholt werden. In manchen Fällen wird die Jugendhilfestation vom Jugendamt beauftragt, eine Betreuung zu übernehmen, auch um nach Möglichkeit eine Unterbringung des Kinder außerhalb der Familie zu vermeiden. „Man kann auf uns zugehen, dann leiten wir die notwendigen Schritte ein“, so Nehrenheim.

„Jemand, der sich Hilfe holt, muss sich dafür nicht schämen, eher diejenigen, die bei Problemen keine Hilfe holen.“ Für Zeiser ist die Arbeit der Jugendhilfestation vor allem Fürsorge für die Kinder: „Es ist toll, wie wir hier auf die Familien zugehen und ihnen helfen können.“ Das nicht jede Begleitung zum Erfolg führt, ist den beiden klar. Aber jedes einzelne Kind ist alle Anstrengungen wert.

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