Heggelbach wird zur Forschungszentrale

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Stephan Schindele (von links) vom Fraunhofer Institut, Regionalverbandsdirektor Wilfried Franke und Daniel Ketzer vom Karlsruher
Stephan Schindele (von links) vom Fraunhofer Institut, Regionalverbandsdirektor Wilfried Franke und Daniel Ketzer vom Karlsruher (Foto: stt)
Schwäbische Zeitung
Anthia Schmitt

Der Weiler Heggelbach, ein Teilort der Gemeinde Herdwangen-Schönach, rückt in das Interesse der energetischen Forschung. Der Grund: Stephan Schindele, Projektleiter beim Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg, stammt aus der Region und kennt die Hofgemeinschaft Heggelbach als aufgeschlossen gegenüber der regenerativen Energiegewinnung.

Was das Fraunhofer-Institut und das Karlsruher Institut für Technologie im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in Kooperation mit der Hofgemeinschaft Heggelbach erforschen wollen, heißt Agrophotovoltaik. Auf einem halben Hektar Ackerfläche betreibt die Hofgemeinschaft für die Forschung Landwirtschaft und darüber, in sechs bis sieben Metern Höhe, sammeln Paneele einer feststehenden Photovoltaikanlage Sonnenenergie zur Stromgewinnung. Neben dem Versuchsfeld mit Photovoltaik entsteht eine Vergleichsfläche ohne Photovoltaik, sodass das Wachstum der Pflanzen verglichen und die Folgen der Verschattung erforscht werden können.

„Die Problemstellung ist es, den Flächenverbrauch gegenüber einer Freiflächen-Photovoltaikanlage zu verringern“, sagte Schindele, der das Forschungsprojekt am Mittwoch dem Planungsausschuss des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben vorstellte. Ziele der Forschung seien ein nachhaltiges Flächenmanagement und zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten für Landwirte. Neben den Forschungen in Heggelbach werden im Bereich Tettnang Versuche mit Obstbau und Hopfen sowie am Tuniberg bei Freiburg mit Weinanbau gemacht. Gleichzeitig wird erprobt, inwieweit die Photovoltaik auch als Hagelschutz eingesetzt werden kann. Das Forschungsprojekt läuft bis 2019.

„Wir wollen bewusst die Bevölkerung mit einbinden“, ergänzte Daniel Ketzer vom Karlsruher Institut für Technologie. Deshalb würden Bürgerwerkstätten eingerichtet, bei denen „die Bevölkerung informiert wird und ein Dialog auf Augenhöhe stattfindet“. Die erste Bürgerwerkstatt soll vor der Inbetriebnahme in Heggelbach stattfinden, eine zweite nach der Errichtung der Anlage.

„Wir werden zur Modellregion“, sagte Wilfried Franke, Direktor des Regionalverbands. Er erinnerte daran, dass Lösungen zur alternativen Energiegewinnung gefunden werden müssen, um die Stromversorgung zu sichern, wenn die Kernkraftwerke abgeschaltet werden. In der Region Oberschwaben werde Energie hauptsächlich aus Biogas und Photovoltaik gewonnen, „die Windenergie betrachte ich in unserer Region als gescheitert.“

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